Nagelsmann über Transfer zu Bayern: "Gibt Spieler, die deutlich mehr kosten"

Julian Nagelsmann wird neuer Trainer des FC Bayern und damit Nachfolger von Hansi Flick. Die Ablösesumme, die die Münchner an RB Leipzig überweisen, dürfte ein Rekordniveau haben. Für Flick ist der Weg zum deutschen Nationaltrainerposten frei. Salzburg-Coach Marsch wird derweil als Nachfolger in Leipzig gehandelt.

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Julian Nagelsmann jubelt ab Sommer für den FC Bayern.
© Anke Waelischmiller/SVEN SIMON via www.imago-images.de

München – Julian Nagelsmann wird neuer Trainer beim deutschen Rekordmeister FC Bayern. Die Münchner einigten sich mit dem Ligakonkurrenten RB Leipzig auf einen Wechsel des 33-Jährigen, der an der Säbenerstraße einen Fünfjahresvertrag erhält. "Ich bin froh, dass der Wechsel zustande kommt", betonte Nagelsmann am Dienstagnachmittag, dass sich für ihn damit "ein Lebenstraum" erfülle. Salzburg-Trainer Jesse Marsch dürfte einer von drei Kandidaten auf die Nagelsmann-Nachfolge sein.

Wie viel sich die Bayern den Wechsel kosten lassen, gaben die Clubs nicht bekannt. Doch mindestens 25 Millionen Euro soll Leipzig für seinen zuvor noch bis 30. Juni 2023 gebundenen Coach verlangt und auch bekommen haben. Das ist eine Ablöse in einer völlig neuen Dimension für Trainer. Leipzigs Vorstandschef Oliver Mintzlaff sprach von einer "massiv hohen Ablöseforderung" und "Rekordablösesumme", die von den Bayern letztlich erfüllt worden sei.

Eine genaue Summe wollte der 45-Jährige zwar nicht nennen, sagte aber dann abschließend zu diesem Thema: "In dem Fall ist es mir natürlich wichtig, dass es sich um eine extremst hohe Ablösesumme gehandelt hat. Und das, was ich da gehört habe und was kolportiert wird - das ist zumindest nicht so, dass wir das dementieren." In einigen deutschen Medien war sogar von 30 Millionen Euro die Rede.

Nagelsmann: "Deswegen ist mir nicht angst und bange"

"Es gibt Spieler, die deutlich mehr kosten und mit diesem Druck umgehen müssen, ihre Leistung zu bringen. Deswegen ist mir nicht angst und bange", meinte Nagelsmann, als er damit konfrontiert wurde, dass er nun der teuerste Fußballtrainer der Welt ist. Wer neuer Leipzig-Coach wird, ist dagegen noch ungewiss. "Es gibt eine Shortlist mit drei Namen", verriet Mintzlaff lediglich, dementierte aber entschieden, dass man sich schon mit Marsch geeinigt hätte.

Bisher waren 7,5 Mio. Euro für den Wechsel des Vorarlbergers Adi Hütter von Eintracht Frankfurt zu Borussia Mönchengladbach der Ablöse-Höchstwert eines Trainers in Deutschland. International galt bisher der Wechsel von Andre Villas Boas vom FC Porto nach London zu Chelsea vor zehn Jahren als Rekord. Von 15 Millionen Euro war damals die Rede.

Es gibt Spieler die deutlich mehr kosten und mit diesem Druck umgehen müssen, ihre Leistung zu bringen. Deswegen ist mir nicht angst und bange.
Julian Nagelsmann, künftiger Bayern-Trainer

"Julian Nagelsmann steht für eine neue Trainergeneration. Trotz seiner jungen Jahre hat er schon eine beeindruckende Laufbahn vorzuweisen. Wir sind überzeugt davon, dass wir mit Julian Nagelsmann an die großartigen Erfolge der vergangenen Jahre anknüpfen werden", sagte Bayern-Präsident Herbert Hainer in einer Club-Aussendung.

Hainer dankte Flick, in dessen Ära die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte mit sechs Titeln, darunter dem Gewinn der Champions League, fällt: "Er wird immer einen Platz in den Geschichtsbüchern des FC Bayern haben." Flick wird nach seiner vorzeitigen Vertragsauflösung als Topkandidat auf die Nachfolge des deutschen Bundestrainers Joachim Löw gehandelt. "Ein Wermutstropfen bleibt: Die größten Erfolge in dieser Zeit konnten wir nicht mit den Fans feiern. Ich habe sie in jedem Spiel vermisst", betonte der scheidende Coach, für den es "eine sehr große Ehre" war, die Bayern zu betreuen.

Das ist es auch für Nagelsmann, der im Sommer 2019 für fünf Millionen Euro von Hoffenheim nach Leipzig gewechselt war. Der Bayer, der am 23. Juli 1987 in Landsberg am Lech geboren wurde, war als Kind und Jugendlicher Bayern-Fan und sagte einmal in einem Interview: "Der FC Bayern spielt in meinen Träumen schon eine etwas größere Rolle."

Leipzig steht nun vor der Herausforderung, einen neuen Trainer und Sportdirektor zu finden. Denn neben Nagelsmann hört auch Markus Krösche beim Club von Marcel Sabitzer und Konrad Laimer auf. "Wir hatten in der Vergangenheit immer wieder Veränderungen auf der Trainer-, Direktoren- und Spielerseite", sagte Vorstandschef Oliver Mintzlaff. "Und wir sind jedes Jahr stärker zurückgekommen und konnten uns weiterentwickeln. Und ich bin mir auch sicher, dass wir wieder den nächsten Schritt machen."

Marsch als heißer Kandidat für Leipzig-Job

Eine Rückkehr des ehemaligen Salzburg-Sportdirektors Ralf Rangnick schloss er jedoch aus. "Für mich hat sich die Struktur und die Aufgabenteilung mit den drei Managern Krösche, Scholz und Vivell bewährt. Von dieser Idee möchte ich nicht abrücken - wir schauen, wie wir das zur neuen Saison lösen", sagte Mintzlaff zur Arbeit von Ex-Salzburger und Kaderplaner Christopher Vivell und des Medienchefs Florian Scholz als kaufmännischer Leiter. Beide haben die Aufgaben von Krösche vorerst bis zum Saisonende übernommen.

Mit dem aktuellen Salzburg-Coach und ehemaligen Leipziger "Co" Marsch stünde ein für Leipzig passgenauer Nagelsmann-Nachfolger bereit. Der US-Amerikaner, dessen Vertrag in Salzburg - ohne Ausstiegsklausel - bis Sommer 2022 datiert ist, wollte am Montag keinen Kommentar zur Causa abgeben. "Ich habe das gelesen, ich habe schon über dieses Thema geredet. Wir bleiben mit unserer Konzentration bei unserer Aufgabe. Das ist meine einzige Aussage", erklärte der 47-Jährige bei einem Pressetermin. Zumindest einen Hauch aufschlussreicher waren seine Ausführungen am vergangenen Donnerstag auf Sky: "Wenn ich die Möglichkeit als Trainer in Leipzig haben kann, dann ist es eine super Idee für mich." (APA, dpa)


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