Südtiroler Vermisstenfall: Sohn hat Mord an seinen Eltern gestanden

Nach einem Lehrerehepaar wurde wochenlang gesucht, die Leiche der Frau schließlich aus der Etsch geborgen. Ihr 30-jähriger Sohn hat „seine Verantwortlichkeit zugegeben“, wie die Staatsanwaltschaft Bozen gestern mitteilte.

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Hunderte Freiwillige waren ab Anfang Jänner an der Suchaktion nach einer 68-Jährigen und ihrem Ehemann (63) beteiligt.
© Feuerwehr Neumarkt

Von Benedikt Mair

Bozen – Er hat gestanden. Nach über einem Monat in Untersuchungshaft räumte ein 30-jähriger Südtiroler ein, Anfang des Jahres seine Eltern getötet zu haben. Das teilte die Staatsanwaltschaft von Bozen gestern in einer Aussendung mit. Neben dem Doppelmord wird dem jungen Mann vorgeworfen, die Leichen seines Vaters und der 68 Jahre alten Mutter in die Etsch geworfen zu haben. Der leblose Körper der Frau war vor einigen Wochen aus dem Fluss geborgen worden, nach dem 63-Jährigen wird noch gesucht.

Am Abend des 4. Jänner verschwand das Ehepaar aus Bozen spurlos. Knapp zwei Wochen später gaben die Südtiroler Behörden bekannt, dass gegen den gemeinsamen Sohn wegen Mordverdachts und Verbergens von Leichen ermittelt werde. Der 30-Jährige wurde kurz darauf verhaftet und im Gefängnis von Bozen in U-Haft genommen. Zu den Vorwürfen schwieg er.

Leiche der Mutter aus Etsch geborgen, Vater wird weiter vermisst

Im von der Familie bewohnten Haus wurden Spuren gesichert. Freiwillige durchkämmten, unter Anleitung der örtlichen Behörden, in dieser Zeit die Gegend rund um die Südtiroler Landeshauptstadt – mit Spürhunden, aus der Luft und zu Wasser in der Etsch, dem größten Fluss Südtirols. Denn auf einer sie überspannenden Brücke waren Blutspuren entdeckt worden, die Ermittler vermuteten, dass sie vom 63-Jährigen stammen. Zirka einen Monat nachdem die zwei pensionierten Lehrer als vermisst gemeldet wurden, am 6. Februar, entdeckten Freiwillige die Leiche der Frau am Etsch-Ufer bei Neumarkt. Eine Obduktion bestätigte den Verdacht, dass eine Gewalttat vorliegt. Am Hals des Opfers wurden Würgemale entdeckt, die 68-Jährige war stranguliert worden – wie Südtiroler Medien berichteten, vermutlich mit einem Seil oder einer Kette.

„Der Beschuldigte hat seine Verantwortlichkeit zugegeben.“
Giancarlo Bramante (Leitender Oberstaatsanwalt)

„Er hat geweint, als er erfahren hat, dass die Leiche der Mutter gefunden wurde“, erklärte Flavio Moccia, Anwalt des 30-Jährigen, damals. Näher dazu geäußert habe sich der Verdächtige allerdings nicht. Am 24. Februar wurde bekannt, dass der junge Südtiroler, der wie seine Eltern als Lehrer tätig war, nach langem Schweigen nun doch reden wolle. Wann die Befragung stattgefunden hat, ist nicht bekannt.

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Gestern teilte Bozens Leitender Oberstaatsanwalt Giancarlo Bramante allerdings – kurz, knapp und ohne genaue Details zu nennen – die Ergebnisse mit. „Die Geheimhaltung über die Niederschrift der beiden Einvernahmen wurde aufgehoben, bei denen der Beschuldigte in Anwesenheit seiner Verteidiger seine Verantwortlichkeit zugegeben hat“, hieß es darin. Außerdem erklärte der Staatsanwalt, dass die zwischenzeitlich abgebrochene Suche nach der Leiche des Vaters fortgesetzt werde. Weitere Details wurden nicht bekannt gegeben.

Das Wohnhaus der beiden wurde von der Polizei mehrfach durchsucht.
© Dolomiten

Mord bereits vor einem Monat gestanden

Montagabend meldeten sich auch die Verteidiger des Verdächtigen, Flavio Moccia und Angelo Polo, zu Wort. Ihr Mandant habe gestanden, „dass er für den Tod seiner Eltern verantwortlich war“, vermeldeten sie in einer schriftlichen Stellungnahme. Passiert sei der Mord im Wohnhaus in Bozen. Damit wurde das bestätigt, was die Ermittler bereits lange vermutet hatten. Die Anwälte erklärten, dass das Geständnis bereits vor knapp einem Monat erfolgt sei. Kurz nachdem der 30-Jährige vom Fund der Leiche seiner Mutter erfuhr, habe er sich entschlossen, die Wahrheit zu sagen. Er verspüre „ein Gefühl verzweifelter Reue“. Und er erwartet sich auch kein Mitleid.

Schwester der Ermordeten in einem Brief an die Suchtrupps

„ Wir wissen, wie sehr ihr euch tagelang abgemüht habt. Danke von Herzen.“

Der Kriminalfall hat über Südtirol hinaus für Schlagzeilen gesorgt. Die Suchaktion nach dem Paar gehört zu den umfangreichsten in der Geschichte des Landes – Hunderte Freiwillige, Taucher, Spezialkräfte aus ganz Italien, Deutschland, der Schweiz waren daran beteiligt. Um den Einsatz zu erleichtern, wurde der Pegel der Etsch künstlich gesenkt. „Das war ein großer Vorteil“, sagte Dietmar Orsele, Mitglied der Südtiroler Feuerwehrtaucher.

In einem Schreiben, das vom Landesfeuerwehrverband Südtirol kürzlich in einem sozialen Netzwerk veröffentlicht wurde, bedankte sich die Schwester der Ermordeten bei den Suchtrupps. „Wir wissen, wie sehr ihr euch tagelang abgemüht habt, euch in die eiskalten Fluten der Etsch begeben habt. Wir danken euch vielmals, dass ihr eure Professionalität, eure Zeit und eure Mühen zur Verfügung gestellt habt, um uns zu helfen“, schrieb sie im Namen der Familie. „Danke von Herzen.“


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