Wirbel um AstraZeneca: Österreich wartet auf EMA-Entscheidung

Am Donnerstag will die Europäische Arzneimittelagentur eine neue Einschätzung zum Impfstoff von AstraZeneca vorlegen. Es waren vereinzelt Fälle in EU-Staaten gemeldet worden, in denen Personen in zeitlichem Nahebereich einer Corona-Impfung eine seltene Hirnvenenthrombose erlitten hatten.

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Der AstraZeneca-Impfstoff wird in mehreren Staaten vorerst nicht mehr verwendet. Österreich impft weiter damit.
© JENS SCHLUETER

Wien, Amsterdam – Das nationale Impfgremium (NIG) wartet gespannt auf neue Empfehlungen der Europäischen Arzneimittelagentur EMA zum Corona-Vakzin von AstraZenca am Donnerstag. Österreich hatte im Unterschied zu Deutschland und einigen anderen EU-Staaten nach ungeklärten Thrombose-Ereignissen keinen Impfstopp mit dem Mittel empfohlen. "Ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis besteht unverändert", hieß es nach neuerlichen Beratungen des NIG am Dienstagabend vonseiten des Expertengremiums.

EMA prüft neue Daten und entscheidet dann

"Da für den Impfstoff von AstraZeneca eine europäische Zulassung vorliegt, fasst die EMA alle Informationen und Daten zu vermuteten Nebenwirkungen zusammen und analysiert diese", betonte das NIG. Eine öffentliche Stellungnahme der EMA werde am Donnerstag erwartet.

"In zeitlichem Zusammenhang mit Covid-19-Impfungen wurden in sehr seltenen Fällen thrombo-embolische Ereignisse beobachtet, in diesen Fällen kann ein kausaler Zusammenhang derzeit nicht sicher ausgeschlossen werden", hieß es weiter. Thrombo-embolische Komplikationen würden jedoch auch bei Covid-19-Erkrankungen "häufig beobachtet" und könnten auch "spontan" auftreten. Zu einer Covid-19-Impfung sollten außerdem keine gerinnungshemmenden Medikamente eingenommen werden, riet das NIG in dem Statement vom Einsatz von Acetylsalicylsäure (z.B. Aspirin), niedermolekularem Heparin oder ähnlichen Mitteln ab.

Impfexperte Krammer lobt österreichischen Weg

"Ich glaube, der österreichische Weg ist da ganz gut", betonte der in New York forschende steirische Impfexperte Florian Krammer am Dienstagabend in der "ZiB2". Aufhören zu impfen berge "auch ein gewisses Risiko für die Leute, die dann eben nicht geimpft werden", sagte Krammer. Zu den acht Personen, die in Deutschland offenbar nach einer Impfung mit AstraZeneca eine seltene Hirnvenenthrombose erlitten haben, erläuterte der Wissenschafter: "Das ist etwas anders, als was wir jetzt mit den Lungenembolien beziehungsweise Thrombosen gehört haben, wo ja eine recht hohe Rate von Fällen sowieso in der Bevölkerung vorkommt, auch ohne die Impfung. Und man muss sich jetzt anschauen, ob es da einen Zusammenhang gibt oder nicht."

📽️ Video | Impfstoffforscher Krammer zu AstraZeneca-Impfungen

EMA sieht vorerst Vorteile der Impfung überwiegen

Die EMA ist derzeit ebenfalls weiterhin der Ansicht, "dass die Vorteile des AstraZeneca-Impfstoffs bei der Vorbeugung von Covid-19 mit dem damit verbundenen Risiko von Krankenhausaufenthalten und Todesfällen die Risiken von Nebenwirkungen überwiegen", geht aus einer am Dienstagabend auf der EMA-Internetseite online gestellten Stellungnahme hervor. Das Sicherheitskomitee der EMA (PRAC/Pharmacovigilance Risk Assessment Committee) habe bis Dienstag weitere Fortschritte bei der detaillierten Bewertung von Fällen von Blutgerinnseln nach Impfungen mit AstraZeneca erzielt, hieß es ohne weitere Details.

Die Überprüfung der thrombo-embolischen Ereignisse werde im Rahmen einer Sicherheitswarnung ("Safety Signal") nach einem beschleunigten Zeitplan durchgeführt. Ein Safety Signal sei "eine Information über ein neues oder unvollständig dokumentiertes unerwünschtes Ereignis, das möglicherweise durch ein Arzneimittel wie einen Impfstoff verursacht wird und weitere Untersuchungen erforderlich macht". Das PRAC werde in seiner Sitzung am Donnerstag die verfügbaren Informationen abschließend bewerten und "alle erforderlichen Empfehlungen für weitere Maßnahmen abgeben", wurde in der Stellungnahme betont. (APA)


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