Sorge vor Delogierungen: „Gibt immer mehr Menschen, bei denen es eng wird“

Ob Kurzarbeit oder kein Einkommen: 13 Monate Pandemie haben viele Tiroler in finanzielle Schieflage geraten lassen. Die Zahl der Obdachlosen droht zu steigen.

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Wie viele Menschen aktuell in Tirol obdach- oder wohnungslos sind, ist nicht bekannt – 2018, bei der letzten Erhebung, waren es mehr als 1900.
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Innsbruck – 17.000 Mietern droht österreichweit die Delogierung, ein Drittel davon lebt in der Bundeshauptstadt, schlug die Volkshilfe Wien vor Kurzem Alarm. „In Tirol ist der große Knall bislang ausgeblieben“, sagt Michael Hennermann, Geschäftsführer des Vereins für Obdachlose in Innsbruck. Allerdings nehme auch hierzulande die Zahl jener zu, die sich ihre Wohnung kaum noch leisten können. Kurzarbeit, gar kein Job oder fehlende Perspektiven lassen mit zunehmender Dauer der Pandemie viele Männer und Frauen in finanzielle Schieflage geraten.

Noch hat Hennermann „keinen signifikanten Anstieg bei der Zahl der Obdachlosen bemerkt. Allerdings gibt es immer mehr Menschen, bei denen es eng wird.“ Bei der Delogierungsprävention, die im Verein angesiedelt ist, gebe es steigende Nachfrage für Beratungen. Anders als noch vor einem Jahr handle es sich oft „um sehr komplexe und schwierige Lebenssituationen, vor allem bei jenen, die im Tourismus beschäftigt sind oder waren“, meint er. „Die Gefahr ist da, dass manche von ihnen irgendwann ohne Wohnung dastehen.“

Prävention statt mehr Notschlafstellen

Zuletzt wurde die Zahl der Obdachlosen in Tirol im Jahr 2018 von der Statistik Austria erhoben, 1905 waren es da. Wie viele es aktuell sind, ist nicht bekannt. Es könnten mehr werden. „Die Antwort auf diese drohende Entwicklung darf aber nicht die Errichtung weiterer Notschlafstellen sein“, sagt Hennermann. 150 Plätze als niederschwelliges Angebot für eine Übernachtung gibt es laut Auskunft des Landes derzeit. Zudem noch ein breites Angebot an Unterkünften mit unterschiedlicher Betreuungsintensität. Der Geschäftsführer des Vereins für Obdachlose erklärt, dass es vor allem Ziel sein muss, „jene Menschen, die bereits eine Wohnung haben, dabei zu unterstützen diese auch behalten zu können“.

Genau das hat sich das Land Tirol vorgenommen, bereits Ende März wurde angekündigt, Sozialberatung und Delogierungsprävention um 260.000 Euro zusätzlich pro Jahr auszubauen und einen 300.000 Euro schweren Fonds zur Unterstützung bei Mietrückständen einzurichten. Soziallandesrätin Gabriele Fischer (Grüne) erklärt, genau beobachten zu wollen, ob die Obdachlosenzahlen ansteigen, und sollte dies eintreten, „rechtzeitig zu reagieren“. Nur wenn die Bevölkerung aufeinander schaue und achtsam sei, könnten die momentanen Schwierigkeiten bewältigt werden, sagt Fischer. „Wir müssen gemeinsam alles daransetzen, dass sich diese Gesundheits- nicht zu einer sozialen Krise entwickelt.“ (bfk)

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