„Coded Bias“: Pflichtstück für jeden, der online unterwegs ist

Das 85-Minuten-Werk aus den USA, „Coded Bias“ im englischen Original, ist schlicht ein Pflichtstück. Die Doku ist auf Netflix zu sehe

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Der Diskriminierung im Internet auf der Spur: Wissenschafterin Joy Buolamwini.
© Coded Bias/Netflix

Von Markus Schramek

Innsbruck – Es kann sein, dass dem Betrachter der Kopf schwirrt ob all der Info-Dichte in der neuen Netflix-Doku „Vorprogrammierte Diskriminierung“. Dem potenziellen Kopfweh sollte man sich dennoch aussetzen. Das 85-Minuten-Werk aus den USA, „Coded Bias“ im englischen Original, ist schlicht ein Pflichtstück. Zumindest für all jene, die routinemäßig online gehen, via Smartphone oder Computer.

Sobald man sich ins weltweite Web einklinkt, ist man nicht mehr allein. Im Hintergrund werden unablässig Daten gesammelt. Algorithmen ordnen und gewichten die Info und erstellen Profile von uns Benutzern.

Mehr als uns lieb und bewusst ist, mischen sich Algorithmen in unser Leben ein. Abhängig von unserem Online-Verhalten, teilen sie uns ausgewählte Infos am Smartphone zu, auch in Form von Werbung, die am Display aufpoppt und stutzig macht: Angefordert hat man das Kaufangebot nicht, unserem Geschmack entspricht es aber. Woher weiß der unbekannte Absender bloß von unseren Vorlieben?

Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs, wie die Doku aufzeigt. Algorithmen entscheiden über das Wohl und Wehe eines Menschen: Ob jemand einen Job oder einen Kredit bekommt oder gar, ob er in aller Öffentlichkeit von der Polizei durchsucht wird, weil sein von Überwachungskameras erfasstes Gesicht fälschlich einem Kriminellen zugeordnet wird.

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Menschen dunkler Hautfarbe werden von der computergesteuerten Künstlichen Intelligenz besonders schäbig behandelt. Das hat Joy Buolamwini vom renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) nachgewiesen. Weiße Vorurteile und die Diskriminierung Nicht-Weißer spiegeln sich in vielen Computeranwendungen wider. Oft werden diese von weißen Männern programmiert.

Buolamwini ist es gelungen, mit ihrer Forderung nach gesetzlichen Regeln für Künstliche Intelligenz vom US-Kongress gehört zu werden. Dort werden entsprechende legislative Schritte befürwortet. Das ist einer der wenigen Lichtblicke in einer Welt, die das Denken mehr und mehr an Rechenmaschinen delegiert.

Die Doku „Vorprogrammierte Diskriminierung“ („Coded Bias“) läuft auf Netflix.


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