Von Dreier-Gelüsten, Rollenspielen und Opferdates: Das war die sechste „Bachelor"-Folge

Woche sechs und das Rosenschlabbyrinth ist noch immer nach allen Seiten offen. Erst geht es tief runter, dann wieder hoch hinauf und schließlich weit zurück – und Bergverführer Niko hat die Faxen dicke. Denn Gossen Girl Linda schlägt bald nicht mehr nur die Zeit tot – und Esther begeht eine „Bachelor"-Todsünde. Eine TV-Kritik.

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Eine Reise 300 Jahre in die Vergangenheit – also alles wie immer beim „Bachelor".
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Tamara Stocker

TV-Kritik

Von Tamara Stocker

Innsbruck – Die Fastenzeit schmeckt nicht jedem. Darum ist es nach zweiwöchiger „Bachelor"-Blitz-Diät wieder an der Zeit, in der Speichelkarte der Geschmacklosigkeit zu blättern und den Glauben an die Menschheit zu verlieren. Und eigentlich haben wir nicht wirklich was verpasst: Unsere Vergötterspeise Niko Griesert hat immer noch mächtigen Beziehunger – am zu bebrünftelnden Buffet in seiner Bums-Bar ist so langsam aber nur noch Restlessen angesagt. Was übrig bleibt? Augenschmäuse, von denen man lieber die Finger lassen sollte, eigenartig geschnitztes Gemüse frisch vom Chirurgentisch und ein paar schmierig gefüllte Deko-Eier, die eh keiner haben will.

Nachschub? Fehlanzeige. Da kann einem schon mal flau im Magen werden: „Von 22 sind nur noch neun Frauen übrig. Das ist schon beängstigend." Ja, vor allem, wenn man bedenkt, dass man sich am Ende wirklich für eine von diesen liebeskranken Leidspeisen entscheiden muss. Obwohl ... Müssen ist ja relativ. Man kann es auch einfach wie sein Vorgänger machen: Mit der Gaumengabel ausgiebig in allen verfügbaren Schleckermäulchen herumstochern, überall mal flott drüberlecken – und wenn's dann wider Erwarten doch nicht sooo geil schmeckt, beide Finalistinnen nicht nur ohne Rose, sondern auch ohne Gewissensbisse stehen lassen. Prost Mahlzeit!

Das unterirdischste Date ever

Bisher erwies sich Niko allerdings noch nicht als besonders schleimhautspendabel. Bilanz nach sechs Folgen: Nach der prickelnden Bussi-Premiere mit Spa-Flamme Denise ist der Fummelfunke recht schnell erloschen – sie musste vergangene Woche abdampfen; dafür nahm er bei Lippenbastlerin Stephie und Eifersüchterlin Mimi sorgfältig die Schnutenanamnese auf. Bei Letzterer war der Befund gar so kritisch, dass sie über Nacht bei ihrem Bettreuer bleiben musste.

Alles in allem also eine wirklich magere Ausbeute. Aber wie sagt ein altes „Bachelor"-Sprichwort so schön? „Man soll nicht zum Abendessen rufen, ehe nicht alle Brötchen gebuttert sind." Trotz allem hat Niko es geschafft, dass auf der Warmhalteplatte ganz schön viel Stau herrscht. Nicht nur die Emotzionen kochen hoch – Sauerbraut Linda kocht eigentlich ausschließlich. Vor Wut. Sie will nämlich – Zitat – „nicht schon wieder auf so ein scheiß Gruppendate".

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Wer kann es ihr schon verübeln? Die Date-Location ist diesmal nämlich wirklich unterirdisch – ebenso wie die Grammatik-Skills des „Bachelors": „Heute erkundige ich mit den Frauen ein Bergwerk." Aua. Bist du dir sicher, dass du es nicht lieber erkunden willst? Naja. Was auch immer: Die Kandidatinnen sind jedenfalls maximal hyped und immer noch top motiviert, sich den Typen unter den frisch polierten Gelnagel zu reißen – was man auch daran merkt, dass sich überhaupt nur noch ein Drittel der Verbliebenen im Wohnzimmer versammelt, um seine Post zu lesen.

Wenn das Kinderkarussell noch mal eine extra Runde dreht und Mama und Papa noch schnell Fotos für ihre WhatsApp-Story machen.
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Im Ghostbusters-Gedächtnis-Outfit brechen Linda, Mimi, Stephie und Melania-Trump-Double Jacqueline auf nach Bad Reichenhall – letzte Woche ist der „Bachelor" mit seinen Botox-Brezen ja von Berlin nach Bayern übersiedelt. So schön! Stell dir vor, du meldest dich beim „Bachelor" an, träumst davon, auf Elefanten zu reiten, mit dem Helikopter malerische Küsten abzufliegen und Babyschildkröten am Strand zu streicheln – und am Ende fährst du in Bergmannskluft mit einer ranzigen Bimmelbahn durch einen finsteren Bergschacht und schaust dir auf einer harten Bank sitzend eine 45-minütige Doku über eine Salzgrotte an. Geil! Und nächste Woche schreiben wir über den Ausflug dann noch einen Aufsatz. Oh ... das mach ja ich schon. 😐

Linda droht mit dem Ni.k.o.

Nach einer knarzigen Bootsfahrt durch die Berchtesgadener Unterwelt ist der atemwegsvermummte Bergwerksführer sehr bemüht, die Stimmung zu heben: „Vielleicht ist das interessant für euch, wir hatten hier schon zwei Heiratsanträge.“ Ok. Danke für die Info, Bernhard, aber da gibt's in dieser Sendung mit einer Pärchenüberliebensdauer von zirka zwei Wochen nun wirklich keinen Bedarf; auch, wenn der scheinverlobten Mimi ob dieser Auskunft schon auffordernd dreinschauend die Eierstöcke anschwellen.

Date-Opfer Linda.
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Linda hingegen platzt gleich der Kragen – weil nicht sie noch zum Zweizungengespräch bleiben darf, sondern Stephie. „Ich raste aus. Ich komme mir so dumm vor mal wieder. Das war das sinnloseste Date ever. Wieso krieg' ich nur die Opferdates? Ich hätte ihm am liebsten einen Pushkick gegeben oder ein Uppercut", schnauzt das ausgesetzte Box Bunny ganz erbost – und gleichzeitig beweist Niko einmal mehr seine unglaublich tolle Menschenkenntnis: „Ich glaube, Linda hatte auch Spaß an dem Date." Joa.

Polyamoröse Avancen

Von einem ganz anderen Spaß träumt der „Bachelor" aber insgeheim: „Stephie und Mimi waren ja heute dabei. Den beiden bin ich am nähesten gekommen. Die beiden verstehen sich gut. Ich mag Mimi, ich mag Stephie, Mimi mag Stephie, Stephie mag Mimi ..." – ähm. Warte mal. Beschwört der alte Lustmolch da etwa gerade einen Teufelsdreier herauf? Vergibt der „Bachelor" nach der Nullnummer im letzten Jahr diesmal im Finale gleich zwei Rosen? Scheint so – aber erst mal macht der Drittbettfahrer noch gute Unschuldsmiene zum bösen Zungenspiel und schnalzt Stephie seinen Gaumenlappen in die generalsanierte Fassade.

Zurück im Brezel-Chalet weiht sie ihre bald schon ivaginäre Freundin Mimi über diese Sit-Zung ein: „Wir sind halt gerutscht und dann war da eine Bank und da haben wir uns dann halt hingesetzt und uns geküsst." Oje. Ob sie weiß, dass sie gerade auf Messers Schneide balanciert? Immerhin hat Mimi eine Gabel in der Hand. Ich wiederhole: MIMI HAT EINE GABEL IN DER HAND!!!111! Und grinst des Todes:

Was Mimi und Stephie sagen: Hihihihi, alles tuttiiii Süße, bEsT fRiEndS fOrEveR hdgdl // Was Mimi und Stephie denken: Halt die Fresse hoffentlich fliegst du raus.
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Vom tiefsten Punkt Bayerns auf den höchsten

Scheinbar ist Niko RTL noch nicht spitz genug, denn am nächsten Tag jagt die Produktion ihn und vier seiner Schneepfen zu den Schlitterwochen die Zugspitze hinauf. Ok, sorry Leute. Der kam wirklich flach. Mieser sind da nur Michèles klägliche Annäherungsversuche: „Ich habe alles versucht. Den Augenkontakt gesucht und einen Schneeball geworfen.“ – Wow. Und ich dachte schon, ich wär 'ne Niete im Flirten. Wahrscheinlich hat sie auch noch extra in seine Richtung geatmet und gehofft, der Windstoß wird's regeln.

Jetzt besteigt der „Bachelor" die Frauen schon am helllichten Tag beim Gruppendate.
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Esther versucht es da lieber mit einem drolligen Diss: „Was bist du denn für ein Asi?", kichert sie Niko entgegen, als dieser einer mir bis dato völlig unbekannten Kandidatin aus Versehen einen Schneeball in den Nacken pfeffert. Das findet er lustig, Esthers loses Schandmaul eher nicht so. Verständlicherweise. Wie kann sie es auch wagen, den allmächtigen „Bachelor" so fies zu beleidigen? Für seinen Vorgänger wär' das ja immerhin noch ein Kompliment gewesen.

Jedenfalls hat Schneewitzchen damit ein lawinenartiges Lamento ausgelöst: „Ich fand es unpassend. Der Spruch war ein bisschen drüber. Mich trifft sowas, weil ich genau das nicht sein möchte." Junge, wenn das also schon dein Ego kränkt, hoffe ich mal, dass du hier niemals mitliest. Und überhaupt: Wie willst du da jemals Linda ertragen? Unser Nikoleini heult also rum, weil ihn Esther beim Rumalbern „Asi“ genannt hat – und das so ironisch, dass es sogar ein besoffener Goldfisch mit Betäubung beim Zahnarzt gerafft hätte. Wow. Der braucht echt nur so ein Vorzeige-Mäuschen, das ihn anhimmelt, brav Pfötchen hält und zu allem Ja & Amen sagt.

(K)ein Märchenprinz

Wenig später erlaubt sich Esther einen weiteren Fauxpas, als sie sich als unabhängige, selbstständige Frau outet, die skandalöserweise keine Angst vor einem Rauswurf in der Nacht der Rosen hat. „Ich weiß halt, dass mein Leben dann nicht zu Ende ist. Ich bin halt auch so glücklich und weiß, dass daheim ein tolles Leben auf mich wartet. Ich bin nicht hier, um mir mein Leben aufzubauen, weißt du." – Nee Liebes, weiß er nicht. Frauen, die auch ohne Mann ein erfülltes Leben führen können? Wo kämen wir denn da hin bitte?

Eine Zeitreise, die eigentlich keine ist.
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Vermutlich zurück ins 18. Jahrhundert. Wie praktisch also, dass sich beim barocken Einzeldate mit Hannah das Frauenbild des „Bachelors" endlich auch mal optisch an die vorherrschenden Gepflogenheiten anpasst. Die Hengste Sepp und Franz kutschieren den Vollhorst und seine Thusnelda hinauf zu einem Schloss – und Niko will es diesmal ganz genau wissen: „Bist du vom Typ Mensch auch ein Beagle?" AHA! Da hat wohl jemand extra vorher nochmal das Bravo-Quiz gemacht, um herauszufinden, welche Hunderasse zu seiner großen Liebe passt. Nur leider ist der „Bachelor" halt eher Typ begossener Pudel – und der übergroße Flatterlatz seiner lächerlichen Herzogsverkleidung macht das leider nicht besser. Passend dazu trägt Hannah ein aufgepimptes Rüschenkleid, unter dessen üppigen Rock sie problemlos einen Flachbildfernseher aus jedem MediaMarkt schmuggeln könnte. Insgesamt wirkt das alles so, als hätte RTL „Die Schöne und das Biest" auf Wish bestellt. Wie „Bridgerton", nur ohne das ganze sexy Zeugs.

Und erotischer wird es zwischen der herrlichen Normalo-Hannah und Niko wohl auch nicht mehr werden. Die Arme steckt leider so tief in der Friendzone, dass er sogar beim Date auf Abstand geht und jeder an einem Ende eines zehn Meter langen Tisches diniert. Romantisch. Und dann werden sie auch noch zum Schleicher tanzen gezwungen. Die wahre Arschkarte hat aber ein anderer gezogen: Stell dir vor, du lernst 40 Jahre lang Geige zu spielen – und endest auf RTL dabei, irgendwelche Honks im Monarchencosplay beim Tanzen zu begleiten. Und dann wird deine Musik nicht mal gespielt, weil der Praktikant lieber Hintergrundmucke drüberhaut. Toll. Danke für nichts.

Immer brav Pfötchen geben

Das hat sich auch Mimi gedacht, als Hannah nach ihrem Date nicht nur mit einer Vorab-Rose, sondern gleich mit einem ganzen Rosengesteck im Haar zur Tür reinschneit. „Ich kann mir bei denen irgendwie keine romantische Bindung vorstellen. Es kam jetzt auch von ihr nicht so 'Boah, ich hab voll die Schmetterlinge im Bauch' oder 'Ich find den so toll'." Naja. Sagen wir mal so: Es kann sich ja auch nicht jeder schon nach dem ersten Händchenhalten geschwängert fühlen so wie du.

Wenn sie nicht nur mit einer Rose, sondern gleich mit nem ganzen Rosenhaargesteck vom Date nach Hause kommt.
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Apropos Händchenhalten: Bei der Nacht der Rosen wird Krawalllinda plötzlich ganz handzahm. Statt – wie angedroht – endlich mal die Fäuste sprechen zu lassen, massiert sie Niko schmachtend die Griffel. Dem „Tätschelor" taugt das natürlich maximal: „Du hast voll schöne Fingernägel", kramt er sogleich ganz tief in der Komplimentekiste herum. „Ach bitte. Die waren noch schöner am Anfang, aber die hast du ja noch nicht genießen können", entgegnet Linda wimpernklimpernd – und ganz ehrlich: So fangen nicht mal die allerschlechtesten Softpornos an. Aber noch ist's nicht vorbei mit der Erotik. Niko hat schließlich auch Bock auf Dirty Talk: „Ich mag das, wenn du auf einmal so ein bisschen verlegen bist." Rawrrrr, ja natürlich findet er's geil, wenn Linda von der bissigen Löwin zum schnurrenden Kätzchen mutiert und das kleine Mädchen in sich rauskommen lässt, wenn sie da mit dem großen und starken „Bachelor" redet.

Endgültig ausgeredet hat es sich an diesem Abend aber für die beiden Jacquelines – und wenig überraschend auch für Chefdisserin Esther. Der Emanzipatient kann mit so viel Kritik und Unabhängigkeit einfach nicht umgehen. Aber das ist ja auch seit jeher ein „Bachelor"-Gesetz: Aussortiert wird, wer selbstbewusst ist und mehr möchte, als dem Lulli die Hanteln rüber zu reichen.

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