Auf Kramers bittere Tränen folgte der Protest des ÖSV

Als Halbzeit-Führende durfte ÖSV-Skispringerin Sara Marita Kramer von der WM-Goldmedaille träumen. Nach einer Verkürzung landete sie als unglückliche Vierte. Heute im Teambewerb Chance auf Revanche.

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ÖSV-Skisprunghoffnung Sara Marita Kramer fühlt sich vor den Kopf gestoßen. Die 19-Jährige verpasste nach einem verpatzten Finalsprung WM-Gold um 4,4 Punkte, auf Bronze fehlten gar nur 1,1 Zähler.
© CHRISTOF STACHE

Von Benjamin Kiechl

Oberstdorf – Eigentlich war mit der Halbzeitführung alles angerichtet für WM-Gold. Die Chance war riesengroß. Doch dann setzte sich die unglaubliche Pechsträhne von Sara Marita Kramer fort. „Team-Mama“ Daniela Iraschko-Stolz versuchte mit einer Umarmung zu trösten, beide weinten bittere Tränen.

Was war passiert? Nach Disqualifikation und Startverbot wegen eines unklaren PCR-Tests „raubte“ ihr diesmal zum WM-Auftakt eine umstrittene Jury-Entscheidung die Medaillenchance. Die 19-Jährige aus Maria Alm knallte gestern im ersten Durchgang einen neuen Schanzenrekord (109 m) in den Auslauf der Schattenbergschanze. Auch Abzüge der Wertungsrichter, weil sie bei der Landung mit der linken Hand den Schnee streichelte, konnten die Führung nicht verhindern. Im Finale griff die Jury dann völlig daneben. Vor Kramers möglichem Gold-Sprung wurde um eine Luke verkürzt, die Windverhältnisse waren aber alles andere als gut. Die WM-Debütantin zeigte Nerven, war am Schanzentisch spät dran und flog als WM-Vierte ganz, ganz bitter an der sicher geglaubten Medaille vorbei.

„Der Sprung war einer der schlechteren. Ich wollte jeden Meter rausholen, hab’ mich dumm reingelehnt und bin verdient Vierte“, meinte Kramer im ORF-Interview, als die ersten Tränen getrocknet waren. Sie schüttelte den Kopf. Nein, eine Verkürzung dürfe eine Springerin nicht beeinflussen.

Beim Skiverband fühlt man sich um eine Medaille betrogen. ÖSV-Präsident Schröcksnadel war fuchsteufelswild: „Das ist eine Sauerei, das ist unglaublich, das ist Manipulation!“ Auch Cheftrainer Harald Rodlauer musste sich zurückhalten. „Die Entscheidung der Jury ist schwer nachvollziehbar. Ich weiß nicht, ob die Verantwortlichen heute gut schlafen.“ Man habe in den Wettkampf eingegriffen, „einfach unfair!“ Von Seiten des ÖSV wurde Protest eingelegt. Begründung: Eine Anlaufverkürzung sei nicht notwendig gewesen, weil die Athletinnen vor Kramer nicht 95 Prozent der Hillsize (106 m) gesprungen seien.

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Iraschko-Stolz (gestern Achte) litt mit ihrer Teamkollegin mit. „Ich finde keine Worte. Ich weiß genau, wie sie sich nun fühlt.“ Die Wahl-Tirolerin wurde in Liberec (2009) ebenfalls WM-Vierte. Durch das Drama um Kramer gerieten Platz 32 von Eva Pinkelnig und die Disqualifikation von Sophie Sorschag (Anzug) zur Randnotiz. Bereits heute (17 Uhr, live ORF eins) haben die ÖSV-Damen im Teambewerb eine neue Chance, die „gestohlene“ Medaille zu holen.

⛷🦅⏱ WM-Springen der Damen von der Normalschanze - Endstand:


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