Eine Handvoll Gäste bei nasskaltem Wetter: Erste Eindrücke aus Vorarlberg

Die Vorarlberger Gastronomen mussten Montagvormittag noch auf die Gäste warten. Bei der Ausgabe der Gratis-Wohnzimmertests bildeten sich jedoch Schlangen.

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Der Corona-bedingte Stillstand der Gastronomie hat sein Montag in Vorarlberg ein Ende. Jedoch unter strengen Auflagen.
© EXPA/JOHANN GRODER

Bregenz – Nach mehreren Monaten "Gastro-Entzug" ist den Vorarlberger Gastronomen am Montag – dem ersten Tag der Öffnung – nicht gerade die Bude eingerannt worden. Bei nasskaltem Wetter fanden am Montagvormittag gerade eine Handvoll Gäste in die wenigen geöffneten Lokale. Kurze Schlangen gab es etwa in Lustenau lediglich vor der Ausgabestelle der Gratis-Wohnzimmertests, wie ein Lokalaugenschein in der Grenzgemeinde am Rhein zeigte.

Die Gemeinde hat die Abgabe der Gratis-Selbsttests in den Gemeindesaal verlegt. 17.000 Stück hat das Bundesheer angeliefert, zwei pro Person und Woche stehen den Bürgern zu. Gültig sind sie zwar nicht für die Gastronomie, nur für den Veranstaltungsbesuch und für den Kinder- und Jugendsport, die Nachfrage scheint dennoch rege. Immer wieder bildeten sich am Montagvormittag kurze Schlangen am Eingang. Weniger frequentiert war da vorerst die Gastronomie. Viele Wirte sperren aus wirtschaftlichen Gründen entweder gar nicht auf, öffnen erst zum Wochenende oder bleiben beim Take Away, einige haben montags ohnehin Ruhetag.

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Freude nach Monaten ohne Arbeit

Die Cafe Bar "iTaly" ist eines der wenigen geöffneten Lokale im Zentrum. Ein Stammgast und ein älteres Ehepaar sitzen beim Kaffee, ein Mann beim Bier. Das Lokal hat räumlich keine Probleme, die zwei Meter Abstand einzuhalten. Wenn die Plexiglasscheiben geliefert werden, werden weitere Tische geöffnet. Registrieren können sich die Gäste nach der Test-Kontrolle per QR-Code, damit habe man schon vom vergangenen Jahr her Erfahrung, heißt es. Die Einstellung ist positiv, man will 's probieren mit dem Aufsperren. Kellnerin Andrea ist jedenfalls froh, dass es wieder losgeht: "Ich freu mich – ich hab' viereinhalb Monate nicht gearbeitet." Er sei auch in der Gastronomie angestellt, so der Biertrinker, sein Chef habe aber nicht aufgesperrt. Er überlegt einen Branchenwechsel: "Es hängt zwar mein Herzblut dran, aber man muss ja auch leben."

Ein Gastronom kontrolliert die Corona-Tests der Gäste.
© DIETMAR STIPLOVSEK

Wieder geöffnet ist auch das Café König. Inhaberin Eva Piringer hat vor allem wegen der Mitarbeiter aufgesperrt, samt Lehrlingen leben neun Personen von dem Traditionsbetrieb. "Von 17 Tischen haben wir jetzt noch zehn, der Zwei-Meter-Abstand ist schon hart", findet sie. "Es ist viel Aufwand für einen Kaffee. Ich fühle mich wie die Polizei. Bin ich Wirtin oder Verwaltungsangestellte?", sagt sie über die Auflagen und die Kontrollen. Während für ihren Betrieb die frühe Sperrstunde kein Problem ist, bedauert sie die Abendgastronomie: "Für die ist das eine Katastrophe." Mit mehr als der Handvoll Gäste hat sie am Montag nicht gerechnet, viele hätten zudem keinen Test-Termin bekommen. Eva Piringer hofft auf besseres Wetter, damit auch die Terrasse geöffnet werden kann, und auf das Wochenende. "Das Telefon klingelt in einer Tour, wir haben viele Reservierungen", freut sich die Gastronomin.

Kein Ansturm auch in Dornbirn

Verhalten, aber mit durchaus guter Stimmung haben einige Gastronomiebetriebe in Vorarlbergs größter Stadt Dornbirn am Montag nach Monaten ihren Betrieb wieder aufgenommen. Viele Lokale blieben zwar trotz der Erlaubnis zum Öffnen geschlossen, in den geöffneten Betrieben hielt sich der Ansturm der Gäste in Grenzen - die Gäste, die den Weg in die Gastronomie fanden, waren aber großteils sehr erfreut über diese Möglichkeit, wie ein Lokalaugenschein zeigte.

Im Café Cappuccino im Messepark, dem größten Einkaufszentrum des Landes, wird am Montagvormittag an einigen wenigen Tischen bereits bei Kaffee und Kuchen geplaudert. Am Eingang kontrolliert eine Mitarbeiterin die negativen Tests, sie führt die Gäste dann zum Tisch und erklärt auch gleich die Registrierung per QR-Code oder auszufüllender Karte. Die meisten Gäste sind auf den Ablauf bereits vorbereitet, es kommt aber doch auch die Frage: "Kann ich auch einfach so rein, ohne Test?" Im Interspar-Restaurant mussten Gäste abgewiesen werden, weil sie keinen negativen Test vorweisen konnten – "das tut weh", so eine Kellnerin. Die Testpflicht sieht man hier auch als größtes Problem bei der Öffnung.

Die anwesenden Gäste scheint diese aber nicht zu stören: Manche mussten ohnehin wegen eines Termins oder beruflich zum Testen, andere haben sich sogar gezielt zum Kaffeetrinken einen Testtermin geholt: "Ich lebe allein, ich war jetzt ein Jahr lang praktisch eingesperrt – heute könnte ich die ganze Welt umarmen. Man braucht einfach Menschen", so eine 77-jährige Pensionistin.

Gastgärten sind bereit

Relativ ruhig geht es am Montagvormittag auch in der Dornbirner Innenstadt zu. Die Gastgärten am Marktplatz sind aber hergerichtet, das Café Steinhauser hat seinen auch bereits geöffnet. Wenige Gäste sitzen an den Tischen, die Stimmung ist fröhlich: "Wir haben uns einen Testtermin ausgemacht, sobald die Öffnung bekannt wurde, und werden das auch sicher wieder tun, wenn wir einen ergattern können", so ein Paar, das nach eigenen Angaben normalerweise Montag früh nicht einkehren geht, heute zur Feier des Tages aber schon. Auch andere Gäste geben an, sie hätten schon richtig auf die Öffnung gewartet. Vonseiten des Cafés sieht man vor allem den großen Aufwand – Testkontrolle, Registrierung, Halbierung der Sitzplätze – als Problem. Für die Mittagszeit hätte es weit mehr Reservierungen gegeben als man Plätze anbieten könne.

Weniger Gäste als an einem normalen Vormittag gibt es auch in der Bäckerei Mangold im Dornbirner Industriegebiet und im Fast-Food-Restaurant McDonald's – die anwesenden Lokalbesucher begrüßen aber auch hier die Öffnung als "ein Stück Normalität". Montagvormittag ist auch in diesen Lokalen ohnehin nicht die stärkste Zeit, mehr Andrang wird für die Mittagszeit erwartet. (APA)


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