Dreharbeiten in Tirol: ORF und Netflix machen Aichners „Totenfrau" zur Serie

Anna Maria Mühe wird für die Verfilmung von Bernhard Aichners gleichnamigem Thriller zur „Totenfrau“. Gedreht wird noch bis 12. Mai in Tirol. ORF und Netflix zeigen die Serie Ende 2022.

  • Artikel
  • Diskussion
Autor Bernhard Aichner mit der "Totenfau" Anna Maria Mühe und Regisseur Nicolai Rhode.
© monafilm/Barry Film/StephanBurchhardt

Von Joachim Leitner

Zams – Dass gedreht wird, war schon in der vergangenen Woche sichtbar. An der Talstation der Venetbahn, deren Gondeln – die TT berichtete – auffallend umgestaltet wurden. Im Sellrain, wo ein Begräbnis nachgestellt wurde. Und auf Bernhard Aichners Social-Media-Kanälen. Dort stellte der Tiroler Bestsellerautor am vergangenen Dienstag den Schnappschuss einer Filmklappe online, auf der man „Totenfrau“ lesen konnte. Nachfragen nach näheren Details blieben aber zunächst unbeantwortet.

Gestern Früh bestätigten ORF und Streamingdienst Netflix also zunächst das bereits Bekannte: Die Dreharbeiten für „Totenfrau“ – eine Produktion der Berliner Produktionsfirma Barry Films und der österreichischen Mona Film – haben begonnen. Bernhard Aichners 2014 erschienener Thriller wird zur sechsteiligen TV-Serie, die im Herbst 2022 zunächst im ORF ausgestrahlt werden soll und danach beinahe weltweit auf Netflix abrufbar sein wird. Nach dem historischen Mehrteiler „Freud“, der im Vorjahr im ORF zu sehen war, ist „Totenfrau“ die zweite Zusammenarbeit des öffentlich-rechtlichen Senders mit dem US-amerikanischen Streaming-Giganten.

In Tirol entstehen vor allem Außenaufnahmen

Noch bis 12. Mai wird in Tirol gedreht. Hier entstehen vor allem die Außenaufnahmen der auch von der heimischen Filmförderung Cine Tirol finanziell und organisatorisch unterstützten Produktion. Danach zieht das Filmteam weiter nach Wien, wo Studio- und Innenaufnahmen folgen.

Inszeniert wird die Serie vom deutschen Regisseur Nicolai Rohde, der auch das Drehbuch der Serie mitgeschrieben hat. Rohde drehte zuletzt unter anderem den Kieler „Tatort“ „Borowski und der Schatten des Mondes“ und den hochgelobten ARD-Zweiteiler „Unschuldig“. Bei „Unschuldig“ arbeitete Rohde bereits mit dem aus den Stuttgarter „Tatorten“ bekannten Schauspieler Felix Klare zusammen, der nun auch in „Totenfrau“ eine tragende Rolle spielen wird.

Als titelgebende „Totenfrau“ steht Anna Maria Mühe seit vergangenem Dienstag vor Rohdes Kamera. Die 35-Jährige zählt schon seit gut zwei Jahrzehnten zu den gefragtesten deutschen Film- und Fernsehschauspielerinnen. Ihre erste Kinohauptrolle spielte sie 2002 in „Große Mädchen weinen nicht“. 2009 war sie für „Novemberkind“ für den Deutschen Filmpreis nominiert. Zuletzt war die Tochter des 2007 verstorbenen Schauspielers Ulrich Mühe („Das Leben der Anderen“) unter anderem in der Netflix-Serie „Dogs of Berlin“ und Ferdinand von Schirachs Fernsehspiel „Gott“ zu sehen.

In „Totenfrau“ spielt Mühe die Bestatterin Brünhilde Blum, deren beschauliches Leben nach dem mysteriösen Tod ihres Mannes eine ebenso dramatische wie drastische Wendung nimmt: Die Mutter zweier kleiner Kinder geht auf einen blutigen Rachefeldzug.

Auch die Nebenrollen der Thrillerserie sind namhaft besetzt: Robert Palfrader, Gregor Bloéb, Simon Schwarz, Wolfram Koch und der international bekannte israelische Schauspieler und Tänzer Yousef Sweid („Game of Thrones“, „Homeland“ und „Unorthodox“) übernehmen größere Parts.

Die Verfilmung des in 16 Sprachen übersetzten internationalen Bestsellers „Totenfrau“ ist schon seit Jahren Thema. Kurzzeitig stand im Raum, dass Aichners Roman Vorlage für eine US-Serie wird. Im Herbst 2020 wurde öffentlich, dass der ORF und Netflix den Stoff gemeinsam realisieren wollen. Bereits 2018 wurde der Thriller am Tiroler Landestheater für die Bühne adaptiert.

Nun ist „Totenfrau“ das zweite Buch von Bernhard Aichner, das binnen weniger Monate fürs Fernsehen adaptiert wird. Im vergangenen Sommer verfilmte Regisseur Harald Sicheritz Aichners Max-Broll-Krimi „Für immer tot“ mit Laurence Rupp und Jürgen Vogel als ungewöhnlichem Ermittlerduo als Koproduktion des ORF und des deutschen ZDF. „Für immer tot“ soll Ende dieses Jahres zu seiner TV-Premiere kommen.

Mit Harald Sicheritz schreibt Bernhard Aichner derzeit eine weitere Serie. Geplant sind acht Folgen. Über den Inhalt hielt sich Aichner zuletzt bedeckt: Angedacht sei eine Art „österreichisches Fargo“ – „ein bisschen Western, etwas Krimi, viel schwarzer Humor“.


Kommentieren


Schlagworte