Virologin Von Laer empfiehlt eigene Impfkampagne für Bezirk Schwaz

Die in Innsbruck tätige Virologin Dorothee von Laer diskutierte im ORF-Interview mit der deutschen Politologin Ulrike Guerot. Dabei sprach Von Laer auch über die Situation mit den vielen Fällen der Südafrika-Mutation im Bezirk Schwaz.

Virologin Dorothee von Laer.
© Screenshot/ORF

Innsbruck, Wien – In Tirol nimmt die Diskussion um eine Priorisierung des von der "Südafrika-Mutante" betroffenen Bezirks Schwaz wieder an Fahrt auf. Die grüne Regierungspartei forderte am Dienstag einen "Impfschutzschirm für besonders betroffene Regionen". Auch die Virologin Dorothee von Laer sprach sich für eine "Riegelimpfung" in Schwaz auf. Tirols LH Günther Platter (ÖVP) konnte dem prinzipiell viel abgewinnen, verwies jedoch auf zu wenig vorhandene Impfstoffe.

"Ich habe Gespräche mit nationalen und internationalen Experten geführt. Unter diesen ist unbestritten, dass eine Durchimpfung der Bevölkerung insbesondere in Gebieten, wo die Virusvarianten stark verbreitet sind, sinnvoll ist. Dafür braucht es jedoch Impfstoffe, über die wir im Moment nur eingeschränkt verfügen", so Platter. Aus diesem Grund habe man bereits vor einiger Zeit bei der Bundesregierung interveniert, dass Tirol von der Europäischen Union mehr Impfstoffe bekomme. "Wenn Tirol schon ein Hotspot der südafrikanischen Virusmutation ist, dann bringt uns das Abschirmen unseres Landes allein nicht weiter, die Mutation muss vielmehr gemeinsam bekämpft werden", betonte der Landeshauptmann.

📽️ Video | Forderung nach Impfschutzschirm für Bezirk Schwaz

Von Laer für "Riegelimpfung" im Bezirk Schwaz

Virologin Dorothee von Laer, die vor der Ausbreitung der Südafrika-Variante des Coronavirus gewarnt hatte, war am Montag in der ORF-Nachrichtensendung ZiB2 zu Gast. Dabei wurde sie parallel zur Politologin Ulrike Guerot zu den Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus interviewt.

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Zur Sprache kam auch die aktuelle Situation im Bezirk Schwaz. Heute sagte Von Laer, dass in Österreich derzeit "viel gemacht" werde. Es gebe derzeit die Strategie "Test statt Lockdown". Ob das funktioniere, könne man noch nicht sagen. Auch in Tirol sei die Situation derzeit gut. Im Bezirk Schwaz sei die Inzidenz jedoch noch hoch, die Südafrika-Variante verschwinde nicht. Die Maßnahmen seien "etwas spät" gesetzt worden. Sie schlage vor, durch Impfungen ("Riegelimpfungen") im Umfeld die Ausbreitung der Variante einzudämmen.

📽️ Video | Guerot und von Laer über Strategien gegen Corona

Diese Vorgangsweise kenne man "im kleineren Maßstab aus der Infektiologie". Hier werde "die Herde durch Impfung von der Umgebung nach außen abgeschirmt", erklärte Von Laer. Laut AGES wies der Bezirk Schwaz mit Stand Dienstagmittag eine Sieben-Tages-Inzidenz von 164,8 auf.

Grüne wollen "Vorkehrungen treffen"

Der grüne Klubobmann Gebi Mair sprach sich in einer Aussendung dafür aus, "dass für gewisse Szenarien Vorkehrungen getroffen werden". Sollte die südafrikanische Mutation "außer Kontrolle geraten", solle ein "Impfschutzschirm" aufgespannt werden. Dieser Vorschlag würde dem einer Riegelimpfung gleichkommen, sagte er. Man dürfe sich nun trotz der zuletzt sinkenden Infektionszahlen "nicht darauf ausruhen". Die Situation könne sich "binnen kurzer Zeit drehen", das habe man bei der Pandemiebekämpfung gelernt.

Tirols Arbeiterkammerpräsident Erwin Zangerl begrüßte den Vorschlag der Innsbrucker Virologin von Laer. Zangerl selbst forderte Anfang Februar eine rasche Lieferung an "wirksamem Impfstoff" in betroffene Gebiete. "Wenn sich zeigt, dass Tirol mit den ergriffenen Maßnahmen gegen die Mutation erfolgreich ist, dann wird das Vorbildwirkung auf andere Regionen bzw. Länder haben", meinte er.

Cluster in Mayrhofner Kindergarten

In der Zillertaler Gemeinde Mayrhofen wurde indes am Dienstag bekannt, dass im dortigen Kindergarten ein Cluster entstanden war. In dem Kindergarten zumindest gab es neun Fälle - bei einem besteht der Verdacht auf die südafrikanische Mutation. Auch in der Neuen Mittelschule gab es Infektionen. Der Kindergarten und die Schule wurden nun geschlossen.

In Mayrhofen sind aktuell 34 Menschen Corona-positiv. Bürgermeisterin Monika Wechselberger appellierte an Kinder und Eltern, sich in einer vor der Schule eingerichteten Teststation testen zu lassen. Wie es zu dem Cluster in Mayrhofen gekommen war, war laut Bezirkshauptmann Michael Brandl noch unklar. Aber auch er sprach sich für eine Impfkampagne im Bezirk Schwaz aus.

Insgesamt waren am Dienstag in Tirol erneut weniger aktiv Positive bei den bestätigten Südafrika-Fällen und Verdachtsfällen verzeichnet worden: Die Zahl sank innerhalb von 24 Stunden von 109 auf 98, innerhalb einer Woche von 142 auf 98. Von Montag auf Dienstag kamen sieben weitere Südafrika-Verdachtsfälle hinzu. (TT.com)


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