„Blumenstreik" als Gedenken an die vielen Toten in Myanmar

Am Freitag wurde in Myanmar mit sogenannten „Blumenstreiks" den hunderten Opfern der Militärgewalt gedacht. Nach Schätzungen gibt es bereits mindestens 543 Tote. Die entmachtete De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi war indes am Donnerstag erneut vor Gericht erschienen.

  • Artikel
  • Diskussion
Hunderte Menschen verloren bei den Protesten in Myanmar bereits ihr Leben. Beim „Blumenstreik" wird den Opfern der Militärgewalt gedacht.
© AFP

Naypyidaw (APA/dpa/Reuters) - Zahlreiche Menschen in Myanmar haben am Freitag mit einem „Blumenstreik" der Hunderten Opfer der Militärgewalt gedacht. Aktivisten hatten dazu aufgerufen, an öffentlichen Orten wie Parks und Bushaltestellen Blumen als Zeichen der Trauer niederzulegen. Am Donnerstag hatte der UN-Sicherheitsrat die anhaltende Gewalt in Myanmar verurteilt. Das Militär solle äußerste Zurückhaltung üben, forderte das mächtigste Gremium der Vereinten Nationen.

Auf zahlreichen Fotos in sozialen Netzwerken waren am Freitag bunte Sträußen oder einzelne Rosen zu sehen, begleitet von Gedenksprüchen an die „gefallenen Helden", wie die getöteten Demonstrantinnen und Demonstranten genannt werden. Auf einer Brücke in der größten Stadt Yangon stand ein großes Schild, auf dem in Blumen geschrieben stand: „Myanmar blutet."

Mindestens 543 Menschen verloren bei den Demonstrationen ihr Leben

Nach neuen Schätzungen der Gefangenenhilfsorganisation AAPPP wurden seit dem Putsch vor zwei Monaten mindestens 543 Menschen getötet. Laut der Hilfsorganisation Save the Children sind mehr als 40 Kinder unter den Opfern. Die Einsatzkräfte gehen seit Wochen mit brutaler Gewalt gegen jeden Widerstand vor.

Telekommunikationsfirmen teilten mit, das Militär habe das Internet weiter eingeschränkt. Bereits seit Wochen wird der Zugang landesweit jede Nacht weitgehend gesperrt, auch tagsüber gab es zuletzt Beschränkungen. Aktivisten brachten Apps in Umlauf, mit denen sich Menschen auch offline weiter über Entwicklungen informieren konnten.

Der Myanmar-Experte Richard Horsey warnte in einem Bericht für die Nichtregierungsorganisation „International Crisis Group" vor dem Risiko eines Staatskollapses. „Das Regime zeigt keine Anzeichen dafür, dass es die Krise beenden will. Die Außenwelt hat nur begrenzten Handlungsspielraum, muss jedoch Waffenembargos und Sanktionen gegen das Militär verhängen und sich auf enorme humanitäre Hilfen vorbereiten", schrieb er auf Twitter.

Am Donnerstag hatte der UN-Sicherheitsrat die anhaltende Gewalt im früheren Birma verurteilt und das Militär zu äußerster Zurückhaltung aufgefordert. Auch bekräftigte der Rat seine Forderung nach der Freilassung von Regierungschefin Aung San Suu Kyi und Präsident Win Myint.

Entmachtete Regierungschefin erschien erneut vor Gericht

Die Stellungnahme des 15-köpfigen Gremiums dürfte an der eskalierenden Lage in Myanmar kaum etwas ändern. Vor allem China hatte sich Diplomatenangaben zufolge gegen schärfere Formulierungen gesperrt.

Die entmachtete De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi war indes am Donnerstag erneut vor Gericht erschienen. Bei ihrer gerichtlicher Anhörung in der Hauptstadt Naypyidaw ging es nur um verfahrenstechnische Fragen sowie die formelle Ernennung von acht Verteidigern. Ein weiterer Gerichtstermin ist für den 12. April angesetzt. Die körperliche Verfassung der 75-Jährigen sei „gut", sagte ihr Anwalt Khin Maung Zaw am Donnerstag. Suu Kyi wurde nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen, seit sie am 1. Februar vom Militär abgesetzt und unter Hausarrest gestellt worden war.

Die Friedensnobelpreisträgerin sieht sich einer Reihe von strafrechtlichen Anschuldigungen gegenüber, darunter wegen Besitzes von Funkgeräten ohne die erforderliche Genehmigung, Verletzung von Corona-Bestimmungen und Aufforderung zum öffentlichen Aufruhr. Auch werfen ihr die Militärbehörden vor, umgerechnet gut 500.000 Euro und mehr als elf Kilogramm Gold als Schmiergeldzahlungen angenommen zu haben. Bei einem Schuldspruch könnte sie lebenslang von allen politischen Ämtern ausgeschlossen werden. (APA/dpa/Reuters)


Kommentieren


Schlagworte