Tag der Inklusion: Forderung nach Verbesserung statt Sonntagsreden

Der Obmann des Behindertenberatungszentrum BIZEPS fordert anlässlich des Tages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung echte Verbesserungen statt Sonntagsreden. Gesundheitsminister Mückstein erklärte, dass ein Projekt zu "Lohn statt Taschengeld" in Arbeit sei.

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Symbolbild.
© BeatriceBB/Pixabay

Wien – Anlässlich des "Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung" am Mittwoch fordern Interessensvertretungen echte Verbesserungen statt "Sonntagsreden". Martin Ladstätter, Obmann des Behindertenberatungszentrums BIZEPS, forderte dringend einen ordentlichen Nationalen Aktionsplan. Die Lebenshilfe pochte auf ein echtes Gehalt statt Taschengeld. Sozialminister Wolfgang Mückstein (Grüne) verwies auf ein entsprechendes Projekt, das in Arbeit ist.

"Gleichstellungspolitik in Österreich erinnert mich immer an eine Kuckucksuhr", meinte Ladstätter in einer Aussendung: "Mit lautem Getöse werden salbungsvoll Vorsätze hinausgerufen und teilweise auch treffende Ist-Analysen zitiert. Der Kuckuck fährt wieder ein und es passiert - nichts." Wenn in den nächsten Wochen kein ordentlicher Nationaler Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen erstellt werde, "dann haben wir wieder ein Jahrzehnt verschlafen".

Vertreter der Lebenshilfen und des Österreichischen Behindertenrats wollen am Mittwoch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) ihre Forderungen nach einem inklusiven, durchlässigen Arbeitsmarkt und fairer Entlohnung übergeben. "Vom Gesetz her bist du immer ein Kind, aber wir sind erwachsene Menschen", meinte Nicole Braunstein, Selbstvertreterin der Lebenshilfe Österreich. Wie Braunstein arbeiten derzeit viele Menschen mit Behinderungen in Werkstätten und erhalten am Ende des Monats Taschengeld und kein eigenes Gehalt. Das solle sich ändern, die Beschäftigung in Werkstätten solle kollektivvertraglich entlohnt werden, nur so könne Durchlässigkeit und Chancengerechtigkeit hergestellt werden, lautet die Forderung der Lebenshilfe.

Sozialminister Mückstein erklärte in einer Aussendung, dass "Lohn statt Taschengeld" ein besonderes Leitprojekt des Sozialministeriums sei. Seitens des Sozialministeriums wurde demnach eine Studie zum Thema Arbeitsunfähigkeit in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse bis Ende dieses Jahres vorliegen sollen. Derzeit würden gerade Berechnungen erstellt und Konzepte erarbeitet. Man beabsichtige, gemeinsam mit den Ländern und den sonstigen Stakeholdern ein Gesamtkonzept zu erarbeiten. "Das Projekt 'Lohn statt Taschengeld' und damit verbunden eine sozialversicherungsrechtliche Absicherung für die betroffenen Menschen ist ein Beispiel dafür, wie wir gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen stärken", betonte Mückstein. "Es ist mir dabei ein besonderes Anliegen, Inklusion bei unseren Comeback-Maßnahmen nach der Krise mitzudenken und voranzutreiben." (APA)


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