Shitstorm für pinke Menstruationshandschuhe aus „Höhle der Löwen"

In der Vox-Gründershow stellten zwei Männer ein Produkt vor, mit dem ein „ekelhaftes" Frauenproblem gelöst werden soll. Eine Welle der Kritik in den sozialen Medien sorgte scheinbar für ein wenig Einsicht.

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Stapelfeld, Olfen – Lange hat kein in der Vox-Gründershow „Höhle der Löwen" vorgestelltes Produkt die Gemüter so sehr erregt wie dieses: Die sogenannten „Pinky Gloves", entwickelt von zwei Deutschen, sind rosafarbene Einweg-Handschuhe, die bei der Entnahme und Entsorgung von Tampons helfen sollen. „Mit ,Pinky' wollen wir das Leben der Frauen einfacher machen", kündigten die Gründer André Ritterswürden und Eugen Raimkulow dazu am Montagabend in der Sendung an.

Ihr Produkt sei gedacht zur „praktischen und vor allem hygienischen Entsorgung von Damenhygieneartikeln, sauber, auslaufsicher und geruchsneutral." Wenn Frauen keine Gelegenheit haben, etwa auf öffentlichen Toiletten, Festivals oder in fremden Haushalten, ihre Tampons und Binden „hygienisch" zu entnehmen und zu entsorgen, könne demnach der Plastikhandschuh verwendet werden, um die Hygieneartikel anzufassen und anschließend darin „blickdicht" und „auslaufsicher" einzuwickeln.

„Echte Frauenversteher" zogen Investor an Land

Ob sie denn ein „einschneidendes gruseliges Erlebnis" hatten und deshalb den Handschuh entwickelt hätten, wollte Jury-Mitglied Judith Williams wissen. „Also tatsächlich nicht nur eins, sondern mehrere", antworteten die Gründer, die sich bei der Bundeswehr kennengelernt hatten. Damals hätten sie mit Frauen zusammen in einer WG gelebt.

Im gemeinsamen Badezimmer seien sie beim Blick in den Mülleimer Zeugen der typischen Entsorgungsart von Tampons geworden: das Einwickeln in Toilettenpapier. „Nach einer Zeit riecht das unangenehm und das Papier nässt durch. Das ist ziemlich unangenehm", erklärten die Gründer und bezeichneten sich in der Folge als „echte Frauenversteher". Für ihren Einweghandschuh mit Klebestreifen konnten sie in der Show dann einen Investor an Land ziehen, der das Unternehmen mit 30.000 Euro unterstützt.

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Periode stigmatisiert und als „ekelhaft" dargestellt

Der Shitstorm in den sozialen Medien nach der Präsentation ließ nicht lange auf sich warten. Auf Twitter, Facebook und Instagram verbreitete sich der Hashtag #PinkyGate. Besonders wurde kritisiert, dass die Periode von den Gründern als „ein Problem" dargestellt wird, für das sie nun endlich „eine Lösung" gefunden haben. Auch die Stigmatisierung der Menstruation als „ekelhaft" sorgte für Empörung.

Eine Twitter-Nutzerin postete etwa:

Autorin Franka Frei meldete sich in einem Instagram-Beitrag zu Wort: „Kann doch nicht sein, dass zwei Typen Geld damit machen, indem sie Menstruierenden einreden, ein weiteres absurdes Produkt zu brauchen, um die Periode, die ja so unfassbar ekelhaft ist, bestmöglich zu vertuschen."

Eine andere Userin schlug Einweghandschuhe für Männer als hygienische Lösung vor, da diese „IHN" ja bei jedem Toilettengang in freier Natur in die Hand nehmen müssten:

Was wirklich nötig wäre als Fortschritt beim Thema Menstruation wurde auch öfters kommentiert:

Außerdem kam scharfe Kritik an der mangelnden Nachhaltigkeit des Produkts. Eine Twitter-Userin sagt dazu: „In einer Welt, die vor Müll langsam überquillt, ,erfinden' Männer einen pinken Einweghandschuh, damit Frauen ,hygienisch' ihre Tampons wechseln können. Und kriegen dafür auch noch Applaus."

Deutlich sinnvollere Hygieneprodukte für Frauen seien zudem bereits in der Vox-Show vorgestellt worden. So präsentierte das Berliner Startup „ooia" im Herbst 2019 Periodenunterwäsche als nachhaltigere und bequemere Alternative zu Tampons und Binden. Die Jury war damals von der Idee der Gründerinnen jedoch nicht überzeugt.

Reaktion von Gründern und Investor

In ihren jüngsten Beiträgen auf Twitter und Instagram reagieren die Gründer und Investor Ralf Dümmel zerknirscht auf die Kritik an ihrem Auftritt. Ritterswürden und Raimkulow bedanken sich in einem Video für die zahlreichen Meldungen und beteuern, dass die Periode ihrer Meinung nach „selbstverständlich etwas ganz Natürliches ist" und sich „niemand dafür schämen muss". Ihnen sei „klar geworden, dass wir noch viel lernen müssen und einige Blindspots haben.“

Auch Investor Ralf Dümmel zeigt sich zwei Tage nach Ausstrahlung der Sendung einsichtig und spricht von „ernstzunehmenden Kritikpunkten", die den Gründern aber „klar geworden" seien. Dass die Periode durch die hitzige Diskussion so viel Aufmerksamkeit bekomme, sei „positiv", und alle könnten laut ihm dadurch „dazulernen".

Weiter sagte Dümmel: „Periode ist ein politisches Thema. Und ich gebe zu, dass ich dem nicht die notwendige Aufmerksamkeit gewidmet habe.“ Er habe das Produkt „für einen Problemlöser der Menstruierenden unterwegs“ gehalten. (TT.com/anl)


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