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TT-Analyse zu #allesdichtmachen: Pandemie-müde Profis im feingeistigen Mäntelchen

Mit einer konzertierten Internetaktion haben mehrere Dutzend vornehmlich aus Film und Fernsehen bekannte, bisweilen sogar berühmte Schauspielerinnen und Schauspieler Kritik an den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie geübt. Das ist ihr gutes Recht. Der Kulturbetrieb wurde besonders hart von den Seuchenbekämpfungsversuchen getroffen – und steht seit gut dreizehn Monaten bis auf wenige Ausnahmen still.

Die Branche, deren ökonomische Bedeutung selbst von ressortzuständigen Politikern lange unterschätzt wurde, leidet; verdienten Veranstaltern droht der Ruin; manche haben bereits umgesattelt; andere bereiten sich – angekündigte Öffnungsschritte hin oder her – auf die nächsten harten Monate, wenn nicht sogar Jahre vor. Es wäre fraglos eine schöne Geste der Solidarität gewesen, wenn die Privilegierteren der Szene diesen Sorgen und Nöten ihre reichweitenstarken Plattformen angeboten hätten.

Die Proponenten von „#allesdichtmachen“ taten anderes. Sie stellten Videos online, die das Stilmittel der Ironie ausreizten. Ironie ist etwas Feines. Ironie, das heißt, das Gegenteil von dem sagen, was man meint. Ironie muss man können. Und man muss sie sich leisten können. Wer gerade um sein Überleben, das Überleben anderer oder eines Betriebs kämpft, kann das nicht. Die tatsächlichen Opfer der Krise – der gesundheitlichen genauso wie der wirtschaftlichen – können sich von der Alles-dicht-Kampagne nur verhöhnt fühlen: Eine Gruppe von Fernsehgrößen kocht im Mäntelchen feingeistiger Verfremdung gängige „Querdenker“-Botschaften auf – und wundert sich tags darauf darüber, dass ausgerechnet die „Querdenker“ jubeln.

Manche Mitstreiter der missglückten Ironie-Offensive haben ihre Clips inzwischen offline genommen. Andere distanzieren sich zwar nicht von ihren Videos, aber von denen, die sie besonders eifrig beklatschen. Mit etwas Medienkompetenz hätte man im Vorhinein wissen können, wo die weinerlichen Witzchen auf besonders fruchtbaren Boden fallen. Und die sollte man auch von Pandemie-müden Profis, die regelmäßig vor der Kamera stehen, erwarten können.

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