Pläne der Super League im Überblick: Gründer, Modus, Finanzen

  • Artikel
  • Diskussion
Vor Kurzem trafen Liverpool und Real Madrid noch in der Champions League aufeinander. Dieses Duell könnte es künftig in der Super League geben.
© GEPA pictures/ ZUMA Press

London/Madrid/Mailand - Insgesamt 20 Mannschaften, viele garantierte Gruppenspiele und nur wenige K.o.-Partien: So stellen sich die Gründungsmitglieder ihre neue Superliga vor. Gestartet werden soll laut Angaben der zwölf zusammengeschlossenen Clubs "sobald wie möglich". Ein Überblick über die wichtigsten Pläne zur "Super League" bzw. "European Super League", wie die Arbeitstitel vorerst lauten:

Als Gründer involvierte Clubs: Arsenal, Manchester United, Liverpool, Tottenham, Chelsea, Manchester City (alle ENG), AC Milan, Inter Mailand, Juventus Turin (alle ITA), Real Madrid, FC Barcelona, Atletico Madrid (alle ESP) - vorerst keine Clubs aus Deutschland, Frankreich oder anderen europäischen Ländern fixiert

Vorstände: Florentino Perez (Präsident Real Madrid) als Vorstandsvorsitzender, Andrea Agnelli (Vorstandsvorsitzender Juventus Turin) und Joel Glazer (stellvertretender Vorstandsvorsitzender Manchester United) als Stellvertreter

🔗>>> UEFA brüskiert: Topclubs präsentieren Pläne für eigene Super League

Teilnehmerzahl: 20

Teilnehmer: Die zwölf bekannten Gründungsclubs rechnen mit drei weiteren Vereinen, die sich ihrem Kreis anschließen. Diese dann 15 Mannschaften sind gesetzt. Dazu sollen fünf weitere Teams kommen, die sich auf Grundlage ihrer Erfolge in der jeweils vorangegangenen Saison qualifizieren. Nähere Angaben dazu, wie und auf welcher Basis das ablaufen soll, gibt es bisher nicht.

Modus: In zwei Zehnergruppen sollen die Teams Heim- und Auswärtsspiele austragen. Die besten drei Teams jeder Gruppe sind sicher im Viertelfinale. Die Teams auf den Plätzen vier und fünf spielen in Hin- und Rückspiel die letzten Plätze für das Viertelfinale aus. Ab da geht es wie in der K.o.-Phase der Champions League weiter, also mit Hin- und Rückspiel im Viertel- und Halbfinale und einem einzigen Finalspiel an einem neutralen Spielort.

Terminplan: Die Superliga soll im August beginnen, das Finale ist - ähnlich wie bisher in der Champions League üblich - für Ende Mai angekündigt. Gespielt werden soll nur unter der Woche, damit alle involvierten Mannschaften weiterhin auch an den nationalen Ligen teilnehmen können. Aus der Champions League der UEFA würden sie sich aber verabschieden.

Frauenfußball: "Sobald wie möglich" nach der Lancierung der Super League für die besten Männer-Teams soll es einen ähnlichen Wettbewerb auch für Frauenteams geben. Damit soll laut Angaben der Gründerteams die Weiterentwicklung des Frauenfußballs gefördert werden.

Finanzen: Die Gründungsvereine erhalten vorerst 3,5 Milliarden Euro. Diese sollen vor allem für Infrastrukturprojekte und zur Linderung der Folgen der Coronavirus-Pandemie eingesetzt werden. Danach soll es weitere, nach oben offene Solidaritätszahlungen geben - die laut Angaben der Gründer deutlich über den bisher generierten Umsätzen aus dem Europacup liegen. In der ersten Periode von 23 Jahren, in denen man sich zur Liga bekennt, sollen mehr als 10 Milliarden Euro zukommen. Der Großteil der Einnahmen soll aus der TV-Vermarktung kommen. Dazu hat die US-Bank JP Morgan bereits bestätigt, dass sie als Geldgeber einsteigt. (APA/dpa/Reuters)

💬 Reaktionen zur neu gegründeten "Super League":

Aleksander Ceferin (UEFA-Präsident): „Die Spieler, die in diesen Teams spielen, die vielleicht in einer geschlossenen Liga spielen, werden von der Weltmeisterschaft und Europameisterschaft ausgeschlossen. Es ist zu früh um über rechtliche Konsequenzen zu sprechen. Es soll aber so früh wie möglich geschehen."

Ralph Hasenhüttl (Southampton-Trainer): „Es ist eine große Bedrohung, die ich aufziehen sehe, ein Krieg, wenn Sie so wollen, der großen Clubs.“

Boris Johnson (Britische Premierminister): „Das sind keine guten Nachrichten für Fans und auch keine guten Nachrichten für den Fußball in diesem Land. Es sind Clubs, die aus ihren Orten und Städten, aus ihren lokalen Gemeinschaften stammen. Sie sollten eine Verbindung zu diesen Fans und zur Fangemeinde in ihren Gemeinden haben.“

Thomas Tuchen (Trainer Chelsea): „Ich vertraue meinem Club, die richtige Entscheidung zu treffen. Ich bin ein Angestellter des Vereins. Meine Aufgabe ist eindeutig. Jeder hat eine Rolle, die er einnimmt. Meine Rolle ist die des Trainers und die, fokussiert zu bleiben. Ich verstehe, dass es viele und emotionale Reaktionen gebe, es sei aber noch zu früh für eine Wertung.“

Gary Neville (Englischer Ex-Internationaler): „Ich bin Manchester-United-Fan, ich bin das seit 40 Jahren - aber ich bin empört, total empört. Das ist kriminell. Das ist ein krimineller Akt gegen die Fans! Das ist eine Schande. Das ist reine Geldgier. Das sind Hochstapler. Das sollte verdammt werden!“

Oliver Mintzlaff (RB Leipzig Vorstandsvorsitzender): „Wir sind Verfechter des sportlichen Wettbewerbs. Und der sportliche Wettbewerb im Profifußball sieht vor, dass man in der nationalen Liga darum kämpft, einen Tabellenplatz zu erzielen, der zur Teilnahme am internationalen Wettbewerb berechtigt. Wir lehnen die Pläne zur Gründung einer Super League ab."

Luís Figo (Ex-Weltstar): „Diese sogenannte „Superleague“ ist alles andere als „super“. Dieser gierige und gefühllose Schritt würde eine Katastrophe für unsere Basis, den Frauenfußball und die breitere Fußballgemeinschaft bedeuten.“

Alan Shearer (Englischer Ex-Internationaler): „Diese 12 Vereine haben mit dieser Ankündigung eine riesige Granate auf den Sport geworfen, und die Premier League sollte mit einer eigenen Granate reagieren und sagen: „OK, ihr werdet von der nächsten Saison an aus der Premier League verbannt.“ So sollten sie damit umgehen.“


Kommentieren


Schlagworte