Weniger Anzeigen, mehr häusliche Gewalt, hohe Aufklärungsquote in Tirol

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 35.067 Delikte bei der Tiroler Polizei angezeigt. Es gab 1304 Anzeigen in Zusammenhang mit Gewalt in der Privatsphäre, mehr als 16 Prozent mehr als im Vorjahr.

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Das Landespolizeikommando Tirol in Innsbruck.
© Thomas Böhm

Innsbruck – Weniger Anzeigen, eine hohe Aufklärungsquote, aber auch ein signifikanter Anstieg bei Gewalt in den eigenen vier Wänden und Kriminalität im Internet: Am Freitag wurde die Tiroler Kriminalstatistik 2020 vorgestellt.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 35.067 Delikte bei der Tiroler Polizei angezeigt, um 11,9 Prozent weniger als noch 2019. Die Aufklärungsquote lag so hoch wie noch nie: "Trotz vielfältiger, neu zu bewältigenden Aufgaben während der Corona-Pandemie gelang es uns durch konsequente Ermittlungsarbeit die Aufklärungsrate in Tirol neuerlich um drei Prozentpunkte auf noch nie da gewesene 62 Prozent zu steigern", sagte Landespolizeidirektor Edelbert Kohler. Damit hat Tirol bundesweit die höchste Steigerung zu verzeichnen.

26.256 Verdächtige wurden im Laufe des Jahres ausgeforscht und angezeigt. Davon waren 10.616 fremde Tatverdächtige, darunter 2534 aus Deutschland, 750 aus Rumänien, 716 aus der Türkei, 581 aus Italien und 410 aus Serbien.

Insgesamt zurückgegangen ist die Gewaltkriminalität: Laut Aussendung wurden 5795 Delikte in Tirol angezeigt, um 8,9 Prozent weniger als 2019. Fast 91 Prozent, nämlich 5264 Taten, wurden geklärt. Bei 59,2 Prozent der Fälle kannten sich Täter und Opfer. Von 87 angezeigten Vergewaltigungen konnten die Tiroler Ermittler 80 aufklären.

1304 Anzeigen häuslicher Gewalt

Im vergangenen Jahr wurden 1340 Gewaltdelikte zur Anzeige gebracht, die im Rahmen des Familienkreises bzw. im privaten Umfeld begangen wurden. Dies stellt einen Anstieg von 16,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (1152 Anzeigen) dar. Insgesamt 702 Personen wurden durch ein Betretungs- und Annäherungsverbot geschützt.

Eine leichte Steigerung gab es bei den Raubdelikten: Hier gab es 90 Anzeigen, 66 davon wurden aufgeklärt. Auffällig war, dass es im vergangenen Jahr in Tirol keinen einzigen Banküberfall und auch keinen Überfall auf Juweliere gegeben habe. Banküberfälle gebe es schon seit längerem nur sehr wenige, erklärte Katja Tersch, Leiterin des Landeskriminalamtes. Bei den Überfällen auf Juweliergeschäfte müsse erst die Zukunft zeigen, ob sich dieser Trend fortsetze.

"Im Bereich Cybercrime gab es gegenüber dem Jahr 2019 einen deutlichen Anstieg um 49,2 Prozent", sagte die LKA-Chefin. Hier wurden 458 Anzeigen erstattet. Im Bereich Internetbetrug gab es 1602 Anzeigen, ein Anstieg um 24,8 Prozent. Die Internetkriminalität in ihrer Gesamtheit ist weiter gestiegen, es wurden 2519 Straftaten angezeigt.

"Demgegenüber setzte sich im Jahr 2020 der erfreuliche Abwärtstrend mit minus 10,1 Prozent im Bereich der Einbruchsdelikte in Wohnungen und Wohnhäuser fort", sagte Tersch. 1804 Fälle wurden angezeigt, das sind 18,7 Prozent oder 414 Fälle weniger. Die Aufklärungsquote liegt bei 27,3 Prozent. Auch die Diebstähle sanken signifikant. Gab es 2019 noch 12.175 Anzeigen, waren es im vergangenen Jahr nur noch 8951 – ein Minus von 26,5 Prozent. 2541 Fälle wurden geklärt.

Innsbruck mit höchster Aufklärungsquote der Landeshauptstädte

Der Innsbrucker Stadtpolizeikommandant Romed Giner präsentierte bei der Pressekonferenz die Zahlen für die Landeshauptstadt. "Bei einem Rückgang der angezeigten 10.906 Delikte um 14,9 Prozent konnte gleichzeitig die Aufklärungsquote in Innsbruck gegenüber dem Jahr 2019 nochmals um vier Prozent-Punkte auf 64,9 Prozent gesteigert werden. Damit weist Innsbruck vor Eisenstadt die höchste Aufklärungsquote unter den Landeshauptstädten Österreichs auf."

Die Zahl der Körperverletzungen ging auf 1103 Fälle zurück. Nötigungen und gefährliche Drohungen stiegen dagegen leicht an. Insgesamt sanken strafbare Handlungen gegen Leib und Leben um 12,4 Prozent bzw. 267 Fälle.

Angestiegen ist die Zahl der Betretungs- und Annäherungsverbote in der Landeshauptstadt. In 225 Fällen musste die Maßnahme zum Schutz von Gefährdeten in Anspruch genommen werden.

751 Einbruchsdiebstähle wurden 2020 in Innsbruck angezeigt, 2019 waren es 973. Besonders stark – nämlich um 56,7 Prozent – gingen die Einbrüche in Wohnhäuser zurück. Auch in Firmen und Geschäfte wurde weniger eingestiegen. Dafür gab es mehr Kellereinbrüche, insgesamt waren es 96, um 56 mehr als im Jahr davor. (TT.com/smo)


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