B1.1.7-E484K: Von Laer optimistisch, Variante in Tirol in Griff zu bekommen

"Nährboden" für den Ausbruch der Mutation könnten laut der Virologin von Laer die vielen Teilimmunisierungen im Bezirk Schwaz gewesen sein. Würde der relative Anteil der Mutation in den nächsten zwei bis drei Wochen steigen, dürfe man in den betroffenen Bezirken keine Öffnungsschritte setzen. LH Platter sieht Tirol "von Sondermaßnahmen weit entfernt".

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Dorothee von Laer bei einer Pressekonferenz, als sie noch als Beraterin der Bundesregierung fungierte.
© HELMUT FOHRINGER

Innsbruck – Die Innsbrucker Virologin Dorothee von Laer hat sich am Dienstag vorsichtig optimistisch gezeigt, die in Tirol vorkommende Virusvariante B1.1.7-E484K in den Griff zu bekommen. Der Schlüssel dafür liege beim Testen, einer konsequenten Kontaktnachverfolgung, Einhaltung der Quarantäne sowie beim Impfen. Wenn der relative Anteil der Mutation und die Infektionszahlen weiter sinken, könne aus ihrer Sicht Mitte Mai wie geplant geöffnet werden, sagte die Virologin.

Sollte dies nicht der Fall sein, dürfe man in den betroffenen Bezirken keine Öffnungsschritte setzen. Allerdings meinte sie, dass die weitere Durchimpfung sowie das schöne Wetter bestimmt helfen werden - ein, zwei Wochen könne man die Entwicklung noch beobachten. Von Laer betonte, dass es wichtig sei, dass die Menschen durch die Impfung "gut geschützt sind, dass gar keine Varianten mehr entstehen" und die Infektionszahlen niedrig bleiben.

Günther Platter sieht Tirol "von Sondermaßnahmen weit entfernt"

Landeshauptmann Günther Platter.
© EXPA/JOHANN GRODER

Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) sieht Tirol im Vorfeld der geplanten Öffnungen Mitte Mai trotz der Mutante "von Sondermaßnahmen weit entfernt". Platter verwies im Rahmen einer Pressekonferenz am Dienstag auf die "stabile Lage" in den Spitälern und eine "sinkende Tendenz" beim Infektionsgeschehen.

Er gehe davon aus, dass Tirol "genau so wie jedes andere Bundesland am 19. Mai die Öffnungsschritte unternehmen wird", so der Landeschef. Mit einer Inzidenz von aktuell 197,1 läge man deutlich unter dem Wert von vor einer Woche mit 220. 109 Corona-Infizierte würden derzeit in den Spitälern behandelt, vor einer Woche waren es 128. Zudem nahm Platter einmal mehr auf die Lage auf den Intensivstationen Bezug. Über 180 Intensivbetten stünden in Tirol zur Verfügung, nur 33 seien momentan mit Corona-Patienten belegt. Im vergangenen Dezember seien es noch mehr als 80 gewesen, so der Landeschef. Er sei froh, dass man sich österreichweit darauf verständigt habe, die Lage in den Spitälern als "wichtigste Messlatte" zu sehen, betonte Platter: "Da haben wir seit Wochen eine absolut stabile Situation".

"Ich glaube, dass die Bedeutung der Inzidenzzahl mit der Steigerung der Impfrate und auch mit der Zahl der Genesenen an Bedeutung verliert", fügte LH-Stv. Ingrid Felipe (Grüne) ergänzend hinzu. Sie erachte es als wichtig, "dass nicht nur die Bundesregierung und die Landeshauptleute, sondern auch die breite Öffentlichkeit erkenne, dass die Inzidenzzahl ein unvollständiges Abbild der Realität sei". Das "Schielen auf die Inzidenzzahl" sei zu wenig, meinte Felipe - "sonst kommen wir nicht mehr raus aus diesem Theater".

Teilimmunisierung in Schwaz als "Nährboden" für Mutation

Dorothee von Laer geht davon aus, dass die Teilimmunisierung im Bezirk Schwaz – der mittlerweile aber auch ein zweites Mal durchgeimpft ist – den "Nährboden" für den Ausbruch der Virusvariante bereitete. In so einem Fall entwickeln sich leichter sogenannte "Fluchtvarianten", wie B1.1.7-E484K es ist. Die Mutante war bereits zuvor vereinzelt weltweit im Umlauf, habe sich aber erst nach der ersten Impfrunde in Schwaz stark verbreitet. "Wenn der Nährboden wegfällt, kann gut sein, dass doch wieder die britische Variante übernimmt", führte sie aus.

Klar sei, dass die Fluchtvariante ansteckender ist. Ob sie aber auch gefährlicher ist – sprich zu schweren Verläufen und einer höheren Sterblichkeit führt – aber noch nicht. Die Datengrundlage sei bisher noch zu dünn, "man kann höchstens schließen, dass die Teilimmunisierung die Wahrscheinlichkeit für schwere Verläufe vermindert. Da gibt es Hinweise", sagte die Virologin. Mit Stand Dienstag waren bei 729 mit dieser Variante infizierten Personen lediglich zwei auf der Intensivstation, am Montag waren noch 800 Menschen mit dem Virus infiziert. Von Laer schätzte, dass die Gefährlichkeit "vergleichbar" zu anderen Varianten sei. "Bei der Sterblichkeit von einem halben Prozent wird es wohl bleiben. Wir bekommen aus Corona kein Ebolavirus", beruhigte sie.

Die Virologin, die auch als Beraterin des Bundeskanzleramtes fungierte, übte indes Kritik an der Kommunikation der Politik. "Die Politik soll nicht immer von Coronamüdigkeit reden. Es gibt noch genug Leute die mitmachen und testen gehen". Durch diese ständige Betonung der "Coronamüdigkeit" würde sich diese erst recht verstärken. (TT.com, APA)


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