„Floater“ in der Stadtgalerie Schwaz: Bilder, die über das Bildsein nachdenken

„Floater“: Die Stadtgalerie Schwaz bietet vier Lösungen zur Analyse der Rahmenbedingungen von Bildern.

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Demian Kerns Malerei „ohne Titel“ 2021 eröffnet die von Anette Freudenberger kuratierte Schau „Floater“ in der Galerie der Stadt Schwaz.
© Nagl

Schwaz – Auf Instagram regiert das Bild. Man kommuniziert in schönen (oft zu schönen) Bildern. Statt unzähliger individueller Zugänge ergibt das jedoch eine Flut von Bildern, die sich ähneln – übrig bleibt ein visuelles Rauschen. An individuellen Ausdrucksformen sind auch Milena Büsch, Demian Kern, Julian Tromp und Ellie de Verdier nicht interessiert. Sie analysieren die Rahmenbedingungen eines Bildes. Ihre Werke sind in „Floaters“ in der Galerie der Stadt Schwaz ausgestellt.

Leiterin Anette Freudenberger hat vier Kunstschaffende unter 40 ausgewählt, die mithilfe unterschiedlichster Mittel produzieren; am auffälligsten sind jene von de Verdier. Ihre Stoffbilder sind genäht. Mit einer ganz bewussten Herangehensweise: Mal ist die Hose als Hose erkennbar, mal bleibt der weiche Stoff Malgrund für sanfte Farbschlieren. Eine Leinwand der etwas anderen Art. Ähnlich bei Julian Tromp, der auf seinen – zumeist eigenwilligen – Gebrauchsstoffen lediglich Gebrauchsspuren hinterlässt. Kunsthistorisch nicht uninteressant: Malte der französische Maler Daniel Buren in den 60ern mit minimalistischen Streifen, die er von Markisenstoffen kannte, gegen die expressive Abstraktion an, erhebt Tromp ein Markisenmuster selbst zum Malgrund.

Auch bei Milena Büsch wird konzeptualisiert: Die Collage vereint in einem beginnenden 20. Jahrhundert plötzlich mehrere Wirklichkeiten auf einem Bildträger. Albert Oehlen legte diese Collagen als übergroße Aufnahmen neu auf, Milena Büsch hingegen kehrt zum Kleinformat zurück – verarbeitet die Collage aber malerisch, nennt sie „Für andere die Arbeit machen“. Was verändert sich durch die veränderten Rahmenbedingungen?

Diese Frage stellt sich auch beim Clash von Demian Kerns hyperrealistischer Malerei mit dem aquarellartigen Untergrund. Zu sehen: das Doppelporträt eines Briefkastens. Nein, „Floater“ ist also nichts für Instagram, bei den Bildern, die über das Bildsein nachdenken, fehlt der einfache Zugang. Einen Besuch wert ist die Schau aber allemal. (bunt)

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📍 Galerie der Stadt Schwaz. Palais Enzenberg, Schwaz; bis 22. Mai, Mi–Fr 12–18 Uhr, Sa 10–15 Uhr.


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