Bräuche rund ums höchste Christenfest: So feiert Österreich Ostern

Ostern ist nicht nur ein Familienfest, sondern auch eine Zeit, in der altes Brauchtum hochlebt. Welche Traditionen in Österreich üblich sind – und woher sie eigentlich kommen.

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Eierfärben, Ratschen, Feuer entzünden und Osterlamm backen sind nur einige der Bräuche rund ums Fest.
© pixabay, Mair

Innsbruck – Kunterbunte Eier, Osterfeuer, Ratschen, Weihen, Fasten und dann natürlich ganz viel Schlemmen: Ostern ist mit einer Vielzahl von Traditionen verbunden, denen auch die Pandemie großteils wenig anhaben kann. Bekannt sind die meisten, woher sie kommen, oft weniger. Ein Streifzug durch Österreich mit Erklärung zu den beliebtesten Bräuchen.

🥚 Bunte Eier und Osternester

Ostern ohne Eier ist in Österreich unvorstellbar – ob als Dekoration oder Gaumenschmaus nach der 40-tägigen Fastenzeit. Kinder dürfen sich traditionell auf die Suche nach dem farbenfrohen Genuss machen und finden dazu oft noch Schokolade oder kleine Spielsachen in ihren Nestern. Diese hat der „Osterhase" vorher im Garten versteckt.

Woher kommen aber eigentlich diese Bräuche? Überlieferungen zufolge wurde schon im Mittelalter von Aschermittwoch bis Karfreitag gefastet. In dieser Zeit wurde also auf Fleisch wie auch auf Eier verzichtet. Da die Hühner trotzdem fleißig weiterlegten, wurden die Eier gesammelt und gekocht, um sie haltbar zu machen. Damit man dann die gekochten von den frischen Eiern unterscheiden konnte, färbte man sie ein. Diese Ostereier, die in der Karwoche gelegt wurden, galten als besonders heilig.

Einer weiteren Theorie zufolge sollte die rote Markierung der Eier das Blut Jesu symbolisieren. Erst später kamen weitere Farben hinzu.

Dazu zählt das Ei in zahlreichen Kulturen als Symbol für Fruchtbarkeit, Wiedergeburt und neues Leben. Letzteres wohl, weil in jedem Ei theoretisch neues Leben steckt. Schon im alten Ägypten und antiken Griechenland sowie Rom verehrte man Eier – sogar in Gräbern wurden sie wegen der Auferstehung dem Toten beigelegt.

Als besonders heilig galten früher die Eier, die in der Karwoche gelegt wurden.
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🐰 Flinker Osterhase

Wieso werden die Eier heutzutage aber versteckt? Am bekanntesten ist wohl die Theorie, dass sich die Menschen im 16. Jahrhundert zu Ehren der Göttin Ostara, der germanischen Göttin der Fruchtbarkeit und des Lebens, Eier schenkten. Diese Gottes-Verehrung war der Kirche aber ein Dorn im Auge und wurde verboten. Da die Menschen nicht auf diesen Brauch verzichten wollten, führten sie das Ganze heimlich fort – und versteckten die Eier.

Heutzutage ist es nur der Hase, der die Eier bringt – früher waren es auch andere Tiere.
© pixabay

Der Osterhase wurde dann wohl dazu erfunden, um zu erklären, wie die Eier in die Nester kommen: Hasen hoppeln so flink, dass man sie nicht schnell entdecken kann. In einigen Gegenden brachten übrigens früher auch Hahn, Kuckuck, Storch oder Fuchs Ostereier.

Anderen Überlieferungen nach wurde der Hase als Eierbote ausgewählt, weil er wie das Ei für Fruchtbarkeit und Leben steht und den Übergang vom Winter zum Frühling markiert. Er ist außerdem das Tier der Liebesgöttin Aphrodite und der germanischen Göttin Holda – und gilt als ein Bote Gottes.

🍲 Üppige Osterspeisen nach der Fastenzeit

Während die Kinder sich also am liebsten über Schokolade-Eier hermachen, genießen die Erwachsenen in vielen Teilen Österreichs die Ostereier begleitet von einer zünftigen Jause mit süßlichem Osterbrot und z.B. Osterschinken. Von West nach Ost könnten die kulinarischen Traditionen auf der Ostertafel dabei teils unterschiedlicher nicht sein:

Anschnitt eines traditionellen Kärntner Reindlings.
© Johannes Jaritz

Isst man in Vorarlberg am liebsten „Geselchtes" mit Sauerkraut und Kren, kommen in Tirol mit Vorliebe Eiersalat und süßes Osterlamm, in Kärnten der bekannte Reindling, in Niederösterreich die Osterpinze und in Wien etwa ein Schinken im Brotmantel zu Ostern auf den Tisch.

Gemein ist ihnen allen, dass sie so viele Kalorien haben können wie sie eben haben – die Fastenzeit ist mit dem Oster-Wochenende nach dem Karfreitag nämlich vorbei.

🥬 Am Gründonnerstag Grünes essen

Auch einen Tag vor Karfreitag, am Gründonnerstag, gibt es eine interessante Tradition, was die Kulinarik angeht. Auf den Tisch soll bevorzugt Grünes wie Spinat, Nesseln und Salate kommen. Dadurch werden erstens die strengen Fastenvorschriften des Christentums eingehalten, zweitens aber auch abergläubische Theorien befolgt: Mit dem Verzehr grüner Nahrungsmittel soll die Kraft des Frühlings aufgenommen werden und so ein heilvolles Jahr bevorstehen. Spannend hierbei ist, dass der fünfte Tag der Heiligen Woche ursprünglich gar nicht mit der Farbe Grün zu tun hat. Er wurde vermutlich nach dem mittelhochdeutschen Wort „greinen“ benannt, das so viel wie „weinen“ bedeutet. Der Name spielt auf die öffentlichen Büßer, die Weinenden, an, die an diesem Tag wieder in die Kirchengemeinschaft aufgenommen wurden.

Das große Quiz zur Fastenzeit

🐟 Verzicht am Karfreitag

Am Karfreitag, dem ersten Tag des sogenannten „Triduum Sacrum", der christlichen Dreitagefeier, wird der Kreuzigung Jesu Christi gedacht. Katholiken sehen ihn als strengen Fasttag, bei vielen steht er außerdem ganz im Zeichen des Fisches. Früher war Fisch weitaus günstiger als Fleisch und daher, um Verzicht zu üben, die ideale Wahl für den Karfreitag.

Heutzutage ist in Österreich auch die sogenannte Stosuppe (auch „Stohsuppe" oder „Stoßsuppe"), eine Milch-Mehl-Suppe, als Karfreitags-Essen verbreitet, aber auch Mehlspeisen wie Germknödel landen gerne auf dem Teller.

Die Stosuppe wird mit Sauermilch, Sauerrahm, Wasser und Mehl sowie teilweise mit Kartoffeln zubereitet.
© pixabay

⛪ Speisenweihe

Vor allem in den südlichen Bundesländern Österreichs, aber auch in Tirol sind zu Ostern auch Speisensegnungen Brauch. Traditionell kommen dazu in den Osterkorb bunte Eier, ein Osterlamm und weitere Köstlichkeiten. Mit teils aufwendig bestickten Weihkorbdecken verhüllt, werden die Osterspeisen dann am Karsamstag in den Kirchen während der Messe geweiht, ehe sie am Ostersonntag vertilgt werden.

🔕 „Ratschen" statt Kirchenglocken

Besonders im Tiroler Oberland ist zu Ostern der Brauch des „Ratschens" verbreitet. Von Gründonnerstag bis Karsamstag bleibt das Kirchengeläut stumm, weil die Glocken laut Überlieferung nach Rom geflogen sind. Stattdessen ziehen Kinder mit ihren „Ratschen“ – hölzernen Klapperinstrumenten – durch die Dörfer und sagen Sprüche auf. Dafür bekommen sie Ostereier, Süßigkeiten und Kleingeld. 2015 wurde das Ratschen in der Karwoche sogar von der UNESCO als Immaterielles Kulturerbe in Österreich anerkannt.

Auch Ministranten dürfen an Ostern „ratschen".
© Theresa Mair

Da Ratschertreffen heuer Pandemie-bedingt aber nicht stattfinden können, wird wie auch letztes Jahr zum Ratschen im eigenen Familienverband und auf dem eigenen Grundstück aufgerufen.

🕯️ Weihfeuer tragen

Während die Kinder in Tirol „ratschen" gehen, tragen sie in der Steiermark traditionell sogenannte „Weihfeuer" von Haus zu Haus. In alten Blechdosen werden dazu getrocknete Baumschwämme mit dem geweihten Feuer aus der Kirche zum Glimmen gebracht. Daran befestigt ist ein langer Draht, um die Dose schwenken zu können, damit der Rauch verströmt und die Glut nicht ausgeht. Jedes Haus bekommt als Schutz für das nächste Jahr ein Stückchen vom Schwamm. Als Belohnung gibt es auch hier Süßigkeiten, Ostereier oder Geld.

🔥 Osterfeuer entzünden

Eine sehr lange Tradition in Österreich genießen auch die Osterfeuer. Vor allem im Alpenraum sind sie weit verbreitet. In der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag werden dazu Abfallholz von Stauden und Weinreben angezündet. Im salzburgerischen Lungau zimmert man dafür sogar bis zu sechs Meter hohe Holzkästen, die mit Reisig gefüllt sind. Dieser Brauch ist, wie viele in der katholischen Kirche, auf alte heidnische Riten zurückzuführen. Vorgänger des Osterfeuers sind die Frühlingsfeuer der Germanen.

Während der Corona-Krise muss auf diesen Brauchtum allerdings verzichtet werden, da es für Zusammenkünfte solcher Art keine Genehmigung gibt. Auch muss immer berücksichtigt werden, ob das Wetter nicht zu trocken ist und somit zu große Brandgefahr herrschen würde. (anl)


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