Mückstein wird Gesundheitsminister: Schnelleres Impfen als erste Erwartung

Den Danksagungen an den scheidenden Minister Rudolf Anschober (Grüne) folgten am Dienstag auch sogleich die ersten Reaktionen zum Nachfolger. Erwartet wird von Wolfgang Mückstein (Grüne) vor allem, die Impfungen zu beschleunigen.

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Der Mediziner Wolfgang Mückstein (links) wurde von Vizekanzler Werner Kogler am Dienstag als neuer Gesundheitsminister vorgestellt.
© APA/Schlager

Wien – Mit dem flotten Wechsel im Gesundheits- und Sozialressort folgten den Danksagungen und Genesungswünschen an den scheidenden Minister Rudolf Anschober (Grüne) am Dienstag gleich die ersten Reaktionen zum Nachfolger. An den neuen Ressortchef Wolfgang Mückstein (Grüne) wurden umgehend die ersten Erwartungen aus der Politik und dem Gesundheitsbereich herangetragen – und zwar vor allem jene, dass die Corona-Impfungen beschleunigt werden.

Seitens des ÖVP-Parlamentsklubs begrüßten Obmann August Wöginger und Gesundheitssprecherin Gaby Schwarz den neuen Minister. Man habe Mückstein in den Koalitionsverhandlungen als „kompetenten Mediziner kennengelernt, der sich engagiert für die Anliegen im Gesundheitsbereich einsetzt", freuten sich Wöginger und Schwarz, mit ihm „mit voller Kraft den Kampf gegen die Pandemie erfolgreich weiterführen und die anstehenden Reformen im Sozial- und Gesundheitsbereich rasch vorantreiben können". Wöginger wies besonders auf die Pflegereform hin, die schnell fortgesetzt werden solle.

Die SPÖ bot Mückstein „sehr gerne" die Zusammenarbeit an, wie SPÖ-Gesundheitssprecher Philip Kucher in einer Aussendung sagte. Österreich brauche „endlich konsequentes und entschlossenes Handeln, ein Krisenmanagement mit Hand und Fuß und einen Fahrplan aus der Krise, der für eine klarere Kommunikation, schnelleres Impfen, mehr Impfstoff und für Stabilität und Sicherheit in Österreich sorgt". Dies gehe „nur gemeinsam", so Kucher, der dem neuen Minister „viel Erfolg bei den kommenden Herausforderungen" wünschte.

NEOS fordern „Neustart im Pandemie-Management"

NEOS-Gesundheitssprecher Gerald Loacker sicherte Mückstein konstruktive Zusammenarbeit zu – und forderte von ihm einen „Neustart im Pandemie-Management". Es gelte, schneller zu impfen und klare, nachvollziehbare Maßnahmen umzusetzen, um die Menschen wieder mitzunehmen. „Mückstein muss jetzt Öffnungskonzepte für alle Bereiche liefern, damit die Menschen nach 13 Monaten Pandemie wieder mehr Normalität zurückbekommen", umriss Loacker die pinken Erwartungshaltung.

Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres – der Anschober dankte und Respekt zollte – begrüßte die Nachfolge-Entscheidung. Mückstein kenne auch durch sein Engagement in der Wiener Kammer das Gesundheitssystem und seine Herausforderungen „bestens". Als erste Forderung formulierte Vizepräsident Harald Mayer: „Dieses Impfchaos muss jetzt endlich in den Griff bekommen werden, wir müssen so schnell wie möglich die Bevölkerung durchimpfen." Weitere wichtige Aufgaben Mücksteins seien aus Sicht der Kollegen „deutliche Investionen" in den niedergelassenen Bereich und Entlastung der Spitäler.

Apothekerkammer erwartet Stärkung der Patientenrechte

Die Apothekerkammer, die die Entscheidung für den Allgemeinmediziner ebenfalls lobte, erinnerte an Mücksteins Absicht, die nicht-ärztlichen Gesundheitsberufe weiter aufzuwerten. Als „sehr gute Entscheidung" begrüßten die Patientenanwälte – unter Dank und Anerkennung für Anschober – im Gespräch mit der APA Mücksteins Bestellung. Die Beschleunigung des Impftempos ist für Sprecher Gerald Bachinger und seine Stellvertreterin Sigrid Pilz die erste große Aufgabe. Sie erwarten sich zudem eine Stärkung der Patientenrechte und neue Initiativen im niedergelassenen Bereich in Richtung eines flächendeckenden Netzes von Primärversorgungszentren.

Die Österreichische Gesundheitskasse begrüßte „das rasche Handeln der Bundesregierung" und auch die Auswahl. Mückstein habe mit der Gründung des ersten Primärversorgungszentrums bewiesen, dass er für neue, innovative Versorgungsmodelle offen sei. Also freue man sich, gemeinsam die Weichen für eine flächendeckende Primärversorgung zu stellen. „Alles Gute, viel Kraft und Mut" wünschte Peter Lehner, der Vorsitzende der Konferenz der Sozialversicherungsträger, dem neuen Minister.

Kammern und Verbände zuversichtlich und wollen im Fall beraten

Pharmig, der Verband der pharmazeutischen Industrie, freute sich über die Nachbesetzung mit einem „ausgewiesenen Kenner des Systems". Vorrangiges Thema ist für Generalsekretär Alexander Herzog, die Corona-Impfstrategie weiter umzusetzen, mit dem Ziel, ohne Verzögerungen die im Land eintreffenden Impfchargen zu verabreichen. Zudem sollten Dienstleistungen und Administration im Gesundheitsbereich weiter digitalisiert werden.

Die Österreichische Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (ÖGAM) erklärte, Mückstein genieße das „volle Vertrauen" und "unsere volle Unterstützung". Mückstein sei „auch und gerade in der derzeitigen Situation, eine exzellente Wahl für diese große, fordernde Aufgabe", so ÖGAM-Präsident Christoph Dachs. Auch der Dachverband der gehobenen medizin-technischen Berufe (MTD-Austria) gratulierte Mückstein zu seiner Nominierung, dieser sei ein „Kenner und Experte der essenziellen multiprofessionellen Zusammenarbeit aller Health Professionals Österreichs", so MTD Austria-Präsidentin Gabriele Jaksch.

Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer meldete die Erwartung an, in konstruktiver Zusammenarbeit „mit professionellem Management und neuen Lösungswegen weitere Kollateralschäden – sei es wirtschaftlich als auch gesundheitspolitisch – zu vermeiden".

Positive Finalisierung der Pflegereform erwartet

Die Interessensvertretung „Lebenswelt Heim" betonte, die von Anschober angestoßene Pflegereform müsse auch Mückstein weiter vorangetrieben werden. „Es ist hoch an der Zeit, Pflegesysteme zu modernisieren und dem Personalmangel zu begegnen", so Verbandspräsident Markus Mattersberger.

Mückstein übernehme „eines der schwierigsten Ämter, die es zurzeit in Österreich gibt", konstatierte der Handelsverband – der sich gegen einige von Anschober vorgeschlagene Corona-Schutzmaßnahmen quergelegt hat, so etwa aktuell Eintrittstests für Geschäfte ablehnt. Geschäftsführer Rainer Will dankte Anschober in einer Aussendung für die Zusammenarbeit – und Präsident Stephan Mayer-Heinisch versicherte Mückstein, dass man „gerne beratend zur Seite" stehe, etwa bei den betrieblichen Impfstraßen.

„Mit großen Erwartungen" sieht der Seniorenrat dem neuen Minister entgegen. Neben der gemeinsamen Pandemie-Bekämpfung erhoffen Peter Kostelka (SPÖ) und Ingrid Korosec (ÖVP) von ihm, dass die Pflegereform zu einem positiven Ende geführt wird – und er den Weg der „gerechten staatlichen Alterssicherung" fortsetzt und ausbaut.

Auch Caritas-Präsident Michael Landau begrüßte via Aussendung die Bestellung Mücksteins. Gerade jetzt gelte es, „alles dafür zu tun, dass die Gesundheitskrise nicht mehr und mehr zu einer sozialen Krise für die Menschen in unserem Land wird", sagte er. „Für diese fordernde Aufgabe wünsche ich dem designierten Minister Wolfgang Mückstein viel Kraft, Ausdauer und soziales Fingerspitzengefühl." (APA)


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