Landeck stellt den „bösen Weg“ ins Schaufenster

Mobilität steht im Fokus des Euregio-Museumsjahres 2021. Schloss Landeck gibt Einblicke zur Bedeutung der Reschenroute, die lange Zeit als „böser Weg“ galt.

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Bis 1854 führte die Reschenstraße über Altfinstermünz. Die Route war Klammer der heutigen Europaregion.
© Wenzel

Landeck – Das Stichwort „Der böse Weg“ ist in einem Straßenzustandsbericht des Innsbrucker Hofbaumeisters Jörg Kölderer 1524 zu finden. Der Beamte meinte damit speziell den schwierigen Abschnitt um den Reschenpass. „Bis 1600 waren die Straßen über den Reschen und Brenner die wichtigsten Alpenübergänge“, zeigt die Kulturhistorikerin Sylvia Mader auf, die zu den historischen Spuren des „bösen Weges“ geforscht hat. „Die Reschenroute war die Verbindung der einst bedeutenden Handelszentren Augsburg und Ulm mit der Metropole Venedig.“

Menschen aller sozialen Stände hätten die exponierte Straße genutzt, die damals ein Saum- und Karrenweg war. Auch Kaiser und Könige querten den Reschen, wie Mader herausfand. Dokumentiert ist das etwa für die Mailänder Herzogstochter Maria Bianca Sforza, die im November 1493 mit 600 Pferden und 70 Maultieren teils im Sattel, teils zu Fuß über den Reschen unterwegs war. Ziel des Trosses war Innsbruck, wo Sforza ihren Bräutigam traf – König Maximilian (später Kaiser), genannt der letzte Ritter. Aber auch Maximilian selbst hat die Route mehrmals genutzt. In seinem Auftrag entstand der mächtige Torturm (1502 bis 1537) als Teil der Wehranlage Altfinstermünz. 1496 reiste Maximilian I. nach Mals und Glurns, um Kriege zur führen.

Zu den Pflichten des Hofbaumeisters Kölderer gehörte die Inspektion der „landesfürstlichen“ Durchzugsstraßen. 1524 ist der Zustand am Reschen laut Kölderer wieder einmal „pös“ (böse, miserabel). Die vielen Schlaglöcher verursachten Pannen, von denen auch Gegenpapst Johannes XXIII. auf dem Weg zum Konzil von Konstanz (1414–1418) nicht verschont blieb. Über den Reschenpass wurden Luxusgüter ebenso transportiert wie weißer Marmor aus Laas, Glaswaren, Schmuck, Seidenstoffe und Wein. Was aus heutiger Sicht erstaunlich scheint: „Im internationalen Transit des Mittelalters war der Reschen dem Brenner überlegen“, zeigt die Forscherin auf. „Die Transportmenge war zwar nur die Hälfte, aber der Anteil an überregionaler Fracht war höher.“

Ideenlieferant zum EU-geförderten und vom Regionalmanagement regioL koordinierten Projekt (Volumen 50.000 Euro) ist Franz Geiger vom Bezirksmuseumsverein. Hintergrund ist das Gesamttiroler Museumsjahr 2021. Geiger schlug vor, die Bedeutung des Verkehrs zu beiden Seiten des Passes zu beleuchten. Mader konzipierte die Wanderausstellung „Der böse Weg“, Start am 26. Juni auf Schloss Landeck. (hwe)


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