Mit Schlüsselbund endlich Tor zur EM aufsperren

Sieben Spiele in 13 Tagen: Österreichs Volleyballerinnen wollen erstmals seit den 70er-Jahren wieder zu einer EM – unter Neo-Trainer de Brandt.

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Seit über einem Jahr Teamchef, jetzt aber zum ersten Mal vor der öffentlichen Linse: Volleyball-Nationalteamtrainer Jan de Brandt bei einem Selfie mit Kapitänin Sophie Wallner.
© gepa

Von Sabine Hochschwarzer

Innsbruck – Noch haben ihn, abgesehen von Österreichs Volleyball-Damen, nur wenige zu Gesicht bekommen. Dabei ist Jan de Brandt als neuer Nationalteamchef bereits über ein Jahr lang im Amt. Corona-bedingt fielen allerdings alle Bewerbsspiele aus. So trat der Belgier erst gestern erstmals öffentlich auf. Und wartete gleich mit einer Ansage auf: „Unser Ziel ist sehr deutlich!“

Österreichs Volleyballerinnen wollen sich für die EM (von 18. August bis 4. September) qualifizieren – zuletzt ist das „irgendwann in den 70er-Jahren“ gelungen, wie Sportdirektor Gottfried Rath-Zobernig bei der gestrigen ÖVV-Präsentation ausführte.

Gegen Spanien, Norwegen und Griechenland gefordert

Schon in den kommenden Tagen wird es erstmals ernst: Heute geht es nach Larisa (GRE), dort trifft man am Freitag auf Spanien, am Samstag auf Norwegen und tags darauf auf die Gastgeber und Favoriten, wie Teamchef de Brandt, der als Coach schon Belgien und Ungarn zu EM-Tickets verholfen hatte, erklärte: „Das Ranking Spaniens mag zwar besser sein als jenes der Griechinnen, aber diese Mannschaft befindet sich im Umbau.“

Da sich nur die ersten zwei der Gruppe – nach der Rückspiel-Runde von 13. bis 15. Mai in Graz – qualifizieren, geht es somit schon zum Auftakt übermorgen gegen Spanien um fast alles. Also „zack, zack, los“, wie die Tiroler Teamspielerin Nikolina Maros beschreibt. „Wir vertrauen auf die Einschätzung des Trainers, er ist ein erfahrener Mann“, sagt die Hallerin, die seit Beginn des Projekts „Damen-Nationalteam“ vor fünf Jahren mit dabei ist.

An Erfahrung gewannen auch die Spielerinnen – darunter mit den Legionärinnen Monika Chrtianska (Pfeffingen/SUI) und Anamarija Galic (Maribor/SLO) zwei weitere Tirolerinnen. 2019 hatten sie mit dem Sieg in der Silver League und dem Aufsteig in die Golden League aufhorchen lassen. „Das ist in etwa vergleichbar mit der Gruppe A der Nations League im Fußball“, erklärte Sportdirektor Rath-Zobernig. Ein Erfolg, der damals möglicherweise etwas früh und überraschend gekommen sei, jetzt aber habe man alles in der Hand: „Der Weg zur EM ist wie ein Tor mit vielen Schlössern. Inzwischen haben wir einen großen Bund an Schlüsseln. Jetzt gilt es noch, den jeweils richtigen zu verwenden.“

Der Weg zur EM ist wie ein Tor mit vielen Schlössern. Inzwischen haben wir einen großen Bund an Schlüsseln. Jetzt gilt es noch, den jeweils richtigen zu verwenden.
Gottfried Rath-Zobernig, ÖVV-Sportdirektor

Auch Maros, die am Samstag ihren 24. Geburtstag feiert, ist keine 19 mehr, wie zu Beginn des Projekts. „Jetzt zähle ich schon zu den Ältesten“, sagt sie. Inzwischen kenne man sich auch in- und auswendig in der Mannschaft: „Früher hat es sieben bis acht Tage gedauert, bis wir mit der Aufspielerin wieder abgestimmt waren, heute klappt alles schon nach ein, zwei Trainings.“ Nach dem erneuten Titelgewinn mit Linz-Steg ist eine EM-Qualifikation Maros’ Ziel. Nicht nur das ihre. „Für uns wäre es ein Riesentraum“, sagt Kapitänin Sophie Wallner.

Für die ÖVV-Männer ist dieser – auch dank Aufstockung von 16 auf 24 teilnehmende Teams – wahr geworden. Im heurigen Jänner haben sie eine erneute Quali aber verpasst, so wie die Damen knapp vor zwei Jahren. Wallner: „Leider reichte es nicht ganz, aber jetzt sind wir dafür umso motivierter.“ Selbst wenn in der entscheidenden Phase nächste Woche in Graz die Fans fehlen.


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