Kuckuck, Kuckuck – ruft's (bald wieder) aus dem (Tiroler) Wald

Äußerlich fällt der Kuckuck nicht auf – das tut er erst, wenn er den Schnabel aufmacht. Dabei steckt hinter dem charakteristischen Kuckucks-Ruf ein interessanter Vogel – schlau, anpassungsfähig und doch gefährdet. Wenn er bald auch in Tirol landet, können Vogel-Interessierte mithelfen, sein Zugverhalten zu dokumentieren.

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Auf den ersten Blick fällt der Kuckuck nicht auf – das tut er erst, wenn er den Schnabel öffnet.
© FLORA BITTERMANN

Innsbruck – Kuckuckskind, Kuckucksuhr, Kuckuckstag – was zum Kuckuck hat es mit dem Kuckuck auf sich? Kein anderer Vogel ist derart stark in unserer Sprache und unseren Traditionen verwurzelt. Bei seinem Ruf spitzen die Menschen automatisch die Ohren. Schließlich läutet er damit den Frühling ein und verspricht mit ein bisschen Glück großen Reichtum.

Pünktlich zum Kuckuckstag am 15. April ist der Vogel wieder in Österreich gelandet. Wie die Vogelschutzorganisation BirdLife Österreich am Mittwoch meldete, belegen rund 100 Sichtungen von heimischen Vogelbeobachtern die Rückkehr des Frühlingsboten aus seinem afrikanischen Winterquartier. Die höheren Lagen in Tirol, Salzburg und Vorarlberg meidet er aber noch aufgrund von Schnee und mangelnder Nahrungsverfügbarkeit. Die gute Nachricht: Auch bei uns wird er bald zu hören sein. Die schlechte: Der Kuckuck gilt in vielen Ländern als gefährdet. Europaweit hat der Bestand in den letzten 40 Jahren um ein Drittel abgenommen, in Österreich um ein Viertel. Grund dafür ist der menschengemachte Klimawandel und der Verlust an Lebensraum. Das ist tragisch, denn nicht nur der Ruf des Kuckucks ist einzigartig, auch seine Lebensweise ist ein Meisterwerk der Evolution.

Der Kuckucks-Bestand sinkt kontinuierlich.
© Birdlife

Was sie fressen und wo sie wohnen

Kuckucke ernähren sich hauptsächlich von großen Insekten wie Käfern, Libellen und Heuschrecken. Manchmal mögen sie es auch haarig und picken auch schon einmal nach Raupen oder Nachtfaltern, die von den meisten anderen Vögeln gemieden werden.

Nicht zuletzt deshalb sind Kuckucke Langstreckenzieher. Um immer genügend Nahrung zu erwischen, liegt zwischen ihrem Sommer- und ihrem Winterdomizil ein langer Weg. Die kalte Jahreszeit verbringen sie in den tropischen Regenwäldern Zentralafrikas. Sie kehren ab Anfang/Mitte April wieder in ihre Brutgebiete nach Europa und Asien zurück. Der Kuckuck ist ein Lebensraumgeneralist. Das heißt, er kann unterschiedlichste Lebensräume wie Wälder, Moore, Bergalmen und Heiden besiedeln. Höchste Dichten erreicht er in ausgedehnten Schilfgebieten, wo einige seiner bevorzugten Wirtsvögel brüten. In unseren Gefilden bleiben sie aber nur ein Vierteljahr: Anfang/Mitte Juli geht es schon wieder Richtung Süden.

📽️ Video | So ruft der Kuckuck bald wieder aus dem Wald

Von Kuckuckskindern, Ei-Nachbildungen und Ersatzmüttern

Wenn es um die Fortpflanzung geht, pickt sich der Kuckuck gerne die Vorteile heraus. Die Vorzüge der Paarungszeit genießt er, spart sich aber die Mühen der Brutpflege gänzlich. Er ist ein sogenannter Brutparasit, legt seine Eier also in die Nester anderer Vögel. Während männliche Kuckucke nach der Ankunft im Brutgebiet ihre Reviere mit ihrem Gesang, also dem berühmten Kuckucksruf, abstecken, konzentrieren sich die Weibchen auf die Suche nach einem geeigneten Wirtsvogel, der ihre Kinder ernähren und aufziehen wird.

Kuckucke sind wahre Meister der Illusion: Jedes Weibchen ist nur auf eine Wirtsvogelart spezialisiert und ahmt deren Eier täuschend ähnlich nach. Diese Fähigkeit wird mütterlicherseits vererbt, ohne Einfluss des Männchens. Etwa 40 Vogelarten bekommen regelmäßig Kuckuckseier untergeschoben. Rohrsänger, Rotkehlchen oder Rotschwänze gehören zu den beliebten Ersatzmüttern. Samenfressende Vögel kommen dabei nicht in Frage, da sie den Kuckucks-Nachwuchs nicht richtig ernähren könnten.

Ob die Eltern wohl Verdacht schöpfen?
© Maurizio Bonora

Das Küken selbst entwickelte ebenso eine erstaunliche evolutionäre Strategie: Wird das Ei von der Wirtsmutter akzeptiert, schlüpft der junge Kuckuck früher als die "Stiefgeschwister". Nach zwei Tagen beginnt der Kuckuck damit, alle anderen Eier aus dem Nest zu werfen. Das ist notwendig, da der durch seine Größe ein Vielfaches der Nahrung benötigt. Nicht immer gelingt es, das Ei ins Nest zu schmuggeln. Manchmal werden die Kuckucksmütter auf frischer Tag ertappt. Seltener passiert es, dass Wirtsvögel das Ei erkennen und aus dem Nest entfernen.

Gefährdete Vogelart: Alles eine Frage des Timings

Eines ist bei der Fortpflanzung für Kuckucke besonders wichtig: Timing. Das Ei muss rechtzeitig ins Nest der Wirtsmutter gelegt werden, ansonsten fliegt ihm das ganze Täuschungsmanöver um die Ohren. Das passiert immer öfter, denn die menschengemachte Klimaerwärmung führt dazu, dass die Brutzeit vieler Vögel früher beginnt. Als Langstreckenzieher kann der Kuckuck sein Zugverhalten eventuell nicht schnell genug anpassen, um noch rechtzeitig sein Ei ins Nest der Wirtsvögel zu schmuggeln.

Was den Kuckucks-Bestand zusätzlich gefährdet: Auf seiner Zugroute von Afrika nach Europa und retour leidet der Kuckuck neben den vielen natürlichen Gefahren massiv unter dem Lebensraumverlust und der illegalen Bejagung. Auch das Nahrungsangebot hat sich vor allem in der intensivierten Agrarlandschaft durch den Einsatz von Insektiziden und Herbiziden stark verschlechtert. (APA/TT.com/foidi)

👂 Melden Sie Ihren ersten Kuckuck!

Um herauszufinden, ob es dem Kuckuck tatsächlich gelingt, sein Zugverhalten an die Klimakrise anzupassen, bittet "Birdlife", eine internationale Organisation zum Schutz von Vögeln, um Mithilfe.

HIER können Sie Ihren ersten Kuckuck in diesem Jahr melden.


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