Tirols Image hat in Deutschland durch Ischgl und Mutation stark gelitten

Eine Analyse des Instituts für Management- und Wirtschaftsforschung mit 26 Millionen Beiträgen aus dem Vorjahr in Deutschland zeigt, dass Tirol in der öffentlichen Debatte einen massiven Imageschaden erlitten hat.

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Vor allem Ischgl hat die öffentliche Debatte in Deutschland beherrscht.
© Thomas Böhm

Ischgl, Berlin – Tirol hat in der Corona-Zeit einen massiven Image-Schaden erlitten: Darauf deuten Ergebnisse einer Analyse des Instituts für Management- und Wirtschaftsforschung (IMWF) hin. Demnach waren neben dem Fall Ischgl vor allem der Umgang mit der Virusmutation im Bezirk Schwaz ausschlaggebend dafür, hieß es von Seiten der Studienautoren.

Bei der Analyse wurde die Kommunikation zum Thema Corona in Deutschland während der vergangenen zwölf Monate untersucht: Anhand von 26 Millionen Debattenbeiträge zeigte sich, dass das Image Tirols in den letzten beiden Februarwochen des heurigen Jahres am stärksten gelitten hat, erklären die IMWF-Autoren. Der Reputationsschaden in Deutschland sei vor allem durch den Umgang Tirols mit der südafrikanischen Variante des Coronavirus wirklich dramatisch geworden.

Die Debatte über den Corona-Hotspot Ischgl überlagerte in Deutschland sogar die eigenen Cluster-Gebiete wie etwas Gütersloh, wo es einen massiven Covid-19 Ausbruch in einer Fleischfabrik gegeben hat, oder Hamm, in dem eine Großhochzeit hunderte Infektionen nach sich zog. Dennoch war kein Ort bei unseren deutschen Nachbarn so beständig in Diskussion wie Ischgl.

Ischgl wurde "zum geflügelten Wort in Deutschland"

Die Analyse zeigte auch, dass Diskussionen und Berichte über das italienische Bergamo schon nach kurzer Aufregung wieder abflauten, Ischgl hingegen sei bei den Deutschen durchgehend Thema geblieben. „Spätestens seit der Wiedereröffnung der Skigebiete in Österreich avancierte das ‚zweite Ischgl‘, das verhindert werden müsse, zum geflügelten Wort in Deutschland“, so Axel Maireder, Geschäftsleiter des IMWF Austria. Bei der reinen Anzahl der Nennungen in Deutschland liegt Ischgl mit 110.000 von 1. März 2020 bis 28. Februar 2021 nicht weit hinter dem innerdeutschen Hotspot Gütersloh mit 122.000 Nennungen. Das italienische Bergamo, das gerade am Anfang der Pandemie für negative Schlagzeilen sorgte, liegt bei 72.000. Bei beiden und vielen weiteren Covid-Hotspots haben die Nennungen im Gegensatz zu Ischgl nach wenigen Wochen wieder abgenommen.

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Der Umgang mit der südafrikanischen Variante hat in Deutschland für den nächsten Entrüstungssturm gesorgt.
© Thomas Böhm

Der Ruf Tirols hat laut den Studienautoren durch Ischgl bereits im Jahr 2020 stark gelitten. Der negative Trend soll sich aber in den vergangenen Wochen noch weiter zugespitzt haben. Tirol wurde in Deutschland in Verbindung mit Corona 214.000 Mal erwähnt, und das vor allem in den letzten beiden Februarwochen des heurigen Jahres.

Zum Vergleich: Das deutsche Bundesland Saarland hatte im selben Zeitraum rund 217.000 Erwähnungen in Deutschland. „Tirol hat in Deutschland und damit im bei weitem wichtigsten Markt für den Tiroler Tourismus immensen Reputationsschaden davongetragen. Den Vertretern des Bundeslandes ist es seit März 2020 in keiner Weise gelungen, gegenzusteuern“, resümiert Studienleiter Axel Maireder. (TT.com)


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