Avatare sollen kranke Kinder in Schulklassen vertreten

Rund 17.000 Kinder können in Österreich aufgrund chronischer Erkrankungen und medizinischer Behandlungen den Unterricht nicht regelmäßig besuchen. Anstatt ihrer sollen nun kleine Roboter, sogenannte Avatare, in den Klassen sitzen.

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So nah wie möglich sollen die kranken Schüler dem Unterrichtsgeschehen sein.
© Estera K. Johnsrud

Wien – Durch häufiges Fehlen in der Schule, beispielsweise durch längere Krankenhausaufenthalte, stehen chronisch erkrankte Kinder und ihre Familien vor großen Herausforderungen. Einerseits müssen sie den verpassten Lernstoff selbst erarbeiten und alleine lernen, andererseits fehlt auch häufig der Anschluss an die Mitschüler. Ein rund 30 Zentimeter großer Avatar, der auf den klingenden Namen AV1 hört, soll Abhilfe schaffen, erklärt der Geschäftsführer der Innovationsstiftung für Bildung, Jakob Calice: "Das Kind hat einen technischen Repräsentanten in der Klasse sitzen. Wenn ich nicht selbst in die Schule gehen kann, geht mein Avatar hin und überträgt Informationen an mich zurück."

Avatar ist Augen und Ohren für erkrankte Kinder

In Echtzeit werden Bild und Ton direkt nach Hause zu den erkrankten Kindern übertragen. Der Ton fließt in beide Richtungen, das Videobild streamt nur das Klassenzimmer zum Kind – nicht das Kind ins Klassenzimmer. Thomas Pletschko von der Uniklinik für Kinder- und Jugendheilkunde in Wien: "Das Kind wird nicht gesehen. Das ist bei vielen Erkrankungen von Vorteil, weil sie so nicht wahrgenommen werden wollen."

Nicht nur die Stimme dient den kranken Schülern als Kommunikationsmittel: Wenn sich der Schüler meldet, leuchtet der Kopf des Avatars auf. Durch verschiedene Gesichtsausdrücke werden Gefühle und Stimmungen vermittelt.

Durch den Avatar "AV1" soll den Kindern auch der Anschluss in der Klasse leichter fallen.
© Estera K. Johnsrud

Großangelegte Studie untersucht den Einsatz der Avatare

Die Medizinuni Wien führt jetzt gemeinsam mit der Universität Klagenfurt ein dreijähriges Forschungsprojekt durch, bei dem mehr Kinder einen Avatar zur Verfügung gestellt bekommen sollen. Untersucht wird, wie die betroffenen Kinder, deren Eltern, aber auch die Lehrer und der Rest der Klasse die Situation mit dem Avatar erleben. Teilnehmen können Kinder mit chronischen Erkrankungen, die bereits ein Semester zur Schule gegangen sind und voraussichtlich sechs Wochen den Unterricht nicht besuchen können. (APA, TT.com)


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