Start für Monitoring der Artenvielfalt in Österreich

Biodiversitätskrise neben Klimakrise zweite große Herausforderung unserer Zeit, so Umweltministerin Gewessler. BirdLife Österreich berichtet von dramatischem Rückgang der heimischen Vogelpopulation.

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Der Naturschutzbund Österreich ernannte den Girlitz (Serinus serinus) zum Vogel des Jahres 2020.
© WOLFGANG SCHWEIGHOFER

Wien – Anlässlich des Earth Day, dem Internationalen Tag der Erde, kündigt Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) den Startschuss für ein österreichweites Biodiversitätsmonitoring. Ziel ist es Grundlagen für ein systematisches und flächendeckendes Monitoring zum Zustand der heimischen Natur zu entwickeln und einen konkreten Überblick über Arten- und Lebensraumvielfalt in Österreich zu schaffen. Über den alarmierend Zustand beim Bestand der Singvögel berichtet indes BirdLife.

„Die Biodiversitätskrise ist neben der Klimakrise die zweite große Herausforderung unserer Zeit. Eine vielfältige Natur ist unsere Lebensversicherung – sie ist die Grundlage für unsere Lebensmittel, unsere Baustoffe und unsere Medizin. Damit wir diese Lebensversicherung künftig besser schützen können, werden wir sie genau beobachten", sagte Gewessler am Donnerstag.

Auf bereits bestehende Monitoringsysteme für einzelne Ökosysteme, Tier- oder Pflanzenarten soll dabei aufgebaut, Lücken und Schwachstellen geschlossen und regelmäßige Berichte zum Zustand der Artenvielfalt in Österreich erstellt werden. Für das Biodiversitätsmonitoring ist zudem eine enge Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern geplant, auch Daten aus Projekten von Einzelpersonen, sogenannte Citizen Science Projekte, werden mit einbezogen werden.

BirdLife Österreich betreibt bereits ein Monitoring und die Langzeit-Forschung und alljährliche Bestandsüberwachung der heimischen Brutvögel der Vogelschutzorganisation zeigt: Bei etwa der Hälfte unserer 212 Brutvogelarten gibt es Handlungsbedarf, berichtete die NGO in einer Aussendung. In Österreich ging die heimische Vogelpopulation auf Wiesen und Äckern in den vergangen zwei Jahrzehnten im Schnitt um rund 40 Prozent zurück, bei einzelnen, ehemaligen „Allerweltsarten" gar um 90 Prozent. Europaweit ist die Lage noch dramatischer, seit 1980 verschwanden dort mit rund 300 Millionen Brutpaaren mehr als die Hälfte (57 Prozent) der Vögel in ländlichen Regionen.

„Eine Landschaft ohne Vögel ist eine tote Landschaft. Ihre Vielfalt und ihr zahlenmäßiger Bestand gelten als verlässlicher Indikator des aktuellen Zustandes unserer Umwelt. Und dieser ist auf Feld und Wiese alarmierend!", betont Gábor Wichmann, Geschäftsführer von BirdLife Österreich. „Weil die Natur die Grundlage unserer Existenz ist, ist die Biodiversitätskrise eine existenzielle Krise für den Menschen!" Um das Artensterben zu stoppen, benötige man auf den landwirtschaftlichen Flächen mindestens zehn Prozent Flächen für die Natur, fordert die Vogelschutzorganisation. (APA)


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