Unternehmer rebelliert gegen Mafia: 40 Festnahmen auf Sizilien

Italien würdigt den sizilianischen Süßwarenhersteller Giuseppe Condorelli, der sich den Erpressungen der Mafia nicht beugte und sich an die Polizei wandte.

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Polizisten in Catania (Archivbild).
© ALBERTO PIZZOLI

Catania – Italien würdigt den sizilianischen Süßwarenhersteller Giuseppe Condorelli, der sich Mafia-Erpressungen nicht gebeugt und dank seiner Anzeige bei der Polizei zur Inhaftierung prominenter Mafiosi beigetragen hat. 40 Mafiosi wurden am Dienstag im Rahmen einer ausgedehnten Razzia in Catania festgenommen.

Im März 2019 hatte Condorelli eine Molotow-Flasche mit einem Drohbrief erhalten. Damit wurde ihm Mord angedroht, hätte er dem Mafia-Clan Santapaola-Ercolano kein Schutzgeld gezahlt. Im Gegensatz zu vielen anderen sizilianischen Unternehmern beugte sich der 54-jährige Condorelli nicht der Erpressung und wandte sich an die Polizei, um den Fall anzuzeigen - genau wie es einige Jahre davor schon sein Vater getan hatte. Seine Aussagen setzten eine Untersuchung in Bewegung, die zu den 40 Festnahmen in Catania führten.

„Es lohnt sich immer, Erpressungen anzuzeigen“

„Es lohnt sich immer, Erpressungen anzuzeigen. Wir Unternehmer haben auch soziale Pflichten gegenüber der Gesellschaft. Man muss den Institutionen und Sicherheitskräften vertrauen“, sagte Condorelli. Seine Familie ist seit Generationen für die Produktion von Pralinen und „Torroncini“, beliebte Weihnachtssüßigkeiten aus türkischem Honig, bekannt.

Auf die Frage, ob er vor den Mafiosi Angst habe, antwortete Condorelli, er mache sich nicht um sich selbst, sondern mehr um seine Familie Sorgen. „Doch wenn man die Mafia bekämpfen will, gibt es einen einzigen Weg: Erpressungen anzuzeigen“, ist der Unternehmer überzeugt.

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Sein Mut blieb nicht ungeachtet. „Italien ist auf Condorelli stolz, der sich nicht den Mafiosi beugt“, lobte Matteo Salvini, Chef der rechten Regierungspartei Lega. Condorelli sei ein Vorbild für die vielen Süditaliener, die gegen die Mafia rebellieren. „Dank Condorellis Anzeige und der Justizermittlungen weht neuer Wind auf Sizilien“, unterstrich der sizilianische Senator Davide Faraone.

Nach Angaben des italienischen Kaufleuteverbands Confesercenti erwirtschaftet die Mafia mit der Erpressung von Betrieben und Geschäftsinhabern jährlich Milliarden Euro. 2006 wurde auf Sizilien die Bürgerinitiative „Addiopizzo“ gegründet, der sich eine stetig steigende Anzahl von Geschäftsleuten und Unternehmern angeschlossen hat. Die Mitglieder verpflichten sich, der Mafia kein Schutzgeld zu zahlen. (APA)


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