Der Bozner Platz in Innsbruck wird zur grünen Zone der Begegnung

Wiener Landschaftsarchitekten gestalten den Platz in Innsbruck neu. 4,5 Mio. Euro lässt sich die Stadt das kosten. Der Baustart soll 2022 erfolgen.

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Schattenspendende Lederhülsenbäume, ein verbreiterter Gehsteig, Raum zum Verweilen – so soll der neue Bozner Platz aussehen.
© Kolar

Von Denise Daum

Innsbruck – Auf der To-do-Liste steht der Bozner Platz schon lange. Nach mehreren Verzögerungen wird es nun aber ernst mit der Neugestaltung. Gestern Freitag wurden die Sieger des Realisierungswettbewerbs präsentiert. Die hochkarätig besetzte Jury hatte die Qual der Wahl: 58 Projekte wurden eingereicht. Das Rennen für sich entscheiden konnte das Wiener Ingenieurbüro EGKK Landschaftsarchitektur. Juryvorsitzende Maria Auböck lobt die Qualität aller eingebrachten Projekte, auch wenn manche „utopisch“ waren, wie sie sagt. Das Siegerprojekt bezeichnet Auböck als „markant in seiner Raumfigur“. Es sieht viel Grün in Form von so genannten Lederhülsenbäumen vor, deren lichtes Baumdach über der Platzmitte schwebt. Park soll aber keiner entstehen, sondern vielmehr ein baumbestandener Platz. Die Bäume sollen als Inseln der Ruhe dienen und gleichzeitig für die Kühlung des Platzes sorgen.

Insgesamt wird die Aufenthaltsqualität – und das war auch eine zentrale Vorgabe bei der Wettbewerbsausgelobung – durch die Neugestaltung massiv gesteigert werden. Derzeit, so der siegreiche Landschaftsarchitekt Clemens Kolar, fehle es dem Bozner Platz an Identität und Atmosphäre. „Der Entwurf respektiert die Platzgeschichte, legt verborgene Qualitäten frei und schafft mit dem luftigen Baumdach einen zukunftsfähigen, klimaresilienten Stadtraum von hoher Aufenthaltsqualität“, erklärt Kolar. Das Projekt sieht auch Raum für eine Ausweitung der Gastgärten, temporäre Märkte sowie konsumfreie Zonen vor.

So sieht der Boznerplatz heute aus.
© TT/Böhm

Auch wenn keine Verkehrsfunktionen gestrichen werden, soll eine Reduzierung des Verkehrs und eine Entschleunigung erzielt werden. Dazu trägt nicht zuletzt bei, dass der Bozner Platz im Zuge der Neugestaltung ebenfalls zur Begegnungszone wird, die umliegenden Straßenzüge – Meraner Straße, der nördliche Teil der Wilhelm-Greil-Straße sowie der Erlerstraße – sind dies bekanntlich bereits. Ein Tempolimit von 20 km

h, verbreiterte Gehsteige und eine damit einhergehende Fahrbahnverengung sollen den Platz für den Durchzugsverkehr unattraktiv machen.

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Die ressortzuständige Stadträtin Uschi Schwarzl hat das Siegerprojekt bereits im Stadtsenat präsentiert, wo es auf „großes Wohlwollen quer durch alle Fraktionen gestoßen ist“, sagt Schwarzl. Lob für das Projekt kommt nicht nur von Wirtschaftsstadträtin Christine Oppitz-Plörer (FI) und ÖVP-Vizebürgermeister Hannes Anzengruber, sondern auch vom Innenstadtvereinsobmann Thomas Hudovernik, der insgesamt ein Umdenken hinsichtlich des Verkehrs in der Innenstadt einfordert. „Man kann nicht überall bis zum Tresen mit dem Auto fahren“, betont Hudovernik.

Rund 4,5 Millionen Euro sind für die Neugestaltung des Bozner Platzes veranschlagt. Der neu installierte Beirat für Großprojekte behandelt das Siegerprojekt in seiner März-Sitzung, dann geht es in die Detailplanung. Im Laufe des Jahres 2022 soll der Baustart erfolgen.

Projekte ausgestellt

Interessierte können sich kommende Woche von 23. Februar bis 5. März 2021 in der Innsbrucker Stadtbibliothek im Raum für Stadtentwicklung, Amraser Straße 2, 1. Stock, ein Bild von allen eingereichten Projekten machen.


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