FC Bayern „missbilligt“ Flicks öffentlichen Abschiedswunsch

Alle reden über Julian Nagelsmann als neuen Bayern-Trainer. Doch können die Münchner ihn überhaupt bekommen? Weitere Namen werden gespielt, über logische und abstruse Ideen wird spekuliert.

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Wird Julian Nagelsmann neue Bayern-Coach?
© Anke Waelischmiller/SVEN SIMON via www.imago-images.de

München - Die Führung des FC Bayern hat verärgert auf die öffentliche Abschiedsankündigung von Trainer Hansi Flick reagiert. „Der FC Bayern missbilligt die nun erfolgte einseitige Kommunikation durch Hansi Flick und wird die Gespräche wie vereinbart nach dem Spiel in Mainz fortsetzen“, teilte der Vorstand des deutschen Fußball-Rekordmeisters am Sonntag mit. Coach Flick hatte am Samstag nach dem Bundesliga-Spiel in Wolfsburg öffentlich gemacht, dass er die Münchner gebeten habe, seinen noch bis Mitte 2023 laufenden Vertrag nach dieser Saison aufzulösen.

Die Bayern bestätigten zwar am Sonntag diese Bitte. Man habe aber eigentlich mit Flick vereinbart, den Fokus zunächst auf die Bundesliga-Partien in Wolfsburg, gegen Bayer Leverkusen am Dienstag und den FSV Mainz 05 am nächsten Samstag zu legen. Damit wollte man „die volle Konzentration des gesamten Vereins auf diese drei wichtigen Spiele“ nicht stören. Ob Flick wie von ihm erhofft eine Freigabe nach der Saison erhält, ist damit zunächst weiter offen.

Die Bayern müssen Flicks Bitte nach Vertragsauflösung erst noch zustimmen. Doch scheint dies alternativlos. Wer wird neuer Bayern-Trainer? Alles läuft vermeintlich auf Julian Nagelsmann von RB Leipzig hinaus. Aber es gibt noch weitere Varianten.

TOPFAVORIT: Julian Nagelsmann gilt als Wunschkandidat. Der 33-Jährige hat bei RB Leipzig einen Vertrag bis zum 30. Juni 2023, eine Ausstiegsklausel gibt es nicht. Nagelsmann, geboren im bayerischen Landsberg am Lech, gilt schon lange als Irgendwann-Bayern-Trainer. Als Kind und Jugendlicher war er Fan des Rekordmeisters. Er lebte auch mal in München. Außerdem will er nicht jeden Sommer Topspieler verlieren, sondern regelmäßig Titel gewinnen. Frau und Kind wohnen im Freistaat. Bayern böte auch seiner Leidenschaft Mountainbike ein perfektes Umfeld.

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ÜBERALL-KANDIDAT: Nationalmannschaft, Schalke, Frankfurt - Ralf Rangnick wurde zuletzt überall gehandelt, wo ein interessanter Posten frei war. Zwischen dem 62-Jährigen und Bayern-Patron Uli Hoeneß gab es in der Vergangenheit immer wieder Reibereien. Trotzdem soll Rangnick vor ein paar Jahren zum Kandidatenkreis für den Sportdirektorposten gehört haben. Zuletzt wirkte Rangnick als starker Mann erfolgreich am Aufschwung von RB Leipzig mit.

TAUSCHVARIANTE: Charme hätte das schon. Flick übernimmt die Nationalelf, Joachim Löw den FC Bayern. Doch schon vor solchen Gedankenspielen hat Löw Varianten dieser Art ausgeschlossen, zumal der frühere Stuttgarter Trainer eigentlich nicht mehr in der Bundesliga arbeiten will. „Logischerweise werde ich mal eine Pause einlegen, weil so ein Turnier immer auch in die neue Saison der Vereine hineingeht“, sagte Löw kürzlich zu seinen Vorstellungen nach der Nationalteam-Ära und der EM. Vorstellbar sei mit „emotionalem Abstand“ danach aber „einiges“, nur nicht der „Schaukelstuhl“. Ein Wechsel von U21-Trainer Stefan Kuntz im Gegenzug für einen Flick-Zugang beim DFB wäre eine Riesenüberraschung.

EX-SPIELER: Der aktuelle Co-Trainer und frühere Bayern-Stürmer Miroslav Klose, dessen Verhältnis zu Sportvorstand Hasan Salihamidzic in seiner Zeit als Münchner Jugendtrainer nicht konfliktfrei war, ist besser als Flick-Assistent beim DFB vorstellbar. Vom einstigen Mittelfeldstrategen Xabi Alonso schwärmte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge schon. Der zuletzt bei Borussia Mönchengladbach gehandelte Spanier verlängerte zwar bei Real Sociedad, aber ein Weg zu einem Top-Club wäre für ihn sicher trotz des Kontrakts möglich. Ex-Kapitän Mark van Bommel fehlt es nach etwas mehr als einem Jahr in Eindhoven noch an Erfahrung. Rekordnationalspieler Lothar Matthäus, der einst nicht mal den Greenkeeper-Posten bei Bayern bekommen sollte, ist längst mit den Münchnern versöhnt. Ein Engagement als Bayern-Trainer erwartet dennoch keiner.

INTERNATIONAL: Die Entwicklung des früheren Münchner Amateurtrainers Erik ten Hag, der mit Ajax Amsterdam Erfolge feierte, wird vom FC Bayern intensiv verfolgt. Er wäre eine naheliegende Lösung, falls Nagelsmann nicht zu bekommen sein sollte. Viel Erfahrung brächte auch Ex-Juve-Trainer Massimiliano Allegri mit, aber das letzte Italiener-Engagement scheiterte mit Carlo Ancelotti klar. In der Vergangenheit fiel immer wieder mal der Name von José Mourinho. Doch zum einen steht der bei Tottenham Hotspur unter Vertrag - und bei allem Unterhaltungswert ist eine Verpflichtung kaum vorstellbar.

JÜRGEN K.: Für Jürgen Klopp läuft die Saison mit dem FC Liverpool, bei dem er einen Vertrag bis 2024 hat, unbefriedigend. Vor mehr als einem Jahrzehnt wollte der FC Bayern Klopp schon einmal an die Säbener Straße holen. Damals war ein Wechsel von Mainz nah, aber die Münchner entschieden sich für einen anderen Jürgen: Das Projekt mit Jürgen Klinsmann scheiterte 2009 nach nur neun Monaten krachend. (dpa)


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