Katholische Kirche: Vertrauen zur Regierung Kurz „erschüttert“

Wie aus den bekannt gewordenen Chat-Verläufen zwischen Kanzler Kurz (ÖVP) und ÖBAG-Chef Schmid hervorgeht, wurde die Katholische Kirche im Allgemeinen und speziell Bischofskonferenz-Generalsekretär Peter Schipka von den Türkisen nicht gerade respektvoll behandelt. Schipka sieht das Vertrauen „erschüttert“.

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Bischofskonferenz-Generalsekretär Peter Schipka (r.) und Kardinal Christoph Schönborn. (Archivbild)
© HERBERT NEUBAUER

Wien – Die Katholische Kirche sieht nach den bekannt gewordenen Chat-Protokollen von ÖBAG-Chef Thomas Schmid das Vertrauen zwischen Regierung und Kirchenspitze angegriffen. Die Protokolle offenbarten, dass die damalige ÖVP-FPÖ-Regierung bei Steuerprivilegien Druck auf die katholische Kirche ausüben wollte. „Das Vertrauen ist bei vielen, nicht nur Repräsentanten, erschüttert“, sagte Bischofskonferenz-Generalsekretär Peter Schipka zu den Kirchenzeitungen.

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In den Chats geht es unter anderem um ein berufliches Treffen Schmids (damals Generalsekretär im Finanzministerium) mit seinem Gegenüber in der katholischen Bischofskonferenz, Schipka, im März 2019. Thema war die Abschaffung von Steuerprivilegien. „Ja super. Bitte Vollgas geben“, schrieb Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) im Vorfeld des Treffens an Schmid. Schmid textete, im Rahmen eines „Steuerprivilegien-Checks“ sollte auch „die Kirche massiv hinterfragt“ werden. Nach dem Treffen berichtete Schmid dem Kanzler: „Also Schipka war fertig!“ Und: „Er war zunächst rot dann blass dann zittrig. Er bot mir Schnaps an den ich in der Fastenzeit ablehnte weil Fastenzeit. Waren aber freundlich und sachlich.“

Schipka: „Keine Privilegien der katholischen Kirche“

Schipka betonte nun im Interview mit der Kooperationsredaktion der heimischen Kirchenzeitungen, die Katholische Kirche in Österreich genieße keine Steuerprivilegien, berichtete die Kathpress am Mittwoch. Die steuerlichen Bestimmungen bzw. Erleichterungen würden alle anerkannten Kirchen und Religionen – Juden, Orthodoxe, Evangelische, Muslime oder Buddhisten – gleichermaßen betreffen. „Es sind keine Privilegien der katholischen Kirche“, sagte Schipka. Die Steuerbestimmungen berücksichtigten, „was für die Gesellschaft wichtig ist, so wie der Familienbonus für Familien oder die Vorsteuerabzugsberechtigung für Unternehmen“. Dass ein Repräsentant des Finanzministeriums (Schmid, Anm.) „das nicht besser wusste, ist bedauerlich“, so der Generalsekretär der Bischofskonferenz.

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Zum konkreten Gesprächstermin mit Schmid sagte Schipka: „Thomas Schmid und sein Kollege waren bei mir, um anzukündigen, dass man mit uns hart verhandeln will. Das ist ungewöhnlich, entweder man verhandelt hart oder nicht. Sonst war es ein angenehmes Gespräch, ganz anders als man aus dem Chatverlauf den Eindruck hat. Es war sachlich und freundlich, wie am Ende der besagten SMS auch steht.“

„Sache sehr peinlich, aber nicht für mich“

Zwar habe er sich im Anschluss an das Gespräch keine Sorgen gemacht, „aber ich habe mich gefragt, was das soll.“ Zu den öffentlich gewordenen Chatverläufen sagte der Bischofskonferenz-Generalsekretär: „Die Sache ist wirklich sehr peinlich, aber nicht für mich. Ich empfinde es als eine Art Politik zu machen, die sich nicht gehört.“ Gefragt, ob diese Art das Vertrauen zwischen Regierung und Kirchenspitze angegriffen habe, sagte Schipka: „Das nehme ich an.“ Und er verwies auf ein Beispiel aus dem Alltag: „Ein Mesner sagte: ‚Ich habe Sebastian Kurz immer verteidigt, aber das geht zu weit!‘“

Die Kirche werde sich von der Politik „sicher nicht“ einschüchtern lassen, betonte Schipka grundsätzlich. Das betreffe etwa auch das Thema der Flüchtlingsfrage. „Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, dass auf europäischem Boden Menschen menschenunwürdig leben müssen. Wie man dem Abhilfe leistet, da kann ich mir Unterschiedliches vorstellen. Aber daran dürfen wir uns nicht gewöhnen!“ (TT.com, APA)


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