Große Umfrage in EU: Jedes fünfte Kind macht sich Sorgen um Zukunft

Mehr als 10.000 Kinder und Jugendliche nahmen an einer Umfrage teil, die in die EU-Kinderrechtsstrategie 2021-2024 einfließen soll. Die Corona-Pandemie – aber auch der Klimawandel – sorgt bei vielen für zusätzliche Unsicherheit und Stress.

88 Prozent der Kinder und Jugendlichen in der EU wissen über den Klimawandel und seine Auswirkungen Bescheid. Nicht zuletzt deshalb haben viele Zukunftsängste.
© Hood/AFP Marlowe

Brüssel, Wien – Eine Umfrage unter mehr als 10.000 Kindern und Jugendlichen zwischen elf und 17 Jahren innerhalb und außerhalb Europas soll zur Gestaltung der EU-Kinderrechtsstrategie 2021-2024 beitragen. Die Ergebnisse des Berichts „Unser Europa. Unsere Rechte. Unsere Zukunft“, den fünf Kinderrechtsorganisationen im Auftrag der EU-Kommission erstellt haben: Die Corona-Pandemie hat bei Kindern und Jugendlichen zu Stress und Unsicherheit geführt. Viele seien zudem unzufrieden mit der Schule.

„Diese Befragung der Kinder ist für uns in der Europäischen Kommission ein Novum und ein wichtiger Schritt zu mehr Kinderbeteiligung“, wird die Vizepräsidentin der EU-Kommission, Dubravka Šuica, zitiert. „Wir müssen und werden dafür sorgen, dass alle Kinder den gleichen Start ins Leben haben und sich in dieser Welt frei von Angst und Not entfalten können.“

Mädchen weitaus stärker betroffen als Buben

Jedes fünfte Kind in der EU, das an der Umfrage teilgenommen hat, berichtete, dass es unglücklich aufwächst und sich Sorgen um die Zukunft macht, so das Ergebnis der Studie von ChildFund Alliance, Eurochild, Save The Children, UNICEF und World Vision, wie UNICEF Österreich in einer Aussendung mitteilte. Fast eines von zehn Kindern, die für den Bericht befragt wurden, gab demnach an, mit psychischen Problemen oder Symptomen wie Depressionen oder Angstzuständen zu leben. Die befragten Mädchen seien weitaus stärker gefährdet als die Buben. Und ältere Kinder berichteten über ein höheres Maß an Problemen als jüngere Kinder.

Drei Viertel der befragten Kinder fühlen sich laut der Umfrage in der Schule wohl. Aber 80 Prozent der befragten 17-Jährigen hätten das Gefühl, dass die angebotene Bildung sie nicht gut auf ihre Zukunft vorbereitet. Die Mehrheit der befragten Kinder wünsche sich Veränderungen in ihrem Schulalltag: 62 Prozent der Befragten hätten gerne weniger Hausaufgaben und 57 Prozent wünschen sich einen interessanteren Unterricht. Fast ein Drittel der Befragten würde gerne Einfluss auf die Inhalte des Schulunterrichts nehmen: Mehr sportliche Aktivitäten (33 Prozent), Lernen über Kinderrechte (31 Prozent) und mehr musische Fächer (31 Prozent).

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Ein Drittel erlebte Diskriminierung oder Ausgrenzung

Ein Drittel der befragten Kinder erlebte demnach Diskriminierung oder Ausgrenzung. Dieser Prozentsatz stieg auf 50, bei Kindern mit Behinderungen, Migrationshintergrund, aus ethnischen Minderheiten oder solchen, die sich als LGBTQ+ identifizieren. Allerdings hatten fast alle Befragten schon von Kinderrechten gehört. 88 Prozent der Kinder und Jugendlichen wussten darüber hinaus über den Klimawandel und seine Auswirkungen auf ihre Gemeinde Bescheid.

Ziel der EU-Kinderrechtsstrategie und der EU-Kindergarantie ist es, die für Kinder dringlichsten Bedürfnisse und Rechtsverletzungen anzugehen. Vertreter der ChildFund Alliance, Eurochild, Save the Children, UNICEF und World Vision nannten deswegen den Bericht, der am Dienstag präsentiert werden soll, „historisch“. „Es ist das erste Mal, dass so viele Kinder und Jugendliche die EU-Politik direkt beeinflussen und gestalten können.“ EU-Justizkommissar Didier Reynders sagte: „Der Aufbau einer umfassenden Kinderrechtsstrategie muss alle relevanten Bereiche einbeziehen, von Gesundheit – einschließlich psychischer Gesundheit – sozialer Inklusion, Bildung, kinderfreundlicher Justiz, Kindern in der Migration und Beteiligung am demokratischen Prozess“. EU-Beschäftigungskommissar Nicolas Schmit dankte den Kindern für die Teilnahme an der Studie: „Ihre Stimmen werden gehört.“ (APA)


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