Oktoberfest auch 2021 wegen unabwägbarer Corona-Risiken abgesagt

In Corona-Zeiten wäre die Ansteckungsgefahr auf dem Fest mit oft bis auf den letzten Platz besetzten Bierzelten und dem Gedränge in den Gassen zu groß, haben Ministerpräsident Markus Söder und Oberbürgermeister Dieter Reiter entschieden. Der Wiesn-Chef sieht die Absage als richtigen Schritt.

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Die Wiesn 2021 sollte vom 18. September bis zum 3. Oktober stattfinden.
© Tobias Hase

München – Viele hatten es kommen sehen: Auch dieses Jahr gibt es wegen der Corona-Pandemie kein Oktoberfest. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) begründeten die Entscheidung am Montag mit der nicht absehbaren Entwicklung bei den Infektionszahlen. Bereits 2020 war die Wiesn abgesagt worden – zum ersten Mal seit gut 70 Jahren.

Eine sichere Durchführung von Volksfesten mit Hygienemaßnahmen wie Masken sei nicht realistisch, erläuterte Söder. Bei einer späteren Absage drohe ein noch größerer wirtschaftlicher Schaden. Die Wiesn wiederum sei „eine der größten, vielleicht die größte Visitenkarte", die Bayern in der Welt habe – und die könne beschädigt werden.

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (l.) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder.
© CHRISTOF STACHE

„A bisserl Wiesn geht nicht"

Reiter sagte, auch für ihn persönlich sei es keine leichte Entscheidung. Es mache aber keinen Sinn, länger zu warten. Um ein Volksfest feiern zu können, müsse das Volk auch hingehen können. Zudem müsse es eine angstfreie und sichere Atmosphäre geben. „A bisserl Wiesn geht nicht."

Schausteller und Wirte äußerten sich enttäuscht. Für viele ist es kaum fassbar, das das Volksfest zwei Mal in Folge abgesagt wird. Im vergangenen Jahr war es erstmals seit gut 70 Jahren ausgefallen – und alle hatten fest auf 2021 gesetzt. Nur im Ersten Weltkrieg gab es länger keine Wiesn: Von 1914 bis 1918 feierte München nicht.

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Vom 18. September bis 3. Oktober hätte die Wiesn stattfinden sollen. Auch wenn bis dahin viele geimpft sein könnten: Wie wäre es mit der Ansteckungsgefahr in voll besetzten Bierzelten und im Gedränge der Gassen? Etwa ein Testzelt vor dem Bierzelt, ein Impfpass zum Reservieren, Feiern mit 1,50 Metern Abstand oder gar ein Verzicht aufs Bier, damit die Gäste die Regeln nicht vergessen – das wäre kaum vorstellbar.

Das letzte Oktoberfest vor der Pandemie im Herbst 2019 lockte Millionen Besucher aus aller Welt an.
© CHRISTOF STACHE

Wiesn-Chef: Absage „völlig richtig“

Der Wiesn-Chef und Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU) stellte sich hinter die Absage. Die Entscheidung sei „völlig richtig – nicht nur aus Rücksicht auf die Gesundheit der Besucher, sondern auch aus Rücksicht auf den guten Ruf des Münchner Oktoberfestes als qualitätsvolles, sicheres Fest". Er setze nun auf 2022.

„Dass wir zwei Jahre keine Wiesn haben, ist für alle Kollegen ein schwerer Schlag – wir hätten uns nie vorstellen können, dass es so kommen könnte", sagte der Sprecher der Wiesn-Wirte, Peter Inselkammer. Trotz aller Ungewissheit hatten sich laut Inselkammer die allermeisten Stammgäste vor allem aus der Region ihre Plätze gesichert. Zu 95 Prozent hätten sie ihre Tische so bestellt wie 2019.

„Uns trifft das ins Mark", sagte der Vorsitzende des Münchner Schaustellerverbandes, Peter Bausch. „Uns fehlt wieder ein ganzes Jahr." Schließlich werde nicht nur das Oktoberfest abgesagt – „sondern wieder eine ganze Saison". Dabei hätten Aussagen der Politik Hoffnung aufkeimen lassen: „Wenn es im Herbst Normalität geben soll, dann gehört zur Normalität auch ein Volksfest", sagte Bausch.

Die erneute Absage trifft wirtschaftlich nicht nur Schausteller, Wirte und Budenbesitzer, sondern auch Hotels, Gaststätten, Taxifahrer und Einzelhändler. Die Wiesn 2019 hatte nach Angaben der Stadt einen Wirtschaftswert von rund 1,23 Milliarden Euro. (APA/dpa)

🚫 Cholera, Krieg, Inflation: Zwei Dutzend Oktoberfeste ausgefallen

Bereits gut zwei Dutzend Mal ist das Münchner Oktoberfest in seiner gut 210-jährigen Geschichte ausgefallen. Im vergangenen Jahr war wie in diesem der Grund die Corona-Pandemie. Bereits im 19. Jahrhundert war das Volksfest zwei Mal an einer Seuche gescheitert – der Cholera.

1810 hatte München zur Hochzeit von Kronprinz Ludwig – der spätere König Ludwig I. – mit Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen das erste Oktoberfest gefeiert. Schon das vierte Oktoberfest 1813 wurde gestrichen – wegen der Kämpfe mit Napoleon.

Ein paar Jahrzehnte später griff die Cholera um sich. Zwei Mal wurde das Fest deswegen abgesagt: 1854 und 1873. In der ersten Welle starben in München fast 7400 Menschen. Unter ihnen war auch Königin Therese, der zu Ehren die Wiesn zum ersten Mal stattgefunden hatte und nach der das Festgelände, die Theresienwiese, benannt ist. Bevor die Cholera knapp zwanzig Jahre später zurückkehrte, ließ im Jahr 1866 der preußisch-österreichische Krieg keine Feierlaune aufkommen, Bayern war hier an der Seite Österreichs dabei.

Auch während der Weltkriege gab es keine Oktoberfeste. So feierte München von 1914 bis 1918 nicht. 1919 und 1920 fanden zwar kleine Herbstfeste statt, die aber nicht als Oktoberfeste zählen. 1923 wiederum hatten die Menschen wieder andere Sorgen: die Hyperinflation. Auch in diesem Jahr gab es keine Wiesn, ebenso während des Zweiten Weltkriegs. Erst 1949 ging es wieder richtig los.

Gut 70 Jahre wurde dann jedes Jahr gefeiert – bis die Corona-Pandemie im vergangenen Jahr eine erneute Pause erzwang.

Vor der Zwangspause 2020 fand die Wiesn gut 70 Jahre lang durchgehend statt.
© Peter Kneffel

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