Tirol verlängert Ausreise-Testpflicht bis 24. April, auch Osttirol inkludiert

Die Ausreise-Testpflicht für Tirol, die am Mittwoch enden sollte, wird als Vorsichtsmaßnahme bis 24. April verlängert. Zudem gilt sie dieses Mal auch für Osttirol.

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LH Günther Platter hofft auf baldige Öffnungen, die Ausreisetestpflicht für Tirol dürfte jedoch verlängert werden.
© Thomas Böhm

Wien, Innsbruck – Obwohl das Infektionsgeschehen in Tirol zuletzt stabil und Öffnungsschritte im Gespräch waren, wird die Ausreise-Testpflicht noch einmal verlängert. Wie das Land am Dienstag in einer Aussendung mitteilte, wird sie für ganz Nordtirol vorerst bis inklusive 24. April ausgeweitet. Auch der Bezirk Lienz, der bisher nicht betroffen war, wird diesmal (ab 15. April um 0 Uhr) mit einer Ausreise-Testpflicht belegt. Diese Vorsichtsmaßnahme hat der Corona-Einsatzstab in enger Abstimmung mit den Bezirkshauptmannschaften getroffen.

Der Bezirk Lienz bereitet den Behörden demnach aktuell mit einer hohen Inzidenz Sorgen. „Wir verzeichnen gerade im Bezirk Lienz hohe Infektionszahlen und haben dort mit rund 430 derzeit österreichweit die höchste Sieben-Tage-Inzidenz“, wird Elmar Rizzoli, der Leiter des Corona-Einsatzstabes, zitiert. Zudem habe sich auch in Osttirol die britische Virus-Variante (B.1.1.7) weiter verbreitet. Aktuell seien allein in Osttirol 198 Personen mit der britischen Mutante infiziert. Rizzoli: "Darüber hinaus traten in Tirol zuletzt weitere mutierte Virusvarianten auf. Dieses Mutationsgeschehen zeigt, dass die Lage durchaus ernst zu nehmen ist und entsprechende weitere Maßnahmen rasch gesetzt werden müssen."

❓ Wer ist betroffen?

Die Testpflicht gilt für Personen mit Wohnsitz in Tirol sowie für Personen ohne Wohnsitz, wenn sie sich durchgehend über einen Zeitraum von mehr als 24 Stunden in Tirol aufgehalten haben.

⛔️ Ausnahmen: Von der Testpflicht jeweils ausgenommen sind weiterhin Kinder bis zum vollendeten 10. Lebensjahr sowie SchülerInnen zum Zweck der Teilnahme am Unterricht. Die Testverpflichtungen werden an den Staats- und Binnengrenzen stichprobenartig kontrolliert. Weitere Informationen zu geltenden Ausreiseregelungen für Tirol finden sich als FAQs in Kürze auch auf www.tirol.gv.at/ausreise.

🔬 Welcher Test wird anerkannt? Wie bisher üblich, gilt als Nachweis für die Ausreise ein negativer PCR-Test, der nicht älter als 72 Stunden ist, oder ein negativer Antigen-Test, der nicht älter als 48 Stunden ist. Um dem vermehrten Testaufkommen Rechnung zu tragen, wird das Testangebot im Bezirk Lienz entsprechend adaptiert. Anmeldungen und Infos dazu demnächst unter www.tiroltestet.at

📌 Orte mit/ohne Ausreise-Testpflicht:

  • Mit Mittwoch wird die Ausreise-Testpflicht für die Gebiete der Gemeinden Prägraten am Großvenediger und Virgen sowie der Gemeinden Sillian, Heinfels, Außervillgraten und Innervillgraten aufgehoben.
  • Aufgrund der vermehrt auftretenden Virusvariante B.1.1.7 mit E484K-Zusatz im Gebiet der Gemeinden Anras, Abfaltersbach, Assling und Leisach bleibt die Ausreise-Testpflicht aus dieser Region bis vorerst 21. April aufrecht.
  • Ebenfalls weiterhin bestehen bleibt die Ausreise-Testpflicht für die Gemeinde Fulpmes im Bezirk Innsbruck-Land (vorerst bis 18. April) sowie Weißenbach am Lech im Bezirk Reutte (vorerst bis 19. April). Personen sind verpflichtet, beim Verlassen der Region bzw. der Gemeinde einen negativen Test im Fall einer Kontrolle vorzuweisen.
  • Die Ausreise-Testpflicht für den Bezirk Kufstein läuft hingegen mit Mittwoch, 24 Uhr, aus und wird nicht verlängert. Zudem endet auch die FFP2-Maskenpflicht an stark frequentierten öffentlichen Orten im Bezirk Kufstein ebenfalls mit Ablauf des morgigen Tages.

Positive Entwicklung in Schwaz, Kufstein als Sorgenkind

Erfreulich ist die Entwicklung vor allem im Bezirk Schwaz. Zum einen haben dort und in den räumlich angrenzenden 14 Gemeinden bereits 42.000 Personen die zweite Schutzimpfung erhalten, zum anderen ging die Zahl der Neuinfektionen zuletzt deutlich zurück. Bezogen auf die vergangenen sieben Tage und auf 100.000 Einwohner beträgt die Inzidenz 73,5. Das ist die zweitniedrigste in ganz Österreich.

Platter wünscht sich kontrollierte Öffnung

Die Verlängerung des Lockdowns in Wien und Niederösterreich dürfte den Bund-Länder-Gipfel am Freitag überschatten. Dort sollen Öffnungsschritte für den Mai diskutiert werden. Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser hat sich bereits dafür ausgesprochen, Landeshauptmann Günther Platter (VP) sieht es ähnlich. Angesichts der Situation in der Ostregion dürfte das aber ein schwieriges Unterfangen werden.

Trotzdem: Freitag benötige es Klarheit über den weiteren Öffnungsfahrplan, denn die Bereiche Sport, Kultur, Gastronomie und Hotellerie lassen sich nicht von heute auf morgen aufsperren, sagt Platter. „Die Menschen sind Pandemie-müde und sehnen sich nach einer Perspektive, die nun einmal in Öffnungen besteht. Wenn das Infektionsgeschehen überschaubar und kontrollierbar bleibt, dann spricht nichts gegen kontrollierte und stufenweise Öffnungen, vielmehr könnten sich diese in Kombination mit Zutrittstests sogar positiv auf das Infektionsgeschehen auswirken, weil derzeit die Mehrheit der Corona-Infektionen auf den unkontrollierten privaten Bereich zurückgeht.“

Entgegen der Bundeslinie spricht sich Tirols SPÖ-Vorsitzender Georg Dornauer ebenfalls dafür aus, alles daranzusetzen, um gut überlegte, vorsichtige Öffnungsschritte im Mai durchführen zu können. „Dort, wo es die Situation und der Impffortschritt zulassen, müssen wir den Menschen schnellstmöglich Alternativen zu den Treffen im privaten Bereich anbieten.“ Der Gastgarten im Freien könne eine solche Alternative sein, wie man in der Modellregion Vorarlberg gesehen habe.

FPÖ-Landesparteiobmann Markus Abwerzger fordert die Öffnung der Gastronomie und Hotellerie noch vor Ende April. „Jetzt liegt es an Platter, er muss der schwarz-grünen Bundesregierung die Rute ins Fenster stellen, wie es Vorarlberg bereits gemacht hat.“

Auch in Tirol werden Rufe nach Öffnungsschritten in der Gastronomie immer lauter, aber der Lockdown im Osten bremst.
© EXPA/JOHANN GRODER

Ostregion verlängert Lockdown

Der Appell der Intensivmediziner am Vormittag war eindringlich. Der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) hat dann einen Schritt gesetzt, der ohnehin erwartet wurde: Mit Ausnahme der Schüler, die noch bis 25. April im Heimunterricht bleiben, wird der Lockdown in der Bundeshauptstadt bis 1. Mai verlängert. Handel und Dienstleister müssen ihre Betriebe geschlossen halten.

611 Corona-Patienten müssen derzeit intensivmedizinisch behandelt werden, für Intensivmediziner ist in Wien keine Entlastung in Sicht.
© APA/OÖG

Die Intensivbetten sind in der Ostregion mit Corona-Patienten ausgelastet, allein in Wien müssen aktuell 245 Erkrankte intensivmedizinisch behandelt werden. Laut Prognosen ist für die kommenden Wochen keine Entlastung in Sicht. „Das stellt uns weiterhin vor große Probleme“, betont Klaus Markstaller von der Intensivmedizin-Gesellschaft ÖGARI. In Wien hat sich seit Anfang März die Zahl der Intensivpatienten fast verdreifacht und liegt um fast 50 Prozent über dem Spitzenwert der zweiten Welle Ende November.

📽️ Video | Lockdown in Wien bis 2. Mai verlängert:

„Ich weiß, dass das unpopuläre Maßnahmen sind“, betonte Ludwig. Angesichts der Lage in den Spitälern gebe es aber keine andere Möglichkeit. 778 an Covid erkrankte Menschen würden derzeit eine Behandlung im Krankenhaus benötigen, gab Ludwig zu bedenken. Vor allem mache das veränderte Virus dem Gesundheitssystem zu schaffen: „Wir befinden uns durch die britische Mutation in einer völlig neuen Situation.“ Immer mehr jüngere Patienten seien nun betroffen. Die Mutation würde sich rasch verbreiten und sei sehr aggressiv. „Es kann jede und jeden treffen“, warnte der Stadtchef. Die Steigerung bei den Intensivpatienten betrage täglich zwischen zwei und fünf Personen.

Es wäre „wirklich wichtig“, hofft Ludwig, dass Niederösterreich und das Burgenland mit Wien an einem Strang ziehen und ebenfalls den Lockdown verlängern. Niederösterreich tut es, das Burgenland will vorerst die Entwicklung der nächsten Tage abwarten. (pn/TT.com)


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