Saharastaub verkürzt den Winter

Dank einer Kombination aus Staub und Ruß ist die Schneesaison rund 17 Tage kürzer.

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Der Himmel über Innsbruck hat sich vor zwei Monaten gelb gefärbt.
© Böhm

Wien, Zürich – Ende Februar war es wieder so weit, der Himmel war trüb und der gelbe Staub aus dem Süden legte sich über Tirol. Auf einigen Balkonen und Terrassen sind die Spuren immer noch zu sehen. Aber zu diesem kleinen Ärgernis kommt jetzt eine große Erkenntnis: In einem Jahr, in dem die weiße Pracht stark durch verwehten Staub aus der Sahara und Rußpartikel getrübt wird, kann sich die Schneesaison um rund 17 Tage verkürzen. Das haben französische Wissenschafter mit Blick auf die Alpen und Pyrenäen berechnet.

Diverse stärkere derartige „Events“ in den vergangenen Jahren ließen ein Team um die Direktorin des Schneeforschungszentrums Météo-France, Marie Dumont, darüber nachdenken, welche Auswirkungen der Mineraleintrag auf die Schneedecke haben kann. Das erklärte sie gestern in einer Pressekonferenz bei der heuer zum zweiten Mal online und nicht wie sonst üblich in Wien stattfindenden Geowissenschafter-Konferenz (European Geosciences Union). Der hervorstechendste Effekt hat mit der Farbänderung des Schnees zu tun: Der dunklere Schnee reflektiert weniger Sonnenlicht. „Dadurch gelangt mehr Energie in die Schneedecke, was die Temperatur erhöht und Schmelzen auslöst“, sagte Dumont.

Über die vergangenen 40 Jahre „ist die Ablagerung von Staub in Kombination mit Ruß für eine Verkürzung der Schneesaison von im Schnitt 17 Tagen verantwortlich“, sagte die Wissenschafterin. Der Saharastaub, der im Februar in die Berge Frankreichs gelangt ist, könnte dazu beitragen, dass regional die Schneedecke bis zu einen Monat früher schmilzt.

Nicht nur der Schnee, auch das Eis ist starken Veränderungen ausgesetzt. In den letzten zwei Jahrzehnten haben die Gletscher weltweit 267 Gigatonnen Eis pro Jahr verloren. Demnach war das schmelzende Eis für rund ein Fünftel des Meeresspiegelanstiegs verantwortlich, wie ein internationales Team im Magazin Nature berichtet. Mit dem verlorenen Eis-Volumen hätte die Fläche der Schweiz alljährlich sechs Meter unter Wasser gesetzt werden können, teilte die ETH Zürich mit. (APA)


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