Der Fall Rosalie hat viel bewegt: Endlich Entlastung für pflegende Eltern in Tirol

Die Geschichte der kleinen Rosalie schlug hohe Wellen. Ab Mai wird die Organisation Curaplus als zentrale Anlaufstelle Tiroler Familien mit behinderten Kindern entlasten.

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Rosalie (3) ist eine Frohnatur. Das Mädchen aus Mutters wird daheim von seinen Eltern gepflegt. Ihre Geschichte sorgte für Aufsehen.
© Altendorfer

Von Nicole Strozzi

Mutters – Im Februar berichtete die Tiroler Tageszeitung über den Fall Rosalie. Das dreieinhalbjährige Mädchen aus Mutters ist schwer behindert und braucht Pflege rund um die Uhr. Seit Jahren kämpfen seine Eltern Martina Altendorfer und Anton Pfeiffer um angemessene Pflegeentlastung. Die Suche nach einer geeigneten Pflegekraft kostete die Familie unendlich viel Kraft. „Es gibt in Tirol kein adäquates Entlastungsangebot“, bemängelte Altendorfer damals. Gemeinsam mit Susi Kra, die mit ihrem Projekt „Stille Helden“ die Familie unterstützte, forderten sie vom Land Tirol ein Konzept für die Entlastung der Eltern von dauerhaft pflegebedürftigen Kindern.

Curaplus startet in Tirol

Die Geschichte von Rosalie brachte einen Stein ins Rollen. Das Land Tirol stand der Forderung offen gegenüber. Aufgrund des Zeitungsartikels wurde außerdem die Organisation Curaplus auf die Situation aufmerksam. Curaplus bietet mobile Kranken- und Intensivpflege für pflegebedürftige Kinder und war bis jetzt in Kärnten, Salzburg und Wien tätig. Ab 1. Mai wird die Organisation als zentrale Anlaufstelle nun auch Eltern und Kindern in Tirol helfen. Es wird eine Telefon-Hotline geben, an die sich betroffene Familien wenden können. „Eine Ansprechperson wird vermitteln und Fragen rund um Anträge, Förderungen, Hilfsmittel und Pflegeunterstützung beantworten“, erklärt Geschäftsführer Michael Tesar.

Für jede Familie ist eine diplomierte Kinderkrankenschwester bzw. ein Krankenpfleger zuständig, die bzw. der den Eltern und Kindern regelmäßig für ein paar Stunden am Stück unter die Arme greift. Gemeinsam mit seinem Team hat Tesar innerhalb von acht Wochen eine komplette Struktur in Tirol aufgebaut. „Wir haben bis jetzt zehn Mitarbeiter und beginnen im Mai damit, vier bis fünf Familien zu betreuen“, erklärt der gelernte Intensivpfleger. Die Leitung in Tirol werden Dipl.Krankenschwester Elke Reiner und Dipl. Krankenschwester Daniela Koini (Osttirol) übernehmen.

Mit dem Land Tirol besteht eine Direktverrechnungsvereinbarung. Das Land wird einen Teil der Kosten übernehmen. Die Vereinbarung sieht eine 90-Stunden-Pflege pro Monat vor. „Wir arbeiten eng mit der Klinik, Ärzten, Sozialarbeitern, Ergotherapeuten und Psychologen zusammen“, betont Tesar. Eltern erhalten so die dringend benötigte Auszeit von ihrem 24-Stunden-Pflegealltag. Sie können Schlaf nachholen, sich um Geschwisterkinder kümmern oder vielleicht sogar geringfügig einem Job nachgehen. Eltern leisten oft Unfassbares. „In den meisten Fällen muss mindestens ein Angehöriger für die Pflege den Job aufgeben“, weiß Tesar. Vor allem Mütter laufen große Gefahr, in die Altersarmut abzurutschen.

Es gibt noch viel zu tun

„Ich weiß, was es heißt, als Mama eines schwer kranken Kindes ständig über das Ende seiner eigenen Kräfte hinaus zu leben. Deshalb freue ich mich sehr, dass es nun dank vieler vereinter Hände gelingt, eine Entlastung für Mamas und Papas in Tirol zu schaffen, die Tag und Nacht mit all ihrer Liebe und ihrer Kraft ihre schwer kranken oder behinderten Kinder pflegen“, freut sich Susi Kra.

Mehr Infos

Dass Curaplus nun als Drehscheibe fungiert, ist ein erster wichtiger Schritt. Doch es gibt noch viel zu tun. „Schwer behinderte Kinder haben keine Lobby“, sind sich Kra und Tesar einig. Ein Wunsch wäre es, dass die 90-Stunden-Betreuung im Bedarfsfall ausgedehnt wird. „Und auch die Sozialversicherungsträger sollten einen höheren Kostenbeitrag leisten, damit für Angehörige keine Selbstkosten entstehen“, sagt Tesar. Bisher werde nur eine Stunde medizinische Hauskrankenpflege pro Woche abgegolten.

Weiters brauche es in Österreich noch viel mehr Einrichtungen, die schwer behinderte Kinder betreuen. „Inklusion ist kaum möglich, weil eine ordentliche Assistenz fehlt. Hier sind die Behörden gefordert“, sagt Susi Kra. Doch Rosalie hat gezeigt, dass es sich lohnt, zu kämpfen. „Solche Erfolge beflügeln weiterzumachen.“


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