Impfungen mit AstraZeneca: Hinweis davor und Beobachtung danach wichtig

In Österreich wird der Impfstoff von AstraZeneca weiter verimpft. Mediziner verweisen auf sehr selten auftretende Nebenwirkungen, die einem "sehr speziellen" Krankheitsbild folgen würden. Was es dazu zu beachten gilt.

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Bei dem Impfstoff von AstraZeneca kann es Tage später zu Thrombosen kommen. Diese sind extrem selten.
© RAUL ARBOLEDA

Wien – Die möglicherweise durch den Corona-Impfstoff von AstraZeneca ausgelösten Thrombose-Ereignisse sind "sehr selten" und haben "ein sehr spezielles Krankheitsbild". Es ist jedenfalls "ganz wichtig, dass man die Patienten drauf hinweist", betonte die Virologin und Impfexpertin Heidemarie Holzmann am Donnerstag auf Anfrage. Nach der Impfung sollte der Gesundheitszustand selbst beobachtet werden. Die Symptome treten frühestens nach vier Tagen auf.

Auf Anregung des Nationalen Impfgremiums (NIG) wurde von Gerinnungsexperten ein Leitfaden zur Diagnostik und Therapie von Gerinnungsstörungen und Thrombosen nach einer Covid-19-Impfung erarbeitet. Die Virus/Vaccine Induced Prothrombotic Immune Thrombocytopenia (VIPIT/Impfstoffinduzierte Immun-Thrombozytopenie) wurde demnach bisher sehr selten und vermehrt bei Frauen unter 60 Jahren festgestellt. Es sind aber nicht ausschließlich Frauen betroffen, betonten die Experten. Menschen mit früheren Thrombosen oder mit Thromboseneigung (Thrombophilie) erkrankten nicht häufiger nach der Impfung. Grippeähnliche Symptome während der ersten zwei Tage nach der Impfung sind zudem häufig und kein typischer Hinweis auf VIPIT.

Achtung bei Symptomen nach vier bis 20 Tagen

Die mögliche Nebenwirkung wurde zwischen vier und 20 Tagen nach der Impfung beobachtet, heißt es in dem Expertenpapier. Plötzlich auftretende Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit/Erbrechen, Sehstörungen, Lähmungserscheinungen könnten auf eine Hirnvenenthrombose oder Schlaganfall hinweisen. Bauchschmerzen Übelkeit/Erbrechen auf eine Thrombose im Bauchraum und Schmerzen, Schwellungen oder Kältegefühl in einem Bein oder Arm auf eine Bein-oder Armvenenthrombose oder eine arterielle Thrombose. Bei Kurzatmigkeit und Schmerzen im Brustraum bestehe der Verdacht auf Lungenembolie. Zusätzlich wurde hohes Fieber beobachtet.

Bei derartigen Symptomen, die mehr als drei Tage nach der Impfung anhalten oder neu auftreten, sollte ein Arzt kontaktiert und der Verdacht einer Gerinnungsstörung/Thrombose abgeklärt werden, hatte das NIG bereits zuvor betont. Die Thrombose-Ereignisse nach der AstraZeneca-Impfung seien "sehr selten auftretend", werden aber laut Holzmann als Nebenwirkung geführt, weil ein möglicher Zusammenhang gesehen wird. Dieser sei "kausal noch nicht bewiesen", betonte die Leiterin der Abteilung für angewandte medizinische Virologie am Zentrum für Virologie der MedUni Wien.

EMA sieht keine speziellen Risikofaktoren für Thrombosen

Die EU-Arzneimittelbehörde EMA sehe keine speziellen Risikofaktoren, weder Alter noch Geschlecht. Deshalb habe das NIG in Österreich keine Einschränkung empfohlen, erläuterte Holzmann, die selbst Mitglied des NIG ist. Das Krankheitsbild der möglichen Nebenwirkung ist laut Holzmann deshalb speziell, weil mit den Thrombosen nach der Impfung meist eine sehr geringe Zahl von Blutplättchen einhergeht. Das sei etwa nicht vergleichbar mit Thrombosen durch die Anti-Baby-Pille. Das Nutzen-Risiko-Verhältnis der AstraZeneca-Impfung "hat sich nicht geändert", betonte Holzmann zu der EMA-Einschätzung von Mittwoch, wonach ein Zusammenhang zwischen dem Vakzin und den Thrombose-Ereignissen vermutet wird. Der heimische Impfplan werde unter Berücksichtigung der epidemiologischen Situation "genau so weitergeführt" wie bisher. (APA)


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