"Konsum-Ente": Tiefkühl-Brokkoli aus Ecuador erhielt Negativ-Preis

Auf den Plätzen folgten "Kelly's Pom-Bär" ("Mogelpackung") und "Rio Mare Thunfisch Natur" (unerwarteter Zusatz von Aromen). Aufmachung und Verpackung werden am häufigsten kritisiert, gefolgt von der Zusammensetzung der Produkte.

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(Symbolfoto)
© APA/dpa/gms/Christin Klose

Wien – Der Verein für Konsumenteninformation hat wieder über die "ärgerlichsten Lebensmittelprodukte des Jahres" abstimmen lassen. Die "Konsum-Ente" 2020 geht an den deutschen Lebensmittelkonzern Iglo. "Der Hersteller, der in seiner Kommunikation die Herkunft seines Gemüses eng mit dem Marchfeld verknüpft, sorgte mit seinem tiefgefrorenen Brokkoli aus Ecuador für den größten Unmut", teilte der VKI mit.

Rund 6000 Personen stimmten ab. Auf den Plätzen folgten "Kelly's Pom-Bär" ("Mogelpackung") und "Rio Mare Thunfisch Natur" (unerwarteter Zusatz von Aromen). Aufmachung und Verpackung werden am häufigsten kritisiert, gefolgt von der Zusammensetzung der Produkte. "Auffällig war im vergangenen Jahr, dass die Frage der regionalen Herkunft von Lebensmitteln wesentlich an Bedeutung gewinnt", berichtete VKI-Projektleiterin Nina Siegenthaler.

Die Melde- und Informationsplattform Lebensmittel-Check (www.lebensmittel-check.at) wurde 2010 mit dem Konsumentenschutzministerium installiert. "Wer sich durch die Aufmachung, Kennzeichnung oder die Werbung eines Produktes in die Irre geführt sieht, kann dieses auf der Plattform melden und so direkt eine Prüfung durch den VKI veranlassen", erläuterte VKI-Geschäftsführer Wolfgang Hermann.

Konsumenten-Beschwerden mehr als verdoppelt

Waren es 2018 rund 200 Beschwerden, stieg die Zahl 2019 auf 445 und im vergangenen Jahr auf 535. Der Lebensmittel-Check biete die Chance, sich bei Unzufriedenheit aktiv Gehör zu verschaffen. Die Nutzung zeige, dass kritisch hinterfragt werde, was auf den Tellern landet, sagte Konsumentenschutzminister Rudolf Anschober (Grüne).

Die fünf "ärgerlichsten Lebensmittel 2020" im Detail: "Iglo Broccoli" (Platz 1) stammt aus Ecuador und war korrekt ausgezeichnet. Das importierte Gemüse erregte dennoch die Gemüter. "Die Erwartungshaltung vieler Konsumentinnen und Konsumenten ist vor dem Hintergrund der Markenerzählung des Unternehmens ganz klar eine andere", so der VKI. Platz 2 ging an "Kelly's Pom-Bär" im Beutel mit Luftpolster, der zur Hälfte gefüllt ist, was als "Mogelpackung" kritisiert wurde. Platz 3 nahm "Rio Mare Thunfisch Natur" ein, weil Sellerie- und Zwiebelaroma zugesetzt war. "Vollkraft Klare Suppe", ein Bioprodukt "nach Hildegard von Bingen", landete wegen Palmfetts auf Platz 4. "Fruchtgummi Beauty Sweeties" (Platz 5) erwies sich schon in kleinen Mengen als abführend – ab etwa fünf Häschen, wie dem Kleingedruckten zu entnehmen war.

Iglo hielt in einer Stellungnahme fest, es sei oberstes Ziel, "Produkte immer dort zu beziehen, wo es die besten regionalen Bedingungen gibt". Man wolle aber gleichzeitig eine breite Auswahl bieten. Versuche mit Brokkoli im Marchfeld seien an "Anbaukonzept und Struktur der ansässigen bäuerlichen Betriebe" gescheitert. "Daher wurde ein anderer Anbieter gesucht, der die von uns gewünschte Qualität in der benötigten Menge liefern kann - und gleichzeitig unsere hohen Standards erfüllt." Dass das Gemüse aus Ecuador kommt, ist auf der Packung ersichtlich, wurde betont. "Lebensmittelrechtlich wären wir nicht einmal dazu verpflichtet, die Herkunft der Produkte anzugeben. Uns ist Transparenz aber wichtig und wir sind der Meinung, dass Konsumenten wissen sollten, woher ein Produkt stammt", so der Hersteller. (APA)


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