Eine kleine Wählergruppe mit viel Macht bestimmt die Oscar-Gewinner

In der Nacht auf Montag geht die 93. Oscar-Gala über die Bühne, in einer speziellen Corona-Ausgabe, verteilt auf mehrere Standorte und ohne den üblichen Rummel.

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Filmfan mit persönlichem Oscarfavorit „Mank“ und (nachgeahmter) Statue vor dem Bahnhof Union Station in Los Angeles, einem der Schauplätze der heutigen Oscar-Verleihung unter Corona-Vorzeichen.
© AFP

Los Angeles – In der Nacht auf Montag geht die 93. Oscar-Gala über die Bühne, in einer speziellen Corona-Ausgabe, verteilt auf mehrere Standorte und ohne den üblichen Rummel. Gewählt sind die Preisträger zu diesem Zeitpunkt natürlich schon längst, denn am Dienstag vor der Vergabe der Oscars müssen die Stimmzettel eingegangen sein.

Die knapp 9000 Mitglieder der Akademie können in der Endrunde in allen 23 Kategorien von „Kamera“ bis „Bester Film“ abstimmen. Die meisten Nominierungen waren zuvor von den einzelnen Branchen gewählt worden. Es gibt 17 Berufszweige, darunter stellen die Schauspieler und die Produzenten die beiden größten Gruppen.

Der Weg in die „Academy of Motion Picture Arts and Sciences“ führt über eine Oscarnominierung, über Empfehlungen oder besondere Verdienste um den Film. Man kann sich keine Mitgliedschaft erkaufen, man wird zum Mitglied berufen.

So wurden 2020 ganze 819 Personen von der Academy neu eingeladen, 45 Prozent davon Frauen. Zum erlauchten Kreis gehören dabei auch einige Österreicher, so etwa die Regisseure Wolfgang Glück und Michael Haneke, Schauspieler Christoph Waltz und Kameramann Christian Berger oder die ebenfalls aus Tirol stammende Editorin Monika Willi.

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Oscars auf TT.com

Wir berichten Montagfüh auf TT.com ausführlich von der Oscarverleihung. ORF 1 beginnt um 0.30 Uhr mit der Vorberichterstattung.

Die Oscar-Juroren müssen ihre Stimmzettel mit der Post oder online einreichen. Nach alter Tradition zählt die Prüfgesellschaft PricewaterhouseCoopers die Stimmen von Hand an einem geheimen Ort aus. Die streng gehüteten Ergebnisse in 23 Kategorien werden dann in versiegelten Umschlägen direkt zur Preisgala gebracht.

Aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie hat die Academy für die 93. Oscars außerdem den Zeitraum, in dem ein Film erscheinen muss, um für eine Nominierung infrage zu kommen, verlängert. Wird üblicherweise exakt ein Kalenderjahr beurteilt, so wird heuer das filmische Schaffen zwischen 1. Jänner 2020 und 28. Februar 2021 bewertet. Auch wurde die eherne Regel aufgeweicht, dass Filme sieben Tage in Los Angeles County im Kino gelaufen sein müssen. Wenn ein geplanter Kinostart ob der Corona-Sperren nicht zustande kam, können Streamingfilme ausnahmsweise Berücksichtigung finden. Natürlich gibt es für alle Detailfragen zu den einzelnen Kategorien ausführliche Antworten: Auf immerhin 38 Seiten erstrecken sich diese Regeln für die 93. Oscars.

Mit zehn Nominierungen geht die Hollywoodbiografie „Mank“ über die Entstehung des Filmklassikers „Citizen Kane“ als großer Favorit ins Rennen. Auf sechs Nominierungen kommen unter anderem „Minari“ von Lee Isaac Chung, „The Father“ von Florian Zeller und „Nomadland“ von Golden-Globe-Siegerin Chloé Zhao.

Die Anzahl der Nominierungen ist jedoch bei Weitem kein echter Indikator für die Anzahl der Trophäen. 2018 etwa heimste der 13-fach nominierte Film „The Shape of Water“ von Guillermo del Toro nur vier Auszeichnungen ein.

2004 hingegen setzte „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ sämtliche seiner elf Nominierungen in Oscarwürden um und egalisierte damit den Rekord von „Ben Hur“ und „Titanic“. Selbst wenn „Mank“ alle seiner zehn Nominierungen auch tatsächlich in Statuetten umsetzen können sollte, würde es somit nicht für einen Stockerlplatz in der Allzeitliste reichen. (APA, TT)


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