Nach Khashoggi-Bericht: Verlobte am Boden zerstört

Hatice Cengiz rief die politischen Führer weltweit auf, ihrem getöteten Verlobten, dem getöteten saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi, Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Die Organisation Reporter ohne Grenzen hofft nach Bericht zu Khashoggi auf Aufklärung.

Hatice Cengiz, die Verlobte des getöteten saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi.
© AFP/Loeb

Istanbul – Die Verlobte des getöteten saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi hat mit Bestürzung auf die Veröffentlichung eines US-Geheimdienstberichts reagiert. "Ich bin am Boden zerstört", sagte Hatice Cengiz am Freitag dem Sender CNN. „Jetzt glaube ich, dass er nie wieder zurückkehren wird".

Unter Tränen sagte sie weiter: „Ich habe mir gerade Jamals Fotos angesehen, die ich aufgenommen habe. Eins nach dem anderen." Cengiz rief die politischen Führer weltweit auf, ihrem getöteten Verlobten Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

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Die Organisation Reporter ohne Grenzen hofft auf eine konkrete Verfolgung der Verantwortlichen. „Der Bericht unterstreicht, wie wichtig eine unabhängige und rechtsstaatliche Aufklärung dieses unfassbar brutalen Mords ist. Die Verantwortlichen müssen bestraft werden", sagte Geschäftsführer Christian Mihr am Samstag laut Mitteilung.

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„Nun müssen unabhängige Gerichte für Gerechtigkeit sorgen und aufklären, wofür genau der (saudi-arabische) Kronprinz Mohammed bin Salman verantwortlich ist", betonte Mihr.

Khashoggi war am 2. Oktober 2018 im saudischen Konsulat in Istanbul von einem Spezialkommando aus Riad getötet worden. Von seinem Leichnam fehlt bis heute jede Spur. Khashoggi lebte in den USA und schrieb Kolumnen für die "Washington Post", die oft Kritik an der saudischen Monarchie enthielten. Am Freitag hatte das Büro der US-Geheimdienstkoordinatorin Avril Haines einen bisher unter Verschluss gehaltenen Bericht dazu veröffentlicht. Aus ihm geht hervor, dass bin Salman die Operation zur Gefangennahme oder Tötung Khashoggis nach Einschätzung der US-Geheimdienste genehmigt hatte. Saudi-Arabien weist den Bericht als falsch zurück.

Mihr sagte weiter: „Wir dürfen zudem nicht vergessen, dass der Kronprinz und weitere hochrangige Vertreter des Königshauses auch für die systematische und weitreichende Verfolgung von Journalistinnen und Journalisten verantwortlich sind. Derzeit sind in Saudi-Arabien mindestens 33 Medienschaffende willkürlich inhaftiert."(APA, dpa)


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