Polizei stoppte aggressive Nachwehen nach FPÖ-Demo

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FPÖ-Klubchef Herbert Kickl bei einer Kundgebung gegen die Covid-19-Maßnahmen.
© HERBERT PFARRHOFER

Wien – Tausende Teilnehmer fanden sich am Samstag zu einer großen Kundgebung gegen Corona-Maßnahmen in der Wiener Innenstadt ein. Angefeuert von deftigen Reden des FPÖ-Klubchefs – u.a. bei einer angemeldeten FPÖ-Veranstaltung im Prater – zogen abends noch mehrere Hundert durch die Leopoldstadt. Am Donaukanal griff die Polizei massiv ein: Die teilweise aggressiven und Corona-Regeln überwiegend ignorierenden Demonstranten wurden eingekesselt und die Identitäten festgestellt.

Wie von der Polizei erwartet tummelten sich auch diesmal Verschwörungstheoretiker und Rechtsextreme in den Kundgebungszügen – gesehen wurde u.a. Identitäre und der verurteilte Neonazi Gottfried Küssel. Einer der Rädelsführer, der Corona-Skeptiker Martin Rutter, wurde laut Informationen aus Polizeikreisen auch diesmal wegen Verwaltungsübertretungen festgenommen, er soll angeblich noch angehalten werden.

📽️ Video | Demo gegen Coronavirus-Maßnahmen

Zahlreiche Anzeigen, auch gegen Kickl möglich

Die Landespolizeidirektion berichtete von zahlreichen Anzeigen wegen Nichteinhaltung der Covid-19-Maßnahmen und Verstößen gegen das Versammlungsgesetz. Laut Polizeisprecherin Barbara Gass gab es zahlreiche Festnahmen. Nach APA-Informationen stehen auch Anzeigen gegen FPÖ-Klubobmann Herbert Kickl und andere FPÖ-Politiker – wegen Verstoßes gegen die Abstands- und Maskenregel – im Raum.

Die Stimmung war, hieß es, auch gegenüber der Polizei äußerst aggressiv. Am Abend fanden sich beim Donaukanal zahlreiche der – ursprünglich geplant 1.500 – Polizistinnen und Polizisten ein. Die Stimmung war teilweise höchst aufgeheizt. Einige Demonstranten sollen ein Tor des "Wiener Städtische"-Gebäudes gegenüber dem Schottenring aufgebrochen und einen dort im Einsatz stehenden Sicherheitsmann verletzt haben.

Kickl spricht von "Corona-Stahlhelmen" in der Regierung

Die FPÖ hatte sich über die Absage einiger Demonstrationen schwer beklagt – und eine eigene Kundgebung auf der Jesuitenwiese im Prater angemeldet, die auch genehmigt wurde. Klubobmann Kickl ergriff aber nicht nur dort, sondern schon zuvor spontan am Heldenplatz das Wort – und kritisierte die Regierung und ihre Corona-Maßnahmen in äußerst deftiger Weise: Er sprach von "Corona-Stahlhelmen in den Regierungsbüros" und "Schmuddel-Typen" in den Ministerien. Anwesend waren da auch zahlreiche weitere Nationalratsabgeordnete der FPÖ wie Dagmar Belakowitsch oder Generalsekretär Michael Schnedlitz.

Eine Versammlung danach beim Maria-Theresien-Platz löste die Polizei gegen 14.00 Uhr auf, berichtete Polizeisprecherin Barbara Gass. Die Corona-Gegner zogen in zwei Zügen in den Prater, gegen 16 Uhr waren dort einige tausend Menschen vor der FPÖ-Bühne versammelt – dicht gedrängt. Die Aufforderung der Veranstalter, Masken zu tragen und Abstand zu halten, wurde mit Gelächter quittiert. Viele Bierdosen waren dafür wahrnehmbar, und auch die Folgen des Konsums dieser auf manche der sichtlich in Feierlaune geratenen Teilnehmer.

"Das ist ein starkes Zeichen für die Freiheit, Demokratie und die Grundrechte", befand Kickl im Prater – und hielt dort seine angekündigte Rede. Er warf der Regierung einmal mehr "Machtrausch" vor, ortete eine Spaltung der Gesellschaft und "Propaganda" bei den Medien, seine Zuhörer skandierten das gewohnte "Lügenpresse". Die EU-Gesundheitspolitik sei ein "gleichgeschaltetes Machtspiel", denn "die da oben wollen uns beherrschen", ließ Kickl wissen und sprach auch den Besuch von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) in Israel wegen der Impfstoffe am Donnerstag an: Dort herrsche eine "Gesundheitsapartheid", das Land sei gegenwärtig eines der "Unfreiheit". Einige antisemitische Kommentare waren daraufhin aus dem Publikum zu vernehmen. In den 40 Minuten skandierte Kickl auch mehrfach "Kurz muss weg" und endete mit einem selbst verfassten Gedicht über die "Corona-Tyrannei".

Zusammenstöße rund um den Prater

Rund um den Prater war es – laut diversen Social-Media-Plattformen – zu einigen Zusammenstößen zwischen Maßnahmen-Gegnern und einer Gegendemo von linker Seite gekommen. Sie hatte sich ebenfalls zu Mittag (beim Votivpark) gesammelt und versuchten sich, großteils auf Fahrrädern, den Anti-Corona-Demonstranten in den Weg zu stellen. Auf Twitter wurde von Pfeffersprayeinsatz seitens der Exekutive berichtet.

Stark behindert war durch die Großdemo der Verkehr in der Wiener Innenstadt. Die Wiener Linien stellten Straßenbahnlinien ein oder leiteten sie um, der ÖAMTC riet Autofahrern, die Innenstadt komplett zu meiden. Immer wieder waren Ring und andere Straßenzüge, zuletzt vorübergehend auch die Brücken über den Donaukanal, gesperrt. (APA)


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