Kunstprojekt „Gebt mir Bilder!“: Starke Bilder, die Fragen stellen

„Gebt mir Bilder!“ fordert die Ausstellung, mit der die Diözese Innsbruck den 500. Geburtstag ihres Patrons Petrus Canisius feiert. Mit internationaler Kunst in und vor Kirchen in Innsbruck und Hall.

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Mehr als fünf Meter hoher, 2014 aus Stahl gemachter „Altar“ des belgischen Künstlers Kris Martin am Haller Friedhof.
© Diözese Innsbruck/Gerhard Berger

Von Edith Schlocker

Innsbruck, Hall – Viele Jahrhunderte lang waren Kirchen – auch – Kunsträume. Offen für die Kunst der jeweiligen Zeit. Dieses längst verloren gegangene Symbiotische neu zu beleben, wird in der Diözese Innsbruck seit vielen Jahren in der Fastenzeit versucht und aktuell durch das groß angelegte Kunstprojekt „Gebt mir Bilder!“. Anlass für das Projekt, angestoßen von Innsbrucks kunstsinnigem Bischof Hermann Glettler, ist der 500. Geburtstag von Petrus Canisius, dem diözesanen Patron. Der sich als Ausstellungsmacher Hubert Salden, den ehemaligen Leiter der Kunsthalle im Haller Salzlager mit ins Boot geholt hat.

Zelebriert als spannender Parcours mit acht Stationen in Innsbruck und Hall. Bestückt mit den Arbeiten von 19 zum Teil international renommierten KünstlerInnen, von denen einige für das Projekt entstanden sind. Laut Bischof Glettler ganz bewusst nicht mit dabei sind Tiroler Kunstschaffende.

180x240x360 Zentimeter großer „Schwamm“ aus gelbem Schaumstoff des in Hamburg lebenden Michel Abdollahi vor der Innsbrucker Jesuitenkirche.
© Diözese Innsbruck/Gerhard Berger

Es sind teilweise sehr starke Bilder, mit denen die vielteilige Schau konfrontiert. Bilder, die nachdenklich bzw. betroffen machen angesichts des Zustands unserer Welt und des gesellschaftlichen Umgangs mit dem/den Anderen. Wunderbar metaphorisch verpackt etwa von Berlinde De Bruyckere in ihrer vor einem Beichtstuhl in der Haller Jesuitenkirche positionierten Skulptur „Die Scham“. Ein totes Fohlen liegt hier auf einem Hackstock stellvertretend für die missachtete Kreatur, unmissverständlich die Frage aufwerfend, wer sich wofür zu schämen hat.

Für Bischof Glettler ist dieser profanisierte Kirchenraum, in dem sich u. a. auch zwei starke Fotoarbeiten des albanischen Künstlers Paci oder eine berührende Installation von Zenita Komad finden, das „Hirn“ des klug ausgesteckten Parcours, bei dem man so manchen der KünstlerInnen mehrfach begegnet. Etwa den in kräftiges Magenta getauchten Arbeiten von SUSI POP, die etwa in der Innsbrucker Spitalskirche ihre Version von Géricaults „Floß der Medusa“ von 1816 von der Orgelempore als ins Heute geholtes Schreckensszenario hängen lässt.

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Im Innsbrucker Dom zu St. Jakob: lebensgroßer „Ecce Homo“ aus Gießharz mit einer Krone aus vergoldetem Maschendraht von Mark Wallinger.
© Diözese Innsbruck/Gerhard Berger

Komplett konträr dazu ist die Handschrift von Michel Abdollahi, der auf den Platz vor der Innsbrucker Jesuitenkirche einen ins Monumentale vergrößerten, ganz normalen Putzschwamm aus gelbem Schaumgummi gelegt hat. Seine Deutung überlässt der Künstler dem Betrachter genauso wie Kris Martin, der den berühmten Genter Altar auf den Haller Friedhof transferiert hat. Reduziert zum rostenden Rahmen des Flügelaltars, dessen gemalte Bilder hier durch den Blick auf den Bettelwurf ersetzt werden. Eine „Enttäuschung“, so Hermann Glettler, die den Betrachter auf sich selbst zurückwerfe, seine eigenen Innenbilder.

Eine wirkliche Entdeckung ist die für die Schau entrümpelte Haller Schneiderkirche.Ein wunderschöner, komplett dunkler Raum, in dem ein Video von Mark Wallinger zu sehen ist (ein zweites läuft in der Krypta des Innsbrucker Doms) neben einem ebenso berührenden von William Lamson.

Das Budget für das diözesane Kunstprojekt wird nicht verraten. Finanziert werde es ausschließlich durch Sponsoren, denn dass kein Cent aus Kirchenbeiträgen hier geflossen ist, ist Bischof Glettler wichtig zu betonen.


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