BBT-Daten sollen in Zukunft im Raum Innsbruck vor Hochwasser warnen

Die Untersuchungen über unterirdische Wasserabflüsse, die beim Tunnelbau notwendig waren, sollen bei großen Niederschlägen die Auswirkungen auf die Pegelstände von Inn und Sill frühzeitig erkennbar machen.

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Die für den Tunnelbau notwendigen Untersuchungen über unterirdische Wasserabflüsse sollen bei großen Niederschlagsmengen die Auswirkungen auf die Pegelstände von Inn und Sill frühzeitig erkennbar machen.
© Foto TT / Rudy De Moor

Innsbruck – Ein interdisziplinäres Pilotprojekt soll in Zukunft eine genauere Vorhersage von Hochwassern im Großraum Innsbruck ermöglichen. Es ist ein „Nebeneffekt“ der Arbeiten am Brennerbasistunnel: Die für den Tunnelbau notwendigen Untersuchungen über unterirdische Wasserabflüsse sollen bei großen Niederschlagsmengen die Auswirkungen auf die Pegelstände von Inn und Sill frühzeitig erkennbar machen.

Radargeräte – wie etwa hier am Padasterbach in Sigreith (Steinach am Brenner) – liefern wertvolle Daten für die Messungen.

Darauf machte die Brenner Basistunnelgesellschaft (BBT SE) am Sonntag aus Anlass des Weltwassertages am 22. März aufmerksam: „Das Pilotprojekt ist eine Kooperation zwischen dem Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) und der BBT SE. Die Abflussprozesse alpiner Einzugsgebiete sind komplex. Aus diesem Grund ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachbereiche notwendig, um Verständnis über den Wasserhaushalt und mögliche Modellierungsansätze zu erarbeiten“, beschreibt Hydrologe Klaus Klebinder vom BFW die Vorteile.

Zusätzlich wird auch auf den „Datenschatz“ vom Land Tirol Sachgebiet Hydrographie und Hydrologie und der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) zurückgegriffen. In der weiteren Projektphase wird eine Erweiterung dieser Gruppe mit verschiedenen universitären Einrichtungen angestrebt.

Schwerpunkt auf unterirdischen Abflüssen

Die Verbesserungen bei den Hochwasserprognosen basieren auf einer fächerübergreifenden Zusammenarbeit sowie der Bündelung von hydrogeologischem Fachwissen. Die dafür notwendigen Daten zum Wasserhaushalt gehen auf Untersuchungen zurück, welche in den vergangenen Jahrzehnten für den Brennerbasistunnel gemacht wurden. Der Schwerpunkt lag dabei auf der Quantifizierung unterirdischer Abflüsse. Dadurch wird unter anderem erfasst, wie viel Wasser bei großen Niederschlägen dem Grund- und Bergwasser in der Tiefe und wie viel den eher für Hochwasser verantwortlichen Fließgewässern an der Oberfläche zufließt.

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„Damit ergibt sich ein Detailwissen, welches ohne das Brennerbasistunnel-Projekt nicht vorhanden wäre und letztlich den Schutz der Bevölkerung vor Hochwasser erhöht“, erklärt der Leiter des Fachbereichs Geologie und Hydrogeologie beim Brennerbasistunnel, Ulrich Burger.

Acht Forscher, 35 Messstellen

Derzeit arbeiten acht Geologen und Hydrologen an diesem Pilotprojekt, zusätzlich sind mehrere Personen für die Messungen vor Ort zuständig. In der Pilotphase liefern rund 35 ausgewählte, repräsentative Messstellen (Niederschlagsmessstellen, Grundwassermessstellen, Gerinne und Quellen) die benötigten Zahlen für die Studie. Messwerte zum Wasser werden beim Brennerbasistunnel seit dem Jahr 2001 ermittelt, die Daten für die Projektstudie beinhalten hauptsächlich die letzten zehn Jahre. Die Pilotprojektstudie soll heuer im Juni fertiggestellt sein. Die Hauptphase des Projekts soll im Herbst 2021 starten, diese soll zwei Jahre andauern. (TT.com, APA)


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