Fließende Gewässer stoßen nachts vier Mal mehr CO2 aus als tagsüber

Fließende Gewässer stoßen CO2 aus. Wie viel genau, wurde bisher unterschätzt. Zu diesem Ergebnis kam nun ein Forschungsteam der ETH Lausanne. Demnach stoßen diese Gewässer in der Nacht vier Mal so viel CO2 aus als am Tag. Jedoch wurden bisher nur 10 Prozent der Untersuchungen nachts gemacht.

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Fließende Gewässer stoßen mehr CO2 aus als ursprünglich angenommen.
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Lausanne – Fließende Gewässer tragen viel mehr zum Treibgashaushalt bei als bisher angenommen. Grund dafür: Bisher wurde der CO2-Ausstoß von Gewässern lediglich am Tag gemessen Jetzt haben Forscher der ETH Lausanne aber herausgefunden, dass Vier Fünfter der CO2-Emission abends und nachts erfolgt.

"Dies deutet darauf hin, dass Berechnungen, wie viel CO2 von diesen Gewässern an die Atmosphäre abgegeben wird, zu niedrig angesetzt waren, was zu falschen Schätzungen ihres Beitrags zum globalen Kohlenstoffkreislauf führte", schreibt die ETH Lausanne (EPFL) in einer Mitteilung vom Freitag.

Forscher hatten lange Zeit gedacht, dass Fließgewässer für die globalen Kohlenstoff-Durchflussmengen weniger wichtig seien als beispielsweise die Ozeane. Dabei nehmen Bäche und Flüsse enorme Mengen an terrestrischem organischem Kohlenstoff auf, den sie unter Bildung von Atem-CO2 zersetzen.

Ausstoß in der Nacht vier Mal höher

Die Berechnung, wie viel von diesem CO2 an die Atmosphäre abgegeben wird, ist aufgrund der Komplexität der Netzwerke von Fließgewässern sehr schwierig. Bisher stützen sich die Forscher bei ihren Schätzungen vor allem auf manuelle Messungen während des Tages, in 90 Prozent der Fälle zwischen 8.00 und 16.00 Uhr gemacht. Und da liegt der Fehler, wie ein Team von Wissenschaftern des Labors für die Forschung mit Biofilmen und Flussökosystemen (SBER) der EPFL bewiesen hat.

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Kontinuierliche Messungen ergaben nämlich, dass die CO2-Emissionen von Fließgewässern nur in zehn Prozent der Fälle gleichsam in dieser "Bürozeit" ihren Höhepunkt erreichen. In den Nachtstunden war der Ausstoß vier Mal höher.

Dafür gibt es mehrere Gründe. "Der wichtigste hängt mit der Photosynthese zusammen", wird Lluis Gomez-Gener, ein SBER-Wissenschafter und einer der Hauptautoren der Studie, in der Mitteilung zitiert. "Ein Großteil des in Flüssen und Bächen produzierten CO2 wird tagsüber durch Photosynthese absorbiert, wodurch die Menge, die in die Atmosphäre gelangt, reduziert wird." Besonders groß waren die Schwankungen deshalb im Sommer, namentlich in Flussabschnitten, die nicht von Bäumen beschattet wurden. (APA/sda)


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