"Wiener Zeitung": Fortbestand als Tageszeitung unwahrscheinlich

Nach dem geplanten Wegfall der Pflichtinserate wird es ernst für die älteste Zeitung Österreichs. Laut einer Email des Geschäftsführers Martin Fleischhacker ist der Fortbestand einer gedruckten Tageszeitung ungewiss.

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In dieser Form wird es die "Wiener Zeitung" wohl nicht mehr lange geben.
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Wien – Der Fortbestand der "Wiener Zeitung" als gedruckte Tageszeitung ist in weite Ferne gerückt. Das geht aus einer E-Mail des Geschäftsführers Martin Fleischhacker an die Belegschaft hervor. Darin schreibt er von einer "heiklen Situation", wie der APA bestätigt wurde. Es sei davon auszugehen, dass die finanziellen Rahmenbedingungen die Fortführung einer Tageszeitung in der heutigen Form nicht mehr möglich machen, so Fleischhacker.

Auslöser ist die im Regierungsprogramm vorgesehene Abschaffung der Pflichtinserate im Amtsblatt der "Wiener Zeitung". Bisher mussten Unternehmen gewisse Informationen verpflichtend als Inserate im Amtsblatt der "Wiener Zeitung" veröffentlichen, da der Staat Österreich der Eigentümer der Zeitung ist. Dazu gehören beispielsweise Gesellschaftsgründungen, Eintragungen, Änderungen der Geschäftsführung oder des Unternehmenssitzes, Einladungen zu Hauptversammlungen und Jahresabschlüsse für börsennotierte Unternehmen.

Eine EU-Richtlinie über den "Einsatz digitaler Werkzeuge und Verfahren im Gesellschaftsrecht" verlangt nun jedoch die Möglichkeit, dass Unternehmen online und damit einfacher und kostengünstiger die oben genannten und verpflichtend zu veröffentlichten Informationen einreichen können.

Das Ende der Pflichtinserate bedeutet auch das wahrscheinliche Ende der "Wiener Zeitung" in seiner bisherigen Form. Denn finanziell machen sie mehr als drei Viertel der Einnahmen der Zeitung aus.

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Wie es weitergeht, ist noch nicht fix

Gegenüber der APA präzisierte der Geschäftsführer Martin Fleischhacker, dass "noch nichts vom Tisch" sei. "Ich muss mich den Rahmenbedingungen stellen und auch Alternativen erarbeiten", sagte Fleischhacker. Gute Ideen seien für den Erhalt als Tageszeitung, aber auch für alternative Modelle vorhanden. Wenn ihn noch weitere Konzepte erreichen, würden diese auch ausgearbeitet. Sein Ziel sei jedenfalls, das Beste für das Unternehmen und die Angestellten aus der Situation zu machen.

"Es ist sehr ernst", sagte Walter Hämmerle, Chefredakteur der "Wiener Zeitung", im Gespräch mit der APA. "Wenn der E-Mail des Geschäftsführers Glauben zu schenken ist, dann ist die Tageszeitung vom Tisch", erklärte er. Glauben wolle er das aber noch nicht. Ihm sei mitgeteilt worden, dass es im Aufsichtsrat einen Aufruf gab, erneut nachzudenken und Optionen zu prüfen. Die äußerst irritierte Redaktion wolle weiterkämpfen und erarbeite Konzepte.

Viele fordern den Fortbestand der Zeitung

Bis Ende 2022 solle nichts mit der Redaktion passieren, hieß es laut Ö1-Morgenjournal von der ÖVP-Seite in der Bundesregierung. Der Kommunikationswissenschafter Josef Trappel von der Universität Salzburg hoffte im Gespräch mit dem Radiosender, dass es noch nicht zu Ende sei. "Wir haben gestern Hugo Portisch verloren, jetzt können wir unmöglich auch noch die 'Wiener Zeitung' verlieren", meinte er mit Verweis auf einen "nicht überbesetzten Qualitätszeitungsmarkt" in Österreich. "Die Zeitung einfach einzustellen, hielte ich für ein fatales Zeichen", so der Medienexperte. Man solle sich überlegen, welche Möglichkeiten noch offen stehen - etwa eine öffentlich-rechtliche Finanzierung.

Die Journalistengewerkschaft in der GPA forderte angesichts des Schreibens Konsequenzen für den Geschäftsführer. Er sei für diesen Job ungeeignet, wurde Eike-Clemens Kullmann, Vorsitzender der Journalistengewerkschaft in der GPA, in einer Aussendung zitiert. Aufsichtsrat und Eigentümer sollten Konsequenzen ziehen, meinte Kullmann und forderte die Bundesregierung auf, den Fortbestand der "Wiener Zeitung" in Printform abzusichern.

Auch Reporter ohne Grenzen (RSF) Österreich setzte sich in einer Aussendung für den Erhalt der ältesten Tageszeitung der Welt ein. "Auf dem ohnehin sehr kleinen und nur 14 Titel umfassenden Tageszeitungsmarkt Österreichs darf ein besonderes Medium wie die 'Wiener Zeitung', die für qualitativ hochwertige und ausgewogene Berichterstattung steht, nicht einfach wegfallen", so RSF-Österreich-Präsidentin Rubina Möhring. Sie zeigte sich irritiert über die E-Mail Fleischhackers: "Damit lässt er die redaktionellen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Regen. Von einem Geschäftsführer muss man sich mehr Kampfbereitschaft erwarten dürfen."

"Es läuft darauf hinaus, ob es einen politischen Willen gibt, die Zeitung zu erhalten oder nicht", betonte Hämmerle am Freitag erneut gegenüber der APA. Eine Digitalisierung des Amtsblatts erachtet er als richtig. "Die Frage ist nur, muss das zwingend zum Tod der Zeitung führen?", fragte der Chefredakteur. Dass der Eigentümer keine Freude an der Zeitung hat, liege aber mittlerweile auf der Hand, meinte er.


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