Hoch „Peggy“ bringt den Frühling zurück – aber nur für kurze Zeit

Der April ist bis jetzt eine wahre Achterbahnfahrt der Temperaturen. Auch weiterhin heißt es: Anschnallen und die frische, warme, frische, warme,... Frühlingsbrise genießen. Eisig war's, eisig wird's wieder. Dazwischen kommt der Frühling wieder. Der wilde Ritt geht weiter.

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Eisig war's und eisig wird's wieder. Dazwischen: Frühling!
© Bernhard Winklehner

Innsbruck – Es ist ein April, der vermutlich im Gedächtnis bleibt. Launisch ist dieser Monat zwar immer, solche Stimmungsschwankungen wie in diesem Jahr gibt es aber selten. Die letzte Kaltfront ist zwar vorbei, die nächste steht aber schon in den Startlöchern. Dazwischen wird es, wie könnte es im April auch anders sein, sehr warm und föhnig. Bis zu 23 Grad sind möglich.

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Kalt, kälter, April 2021

Um eines klarzustellen: Nein, es fühlt sich nicht nur so an. Es ist kalt. Luftmassen arktischen Ursprungs halten derzeit den Frühling und all seine warmen Vorzüge in Schach. Das Ergebnis: Kälterekord über Kälterekord – vor allem im Südosten von Österreich. „In den vergangenen Nächten gab es im Süden und Südosten bei wolkenlosem Himmel und wenig Wind günstige Bedingungen für eine starke nächtliche Abkühlung“ analysiert Manfred Spatzierer, Chefmeteorologe der Österreichischen Unwetterzentrale.

Vor allem die Nacht auf Freitag war frostig kalt: „Von den rund 280 Wetterstationen der ZAMG blieben nur vier frostfrei: Bregenz, Fraxern, Feldkirch in Vorarlberg und Wien Innere Stadt", hieß es in einer Aussendung der ZAMG. Am kältesten war es mit minus 11,8 Grad in Bad Mitterndorf in der Steiermark, was auch gleich ein Rekordwert für diese Messstation war.

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Minus-Rekorde gab es mit minus 9,9 Grad auch in Windischgarsten in Oberösterreich sowie mit minus 8,9 Grad in Zeltweg in der Steiermark. Der österreichweite Kälterekord für April an bewohnten Orten geht aber an Tirol: Unglaubliche minus 19,7 Grad wurden am 8.4.2003 in Seefeld in Tirol gemessen.

Vergleichbare Kälteeinbrüche im April gab es in der jüngeren Vergangenheit zuletzt in den Jahren 2020, 2017, 2003 und 1997.

🌳 Obstbäume vs. Spätfrost 🧊

Beim Kampf zwischen Spätfrost und Obstbäumen gehen zweitere mit einem leichten Handicap ins Rennen. Aber: Nicht nur der Frost alleine entscheidet, ob Pflanzen geschädigt werden oder nicht. Und Obstbauern müssen ihre Bäume auch nicht komplett auf sich allein gestellt dem launischen Wetter überlassen.

❄️ Frost nicht ungewöhnlich im April – mit einem ABER:

  • Normalerweise gibt es jedes Jahr zumindest eine Frostnacht im April.
  • Selten häufen sich diese Tage so, wie wir es jetzt erleben. Laut ZAMG kommt ein April, in dem es mindestens drei Tage Frost mit Temperaturen bei minus 2 Grad gibt, beispielsweise in Jenbach nur alle zehn Jahre vor.
  • In den letzten Jahren kamen diese Spätfrostereignisse gehäuft vor, nämlich in den Jahren 2016, 2017, 2020 und 2021. Einen Zusammenhang mit dem Klimawandel gibt es laut ZAMG nicht.

🌡️ Frühe Warmphasen und plötzliche Kälteeinbrüche – ein ungünstiger Mix

  • Längere Warmphasen im Februar oder März können dazu führen, dass die Blüten der Bäume früher heranreifen.
  • Hier hat der Klimawandel seine Finger im Spiel: Marille, Apfel und Kirsche blühen durchschnittlich zehn Tage früher als noch vor 30 Jahren.
  • Dieses Jahr haben sich die Wärmephasen Anfang des Jahres in Grenzen gehalten. Die Blüten sind noch nicht so frostempfindlich wie sie das beispielsweise 2020 oder 2017 waren.

👊 Obstbauern können beim Kampf gegen den Frost in den Ring steigen

  • Bei Frostfeuern geht es weniger um die Wärme, sondern vielmehr um den entstehenden Rauch. Dieser soll sich schützend um die Blüten legen. So viel zur Theorie. In der Praxis ist es oftmals schwer, den Rauch soweit zu kontrollieren, dass die Pflanzen geschützt sind.
  • Frostschutzberegnung ist die wirksamste Methode gegen Frost. Ausgesprühtes Wasser legt sich dabei als dünne, schützende Eisschicht über die Blüten und hält die Temperaturen konstant bei 0 Grad. Auch hier unterscheiden sich Theorie und Praxis. Denn das Verfahren ist teuer und kommt nicht flächendeckend zur Anwendung.

„Peggy“ beschert uns endlich Frühling

Ein Hoch namens „Peggy“ bringt uns endlich warme Temperaturen. Am Freitag ging es schon los, am Wochenende geht's weiter. Nach einem frostigen Start kletterten die Temperaturen am Freitag auf 11 bis 18 Grad – Sonnenschein inklusive.

Am Wochenende gelangt der Alpenraum dann in eine föhnige Südwestströmung und die Temperaturen steigen weiter an. Dichte, hohe Wolkenfelder ziehen am Samstag in Tirol über den Himmel, Saharastaub trübt den Himmel zusätzlich. Warm ist es trotzdem. „Am Sonntag sind an der Alpennordseite und im Osten Höchstwerte zwischen 17 und 22, vereinzelt auch 23 Grad in Sicht“, so Spatzierer. Eine Spur kühler bleibt es nur in Osttirol und Kärnten sowie direkt am Alpenhauptkamm mit zeitweise leichtem Regen.

📽️ Video | Danke Peggy! Am Wochenende wird es warm.

Anfang der Woche wird es wieder eisig

Noch vergönnt uns der April keinen Frühling. Das Wochenende ist nämlich nur ein kleiner warmer Vorgeschmack, bereits am Montag kündigt sich die nächste Kaltfront an. Das Wetter wird zweigeteilt: Während im Westen die Wolken dominieren und immer häufiger Regen fällt, scheint im Osten bei föhnigem Südwind noch die Sonne. Die Schneefallgrenze sinkt auf 1000 Meter. In der Nacht auf Dienstag ist dann im Zusammenspiel mit einem Italientief vor allem von Vorarlberg bis in die westliche Obersteiermark neuerlich Schnee bis in die Täler in Sicht. Und dann war's das hoffentlich mit der Achterbahnfahrt der Temperaturen. (TT.com/foidi)


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