Kinderlosigkeit bis Wohnsituation: Wie sich Familien in Österreich ändern

Der aktuelle Familienbericht zeigt, wann Kinder das elterliche Haus verlassen, wie sich Gemeinschaften entwickeln – und welche Themen auch künftig relevant bleiben.

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Der demographische Wandel setzt sich fort. Der Anteil der Jungen an der Gesamtbevölkerung sinkt, jener der Älteren steigt.
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Wien – Alle zehn Jahre wird der Familienbericht veröffentlicht. Gestern wurde jener, der die Entwicklungen von 2009 bis 2019 umfasst, publiziert – es ist mittlerweile die sechste Ausgabe. Unter anderem zeigt die Untersuchung, dass junge Erwachsene den elterlichen Haushalt im Schnitt mit 25 Jahren verlassen. Im Zehn-Jahres-Vergleich ist der Anteil der 15- bis 29-jährigen Frauen, die noch bei ihren Eltern leben, gestiegen. Die 25- bis 39-jährigen Männer wohnten früher noch häufiger bei ihren Eltern als jetzt. Über alle Altersgruppen hinweg leben aber nach wie vor mehr junge Männer bei ihren Eltern als junge Frauen.

Eruiert wurden wieder auch die Familienformen. So sind derzeit etwa 45 Prozent der Familien Paare mit Kindern, 13 Prozent Ein-Eltern-Familien und 42 Prozent Paare ohne Kinder. „Anzahl und Anteil der Ein-Personen-Haushalte werden zunehmen, wobei vor allem die Zahl der Personen, die nach dem Tod der Partnerin bzw. des Partners bzw. nach der Scheidung alleine leben, steigen wird“, heißt es in dem Bericht. Und weiter: „Zukünftig wird es relativ mehr Ehepaare und Lebensgemeinschaften ohne Kinder im Haushalt geben.“

Kinderlosigkeit hoch, Vereinbarkeit mit Beruf hochrelevant

Damit zusammenhängen könnte, dass laut Familienbericht im europäischen Vergleich die Kinderlosigkeit in Österreich hoch ist – „insbesondere unter höher gebildeten Frauen“. Zwei Kinder sind demnach der häufigste Wert. Ein Grund dafür sei, dass Berufs- und Familienleben nicht immer vereinbar sind. Ergo: „Die Vereinbarkeit wird somit auch in Zukunft ein hochrelevantes Thema bleiben.“

Familienministerin Susanne Raab (ÖVP) verwies bei der Präsentation des Berichts darauf, dass in den vergangenen zehn Jahren deutlich mehr Kinderbetreuungsplätze geschaffen worden sind. In dieser Zeitspanne habe der Bund 442 Millionen Euro in den Ausbau gesteckt, dadurch sei die Zahl der betreuten unter Dreijährigen von 14 Prozent auf 26,5 Prozent gestiegen. „Diesen Weg wollen wir auch weiter gehen.“

Weiters rechnen die Forscher damit, dass Frauen künftig die Mehrzahl unter den höher Gebildeten stellen werden. Und immer weniger Menschen lassen sich vermählen. Nichteheliche Lebensgemeinschaften haben sich als weniger verbindliche Partnerschaftsform vor allem im jungen Erwachsenenalter etabliert, geht aus der Studie hervor. Auch andere bereits bekannte demographische Entwicklungen setzen sich fort. Der Anteil der Jungen (bis 19 Jahre) an der Gesamtbevölkerung sinkt, während jener ab 65 Jahren steigt. Gleich geblieben ist der Anteil der Jahrgänge dazwischen. (sas)

📉 Rückgang bei Geburten wegen Corona-Pandemie

Die Corona-Pandemie hat zu einem teils deutlichen Geburtenknick in vielen Staaten geführt. Das zeigt eine aktuelle Studie des Demographen Tomas Sobotka von der Akademie der Wissenschaften (ÖAW). In keinem einzigen der über 30 untersuchten Länder in der ganzen Welt sind die Geburtenzahlen neun Monate nach Ausbruch des Virus bis Jahresbeginn 2021 gestiegen. In Österreich entsprach die Entwicklung dem durchschnittlichen Trend aller analysierten Staaten: Vor Beginn der Auswirkungen der Pandemie gab es leicht rückläufige Geburten, ab November 2020 dann einen stärkeren Abfall (zunächst minus vier, dann minus 5,5 Prozent). Einen deutlichen Einbruch gab es in Spanien mit minus 20 Prozent.


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