Vierter Corona-Impfstoff: Grünes Licht für Johnson & Johnson in EU

Der Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson kann nun auch in der Europäischen Union genutzt werden. Die Kommission folgte einer Empfehlung der EU-Arzneimittelbehörde EMA, die das Vakzin eingehend geprüft hatte.

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Der Impfstoff könnte den Impffortschritt entscheidend beschleunigen.
© SCOTT OLSON

Brüssel – Der Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson kann nun auch in der Europäischen Union genutzt werden. Die EU-Kommission genehmigte dies am Donnerstag, wie Präsidentin Ursula von der Leyen auf Twitter mitteilte. "Mehr sichere und wirksame Impfstoffe kommen auf den Markt", schrieb von der Leyen. Die Kommission folgte einer Empfehlung der EU-Arzneimittelbehörde EMA, die das Vakzin eingehend geprüft hatte. Es ist der vierte in der EU zugelassene Impfstoff gegen Covid-19.

Österreichs Gesundheitsministerium sieht "Rückenwind" für die heimische Impfkampagne. Als "eine gute Nachricht für die EU und für Österreich" wertete das Ressort den Schritt. "Mit dem nun vierten zugelassenen Impfstoff in der EU kann unsere Impfstrategie wie geplant Schritt für Schritt umgesetzt werden und damit die Impfkampagne weiter an Fahrt aufnehmen", hieß es aus dem Ressort. "Derzeit rechnen wir mit einer Verfügbarkeit von circa 2,5 Millionen von Johnson & Johnson bis spätestens Ende des Jahres."

Die ersten Lieferungen seien im zweiten Quartal zu erwarten, die Empfehlung der EMA sehe keine Altersbeschränkung nach oben hin vor. Die Verabreichungsempfehlung als einmalige Injektion sei besonders vorteilhaft, um schwer erreichbaren Personengruppen - etwa Menschen in prekären Arbeits- oder Wohnverhältnissen - die Corona-Schutzimpfung zur Verfügung zu stellen.

"Jeder von der EMA zugelassene Impfstoff durchläuft ein präzises und verantwortungsvolles Prüfverfahren", betonte das Gesundheitsministerium. Damit sei sichergestellt, "dass es sich dabei um einen sicheren und ausgezeichneten Impfstoff handelt", der wie jeder zugelassene Covid-19-Impfstoff höchst wirksam und jedenfalls gut geeignet sei, um schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle zu verhindern.

Zulassung inmitten steigender Infektionszahlen in Österreich

Für Pharmig-Generalsekretär Alexander Herzog kommt die Zulassung zur richtigen Zeit. "Angesichts der neuerlich steigenden Infektionszahlen und der Ausbreitung von Coronavirus-Mutationen ist die Zulassung des Impfstoffkandidaten von Janssen (der Pharmasparte von J&J, Anm.) ein weiteres, äußerst erfreuliches Signal. Mit diesem nun vierten Impfstoff erhält das Impfprogramm sozusagen Verstärkung, die in den nächsten Monaten eine merkbare Entlastung für Krankenhäuser und die Bevölkerung bringen kann." Das Unternehmen gehe davon aus, seine Liefervereinbarungen für 2021 zu erfüllen und avisierte den Lieferstart der für den EU-Raum fixierten 200 Millionen Dosen für das zweite Quartal. In einer weiteren Studie werde zudem noch überprüft, welche Wirksamkeit ein Zweidosis-Schema hat.

Die EU rechnet mit ersten Lieferungen im April. Die Kommission hatte bereits Impfdosen für 200 Millionen Menschen bestellt. Davon hat Österreich 2,5 Millionen Dosen beansprucht. Bisher werden in Österreich die Vakzine der in der EU schon zuvor zugelassenen Hersteller BioNTech/Pfizer, Moderna und AstraZeneaca verimpft. Allerdings gibt es Befürchtungen, dass das Unternehmen nicht rechtzeitig liefern könne. Der Hersteller sicherte zu, dass er sich an die Absprachen halten und ab April liefern werde.

Wirkstoff ist in den USA bereits zugelassen

Vor rund zwei Wochen war das Präparat, das von der Johnson-Tochter Janssen in den Niederlanden entwickelt worden war, bereits in den USA zugelassen worden. Es hat gegenüber den bisherigen Impfstoffen große Vorteile: So muss es nur einmal gespritzt werden. Außerdem kann das Vakzin bei Kühlschranktemperatur gelagert werden.

Die Wirksamkeit liegt nach Angaben der EMA bei etwa 67 Prozent. Bei einer schweren Covid-19-Erkrankung lag der Schutz in den Studien bei mehr als 85 Prozent – und das gilt auch für Ältere. Das Vakzin soll auch gegen Virus-Varianten effektiv sein.

Die Experten der EMA hatten die Forschungs- und Test-Daten bereits seit Wochen nach einem schnelleren Verfahren bewertet. Es sei gründlich und nach höchsten Sicherheitsstandards geprüft worden, erklärte die EMA. Bei einer bedingten Zulassung ist der Hersteller verpflichtet, auch danach noch Daten etwa zur Langzeitwirkung an die EMA zu übermitteln. Auch Angaben zu möglichen Nebenwirkungen werden weiterhin geprüft. (APA, dpa)


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