Jährlich rund 800 verletzte Kinder durch Hundebisse

Hunde können eine große Bereicherung für Familien sein. Klare Regeln im Umgang mit dem Vierbeiner sind jedoch unerlässlich. Fast jeder zweite Biss wird durch den Hund von Großeltern, Onkel und Tanten oder auch Nachbarn zugefügt.

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Symbolbild.
© Florin Birjoveanu/Pixabay

Graz – Der Hund gilt als der beste Freund des Menschen: "Der tut nix!", sagen viele Hundehalter über ihren geliebten Vierbeiner – und doch müssen rund 800 Kinder jährlich nach einem Hundebiss im Spital behandelt werden. Gut die Hälfte davon wird ins Gesicht gebissen, hat der Verein "Große schützen Kleine" erhoben. In zwei von drei Fällen stammt das Tier aus dem Bekanntenkreis, d. h. es gehört beispielsweise den Großeltern, teilte das LKH-Universitätsklinikum Graz am Dienstag mit.

Klare Regeln für Kinder im Umgang mit Hunden sind unerlässlich

Hunde können eine große Bereicherung für Familien sein. Klare Regeln im Umgang mit dem Vierbeiner sind jedoch unerlässlich, um schwere Unfälle zu vermeiden. "Wir waren bei meiner Schwiegermutter und wollten gerade aufbrechen, als unser Sohn Alessio noch schnell einmal zurück ins Haus gegangen ist, um etwas zu holen und sich vom Hund zu verabschieden. Auf einmal biss dieser zu. Wir wissen bis heute nicht, warum", schilderte beispielsweise der Vater eines zehnjährigen Patienten der Grazer Uniklinik für Kinder- und Jugendchirurgie. Der Bub wurde am 25. Dezember mit einer schweren Gesichtsverletzung ins Spital gebracht, die ihm der Hund seiner Großeltern zugefügt hatte. Ihm mussten in einer eineinhalbstündigen Operation die Muskel im Wangenbereich rekonstruiert werden. Die Spuren der Operation sind noch sichtbar und der Genesungsprozess auch nach zwei Monaten noch im Gange.

Alleine an der Grazer Kinder- und Jugendchirurgie werden pro Jahr rund 40 Kinder nach einem Hundebiss behandelt. Etwa jedes Vierte muss laut dem Vorstand der Kinder- und Jugendchirurgie, Holger Till, stationär aufgenommen werden. Gemäß der steirischen Studie "Verletzungen durch Hundebisse bei Kindern bis zum 14. Lebensjahr" beißt der eigene Familienhund selten zu. Fast jeder zweite Biss wird aber durch den Hund von Großeltern, Onkel und Tanten oder auch Nachbarn zugefügt. Zumeist wurden die Kinder beim Spielen mit dem Hund gebissen, gefolgt vom Vorbeilaufen oder -krabbeln und Streicheln.

Hunde verfügen über eine arteigene Sprache und zeigen durch Signale deutlich an, ob sie sich in bestimmten Situationen wohlfühlen. Die richtige Einschätzung des Hundes und seiner Körpersprache im Sinne eines Warnsignals ist jedoch erst ab dem fortgeschrittenen Volksschulalter realistisch, heißt es in den Empfehlungen des Vereins "Große schützen Kleine". Hunde wirken auf Kinder oft "süß", ein Eindruck, gefördert durch die Verniedlichung der Vierbeiner in Kinderfilmen und -büchern. "Wichtig ist es, dass Eltern ihren Kindern bewusst machen, dass Hunde Lebewesen mit Bedürfnissen und Instinkten sind. Werden diese missachtet, fühlt er sich bedrängt, um sein Futter gebracht oder im Schlaf gestört, kann selbst der familienfreundlichste Hund zubeißen", sagte Till. (APA)

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