Frost und Schnee im April: Ungemütlich, aber nicht ungewöhnlich

Frost und Schnee im April ist normal. Daran ändert auch ein zunehmend wärmeres Klima nichts. Das zeigt eine Analyse der ZAMG, in der die Wetterdaten der vergangenen Jahre für den April verglichen wurden. Ungewöhnlich ist der bisherige Frühling aber dennoch.

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Frühling trifft auf Winter.
© Rita Falk / Tiroler Tageszeitung

Innsbruck – Es ist interessant, wie schnell der Mensch vergisst. Überrascht blickt er derzeit in den Himmel und wundert sich über den späten Kälte- und Wintereinbruch. Schnee im April? Seit wann gibt es denn sowas? Früher war das anders und das Wetter Gott sei Dank noch normal, oder?

Nicht ganz. Denn später Schneefall im April ist alles andere als ungewöhnlich, das hat eine Auswertung der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) gezeigt. Demnach gab es in den letzten Jahren in jedem April Kaltlufteinbrüche mit Schneefall. Daran wird sich auch nichts ändern, obwohl sich das Klima immer weiter erwärmt.

Was jedoch nicht gewöhnlich ist: Der bisherige Frühling verlief in ganz Österreich sehr trocken. Zudem lag die Durchschnittstemperatur fast einen Grad unter dem Durchschnitt der letzten 30 Jahre.

😵 Warum das Wetter im April verrückt spielt

„Derartige Temperaturwechsel und Kaltlufteinbrüche sind typisch für den April", sagt Alexander Orlik von der ZAMG. Der Grund: „Wenn sich von Süden allmählich sommerlich warme Luft nähert und es im Norden Europas noch winterlich kalt ist, kommt es je nach Wetterlage recht schnell zu starken Temperaturwechseln." Was wir also momentan erleben, war auch in den vergangenen Jahren so. „In den letzten Jahren gab es in jedem April zumindest in einigen Regionen Österreichs selbst unter 800 Meter Seehöhe noch Neuschnee."

Später Wintereinbruch: Wie schneeig waren die letzten Jahre?

Der Kaltlufteinbruch hat Anfang dieser Woche österreichweit bis in tiefe Lagen Schnee gebracht. Davon erzählen die ZAMG-Wetterstationen, Stand Dienstag, 8 Uhr:

  • Innsbruck (Tirol): 3 cm
  • Krimml (Salzburg): 10 cm
  • Allentsteig (Niederösterreich): 6 cm
  • Aigen/Ennstal (Steiermark): 4 cm
  • Preitenegg (Kärnten): 4 cm
  • Hohe Tauern auf 2317 Meter: 45 cm

Schneefall im April in den letzten Jahren:

  • 2010: vereinzelt in Nieder- und Oberösterreich
  • 2011: vor allem in Tirol und Vorarlberg
  • 2012: vereinzelt, vor allem in Tirol
  • 2013: starke Niederschläge in ganz Österreich
  • 2014: vereinzelt in Ostösterreich
  • 2015: vor allem inneralpin
  • 2016: verbreitet und vor allem im Süden
  • 2017: extrem starke Schneefälle in ganz Österreich (85 cm in OÖ)
  • 2018: vereinzelt über das ganze Land verteilt
  • 2019: im Westen, vor allem Tirol und Vorarlberg
  • 2020: vereinzelt

🌨️ Wintereinbruch auch in wärmerem Klima

Derartige Kaltlufteinbrüche kommen auch in einem immer wärmeren Klima immer wieder vor, wie die Beispiele der letzten Jahre zeigen. „Die Aprilmonate der 2000er-Jahre waren fast alle durchwegs wärmer als im Durchschnitt der Klimaperiode 1961 bis 1990, trotz gelegentlicher Kaltlufteinbrüche", sagt ZAMG-Klimatologe Orlik, „der letzte April, der zu kühl war – im Vergleich zum Mittel im Zeitraum 1961 bis 1990 – war der April 2001."

🌬️🌷 Der bisherige Frühling trocken und kälter

Die derzeitige Wetterlage mit Regen und Schneefall reduziert die markante Trockenheit dieses Frühlings ein wenig. Denn: Seit 1. März gab es österreichweit gesehen rund 50 Prozent weniger Niederschlag als in einem durchschnittlichen Frühling. In einigen Regionen liegt das Defizit über 80 Prozent, zum Beispiel in Osttirol, Oberkärnten und im Nordburgenland.

Auch bei der durchschnittlichen Temperatur hält der heurige Frühling Überraschungen parat: Die ist nämlich um 0,8 Grad unter dem Mittel der letzten 30 Jahre.

Die Bäume und die Obstbauern müssen noch einmal zittern.
© Rita Falk / Tiroler Tageszeitung

🧊 Väterchen Frost könnte noch einmal zuschlagen

Nicht nur der Schnee meldete sich mit dieser Woche zurück zum Dienst, auch der Frost könnte ganz Tirol wieder einen Besuch abstatten. Wenn der Himmel in den Nächten aufklärt und es frostig wird, steigt die Chance auf Spätfrost. Diese Woche kann das im Großteil Österreichs besonders in der Nacht auf Donnerstag und auf Freitag der Fall sein, speziell im Süden und Westen Österreichs.

Für die Obstbauern heißt es also auch in Tirol noch einmal zittern. Dann macht der Winter hoffentlich endgültig dem Frühling Platz. (TT.com/foidi)


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