US-Milliardenbetrüger Madoff mit 82 Jahren im Gefängnis gestorben

Der wegen eines der größten Anlagebetrugsfälle der Finanzgeschichte zu 150 Jahren Haft verurteilte US-Börsenmakler Bernard Madoff ist tot.

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Bernard Madoff 2009.
© STAN HONDA

New York, Wien – Der wegen eines der größten Anlagebetrugsfälle der Finanzgeschichte zu 150 Jahren Haft verurteilte US-Börsenmakler Bernard Madoff ist tot. Entsprechende US-Medienberichte bestätigten US-Justizbehörden auf Nachfrage. Madoff verstarb demnach am Mittwoch im Alter von 82 Jahren in einem Klinikum eines Gefängnisses im US-Bundesstaat North Carolina, wo er seine Strafe verbüßte. Er selbst hatte sich schon vor über einem Jahr als "sterbenskrank" bezeichnet.

Finanzschwindel historischer Dimension, Opfer auch in Österreich

Madoff gilt als Mastermind eines Finanzschwindels historischer Dimension. Er hatte sich 2009 in elf Anklagepunkten schuldig bekannt, darunter Betrug und Geldwäsche. Der Finanzjongleur hatte Tausende Investoren um Dutzende Milliarden Dollar gebracht, indem er über Jahrzehnte vermeintliche Traumgewinne durch Geld neuer Anleger vortäuschte. Als das sogenannte Schneeballsystem in der Finanzkrise 2008 aufflog, verloren viele seiner Opfer ihre ganzen Ersparnisse.

Auch in Österreich gab es "Madoff-Opfer", nämlich verhältnismäßig viele Personen, die Ansprüche bei Madoff geltend machten. Nur aus den USA, Deutschland, Frankreich und der Schweiz kamen mehr Fälle. Ab 2009 gab es im Madoff-Zusammenhang Ermittlungen rund um die frühere Wiener Bank Medici und deren Ex-Miteigentümerin Bank Austria. Die Bank verwaltete Fonds, über die Geld an Madoff floss. Laut Nationalbank verloren die Anleger hierzulande 350 Millionen Euro.

Die Familie von Sonja Kohn, Gründerin der mittlerweile nicht mehr existenten Bank Medici in Wien, verlor beim US-Milliardenbetrüger Bernard Madoff 11,5 Mio. Dollar (damals 8,51 Mio. Euro). Die schwer von der Betrugsaffäre getroffene frühere Bank Medici war 1984 von der Bankerin Kohn gegründet worden. Die Investmentbankerin galt als brillante Netzwerkerin, die Madoff laut "Financial Times" bereits in den 1980er-Jahren kennengelernt haben soll. Das Hauptgeschäft machte die Privatbank auch mit Fonds - mutmaßlich mehr als 3 Mrd. Dollar wurden bei Madoff investiert. Bank Austria und Bank Medici zahlten schlussendlich 500 Mio. Dollar in den Madoff-Masse-Topf ein.

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Sterbenskranker Madoff ohne vorzeitiger Haftentlassung

Madoff hatte bereits im Februar 2020 in einem Interview geklagt, "sterbenskrank" zu sein und in der Corona-Pandemie einen Antrag auf vorzeitige Haftentlassung gestellt, dem jedoch nicht stattgegeben worden war. "Es gibt keine Heilung für meine Art von Krankheit", sagte Madoff der "Washington Post" damals. Er habe bereits elf Jahre seiner Strafe abgesessen und dabei durchgehend gelitten. Sein Anwalt hatte erklärt, dass Madoff an einer tödlichen Nierenkrankheit leide und wahrscheinlich nur noch weniger als 18 Monate zu leben habe.

Madoffs Karriere an der Wall Street hatte in den 1960er Jahren begonnen. Mit Anfang 20 gründete der aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn stammende Finanzmakler kurz nach dem Studium seine eigene Investmentfirma. Mit dem Versprechen hoher Renditen sammelte er fortan viel Geld bei Anlegern ein - Familienmitglieder, Freunde und Bekannte gaben ihr Erspartes. Tatsächlich vermehrte sich das Geld - zumindest auf dem Papier - stetig und Madoff wurde zu einer Größe in Finanzkreisen und einem Mitglied der New Yorker High Society.

Finanzkrise deckte Schwindel auf

Erst in der Finanzkrise 2008, als viele Investoren plötzlich ihre Mittel abziehen wollten, flog das Betrugssystem auf. Als Madoffs Firma zusammenbrach, wiesen die Depots der Kunden Werte von 65 Mrd. Dollar (heute 54,6 Mrd. Euro) aus. Tatsächlich waren gerade einmal 300 Mio. Dollar vorhanden. Madoff - eben noch ein gefeierter Finanzstar und bei US-Promis begehrter Geldverwalter - stand nun als Milliardenbetrüger da, der bis zu seinem Lebensende ins Gefängnis gesteckt wurde. Er selbst behauptete später, dass seine Gaunereien nur möglich waren, weil Finanzinstitute wie seine Hausbank JPMorgan gezielt wegschauten.

Für Aufsehen sorgten während seiner Haftzeit Berichte, wonach Madoff im Gefängnis angeblich lebte wie ein Superstar. Im Bundesgefängnis der Kleinstadt Butner in North Carolina war er laut US-Medien eine Berühmtheit, eine Art moderner Robin Hood, wenn auch weniger freigiebig. "Er nahm Leuten das Geld weg, die reich und gierig waren und noch mehr wollten", sagte Shannon Hay, ein verurteilter Drogenhändler und Mithäftling, im Jahr 2010 dem "New York Magazine". Madoff lieferte Hollywood Stoff für mehrere TV-Serien und Filme. (APA/AFP/dpa)


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